Experten suchen Lösung gegen Geisterfahrer

Tübingen - “Achtung, Geisterfahrer!“ Fast täglich läuft diese Warnung im Radio. Immer wieder gibt es schwere Unfälle auf der Autobahn. Seit Jahren versuchen Experten, das Phänomen zu verstehen und suchen nach einer zündenden Idee, um Falschfahrer zu stoppen.

Für einen Familienvater, der im April auf der Bundesstraße 27 in Baden-Württemberg unterwegs war, kam hingegen jede Warnung zu spät: Der 43-Jährige starb, als ein Geisterfahrer frontal in sein Auto krachte. Der 35-jährige Falschfahrer steht dafür seit Freitag in Tübingen wegen Mordes vor Gericht. Bei solchen Unfällen stehen Experten häufig vor vielen Rätseln, denn längst nicht immer ist klar, weshalb Menschen zu Falschfahrern geworden sind. Und noch schwieriger ist die Frage, wie man Geisterfahrten verhindern kann.

Das sind die nervigsten Autofahrer

Autofahrer Verkehrssünder
Straßenrambos geben Gas oder drängeln, andere blockieren hartnäckig die Mittelspur. Hinterm Steuer bauen viele beruflichen und privaten Stress ab. Diese Autofahrer sind echt nervig: © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
1. Auffahrer: Obwohl ungenügender Sicherheitsabstand ein gravierendes Unfallrisiko ist, klebt der anderen immer an der Stoßstange. Im Crashtest bei Tempo 100 kann selbst ein Profi hinterm Steuer nicht mehr reagieren, wenn der Vordermann plötzlich bremst. Die Regel lautet: "Abstand = halber Tacho". © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
2. Straßenrambo: Der Drängler gibt auf der Autobahn Vollgas. Mit Lichthupe kämpft er sich die linke Spur frei. Sie halten die linke Spur für eine reine Überholspur. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
3. Mittelspur-Blockierer: Die Mitttelspur ist ihre Heimat. Egal, ob die Autobahn frei ist oder das Tempo auf der rechten Spur höher ist. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
4. Blinkmuffel: Abbbiegen, wenn es einem gefällt. Vielleicht brennt ja ein Lämpchen durch, wenn man zuviel blinkt? Oder schont das Nicht-Blinken die Batterie?  © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
5. Gehweg-Blockierer: Diese Autofahrer denken sie stehen in der Rangordnung des Straßenverkehrs an oberster Stelle. Fußgänger oder Radfahrer haben sich unterzuordnen. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
6. Parkplatz-Blockierer: Dem Parkplatz-Blockierer gehört scheinbar die ganze Welt oder möglichst viel Raum. Warum nur einen Parkplatz belegen, wenn man mindestens zwei haben kann? Markierungen auf dem Asphalt übersieht er gnadenlos. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
7. Einfädel-Ignorierer: Bis zum Ende der Spur durchfahren, dann einfädeln, so lautet die Regel. Auch wenn Stauexperten immer wieder und wieder dazu raten, stößt diese Empfehlung bei vielen Autofahrern auf taube Ohren. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
8. Musik-Mobil: Der Bass wummst und selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern ist der Sound aus dem Auto unüberhörbar. Lautes Musikhören kennt übrigens keine Altersgrenzen. © dpa
Ampel
9. Der Farbenblinde: Die Ampel steht nur kurz auf grün, doch das stört den Farbenblinden kaum. Falls er dann endlich mal langsam über die Kreuzung rollt, ist er der Einzige. © dpa
Scheibenwischer
10. Scheibenwischer-Fans: Diese Autofahrer stehen auf einen klaren Durchblick. Die Wischanlage ist immer im Einsatz: bei Tempo 50 in der Stadt oder auf der Autobahn. © dpa
Autofahrer Verkehrssünder
11. Vorfahrt-Erzwinger: Kreuzungen in Wohngebieten sind ihr Revier. Sie schleichen sich freundlich an und setzten dann knallhart ihren Willen durch. © dpa

Bei dem 35-jährigen Angeklagten ist sich die Staatsanwaltschaft sicher, dass er mit voller Absicht zum Geisterfahrer wurde - um sich selbst das Leben zu nehmen. Gegen solche Amok-Fahrten lasse sich kaum etwas machen, sagt Ralf Bettermann, Verkehrssicherheitsmoderator beim Auto Club Europa (ACE). Doch solche Fälle sind eher die Ausnahme. “In den meisten Fällen haben Geisterfahrer schlichtweg die Orientierung verloren“, sagt er.

Besonders häufig komme das nachts bei starkem Regen vor, wenn man schlecht sieht, erklärt Reimund Elbe, Sprecher des Automobilclubs ADAC Württemberg. Nach einer Pause am Rastplatz oder an der Autobahnauffahrt fahren Autofahrer über die eigentliche Ausfahrt direkt in den Gegenverkehr hinein. Auch Alkohol spiele häufig eine Rolle für den Orientierungsverlust.

“Aber man geht andererseits auch davon aus, dass annähernd die Hälfte der Geisterfahrer das Risiko ganz bewusst in Kauf nimmt. Wenn sie zum Beispiel ihre Ausfahrt verpasst haben, dann drehen sie auf der Autobahn um und denken: Da passiert schon nichts, wenn ich die paar Meter zurückfahre“, sagt Elbe.

Das Bundesverkehrsministerium schätzt die bundesweite Zahl der Geisterfahrten auf 1700 im Jahr. Erstaunlich oft passiert dabei nichts, doch immer wieder kommt es auch zu tödlichen Unfällen. Verkehrsexperten suchen deshalb seit Jahren nach Möglichkeiten, wie man Geisterfahrten verhindern kann.

Für Autofahrer, die schlichtweg die Orientierung verloren haben, stellen einige Länder große Warnschilder an gefährlichen Autobahnauffahrten auf - sie sollen verhindern, dass Autofahrer aus Versehen in den Gegenverkehr geraten. Auch in Deutschland wird darüber nachgedacht. In Bayern läuft im Moment ein Pilotprojekt auf der Autobahn 8. Im kommenden Jahr sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Doch Experten sind skeptisch. “In Österreich gibt es solche Schilder seit fast 20 Jahren. Aber die Zahl der Geisterfahrer ist trotzdem nicht zurückgegangen.

Die Warnungen vor Geisterfahrern werden also auch weiterhin regelmäßig im Radio laufen. Wenn man gerade auf der betroffenen Strecke unterwegs ist, rät Elbe: “Geschwindigkeit reduzieren und zusehen, dass man auf die rechte Spur kommt. Wenn man mit Höchstgeschwindigkeit auf der Überholspur weiterfährt, hat man im Ernstfall keine Chance mehr, auszuweichen.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.