Reifen ohne Profil

Autofahrer sind auf der letzten Rille unterwegs

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Rein gesetzlich dürfen Reifen nicht weniger als 1,6 Millimeter Profiltiefe haben

Angeblich lieben Deutsche ihre Autos. Doch scheinbar interessieren sich Autofahrer hierzulande kaum für den Zustand ihrer Reifen und ohne Profil unterwegs. 

„Es wird gefahren bis zur letzten Rille“, berichtet Hans-Georg Marmit von der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation KÜS, die freiberufliche Kfz-Sachverständige organisiert. Komplett Neuland sei das aber nicht. „Die Reifen werden nach wie vor stiefmütterlich behandelt.“

Rein gesetzlich dürfen Reifen nicht weniger als 1,6 Millimeter Profiltiefe haben. ADAC-Tests zeigten, dass es bei Winterreifen schon bei 4 Millimetern und bei Sommerreifen zwischen 2 bis 2,5 Millimetern kritisch wird.

Laut dem jüngstem Trend-Tacho der KÜS wächst jedoch das Kostenbewusstsein. Demnach plant mehr als jeder fünfte Autofahrer 2013 Einsparungen rund ums Auto, ein merklicher Anstieg. Fazit der Studie: „Bei den Reparaturen geht der Trend stärker zur Do-it-yourself-Methode, nicht unbedingt notwendige Arbeiten sollen verschoben werden.“

Von O bis O - also von Ostern bis Oktober - sind grundsätzlich die Sommerreifen dran. In dieser Zeit liegt nämlich die Tagestemperatur in der Regel über sieben Grad. Aber es gibt einen neuen Trend.

„Zahlreiche Verbraucher fahren anders als vorher ihre Winterreifen auch im Sommer durch“, sagt Peter Hülzer, Chef im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). „Ganz offensichtlich, weil sie die Umrüstkosten scheuen.“

Der Dekra-Reifensachverständige Christian Koch warnt davor, die Winterpneus im Sommer durchzufahren und sich den Gang zur Werkstatt zu sparen. Temperaturunterschiede im Asphalt von 60 Grad seien keine Seltenheit. Winterräder könnten damit nicht umgehen, Aquaplaning und längere Bremswege seien programmiert.

Laut Kraftfahrtbundesamt stieg das Durchschnittsalter zuletzt auf gut acht Jahre, ein neuer Spitzenwert seit der Wiedervereinigung.

Ab November: Neues EU-Ökolabel für Reifen

Das neue Ökolabel für Autoreifen soll ab November 2012 in Kraft treten. Es gibt Hinweise zum Spritsparen und zur Sicherheit. So lesen sie es: © Continental
Angabe Abrollgeräusch: Das Abrollgeräusch ist eine der Hauptkomponenten des Außengeräusches von Autos. Es ist wesentlich an der Entstehung des Straßenverkehrslärms beteiligt. Es wird in Dezibel angegeben. © Continental
Angabe zur Nässehaftung: Diese Kategorie bewertet die Haftung der Reifen auf nasser Fahrbahn und gibt wichtige Hinweise zum Bremsweg. Auch hier gilt: A ist die beste, G die schlechteste Klasse. Die Differenz des Bremswegs zwischen den Klassen macht ca. eine Wagenlänge aus. © Continental
Angabe zum Verbrauch: Hier wird der sogenannte Rollwiderstand der Reifen definiert. Er hat entscheidenden Einfluss auf den Spritverbrauch. Die beste Effizienzklasse, also die mit den höchsten Spritsparwerten, ist A, die schlechteste G. © Continental
Links oben befinden sich die Klassen für den Rollwiderstand. Die Kraftstoff­ersparnis, die sich z.B. bei Verwendung der Klasse A an Stelle von Reifen der Klasse G ergeben kann, wird bei Pkw mit ca. 7,5 Prozent geschätzt. Rechts oben ist die Nassbrems­eigenschaft angegeben. Zwischen Klasse A und F können sich Bremswegunterschiede von 30 Prozent ergeben. Unten wird das Außengeräusch angegeben. Je weniger Ringe neben dem Lautsprecher, desto leiser der Reifen. © Bridgestone

Statistische Fakten zur Profiltiefe der Nation fehlen dagegen. TÜV-NORD-Sprecher Rainer Camen berichtet, dass lediglich das Verwehren der Prüfplakette wegen Reifenmängeln erfasst werde. Bei einer bedrohlich geringen Profiltiefe gebe es nur einen statistisch nicht erfassten Hinweis an die Autofahrer. Auch dem Prüfkonzern Dekra liegen Statistiken zu Reifenalter oder Profiltiefen nicht vor.

dpa

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