Volkswagens Kompakter im Fahrtest

Fahrtest: Der VW Golf VII verwischt Grenzen

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Wolfsburger Wertarbeit: Der VW Golf VII wird ab dem 10. November ausgeliefert.

Nur wer sucht, der findet. Ob bei der fünften Auflage des iPhones oder bei der siebten Auflage des VW Golf, die ab dem 10. November ausgeliefert wird: Neuigkeiten sind nicht davon abhängig, dass man sie direkt sieht.

Eine ganze Weile fahren wir schon im neuen Golf, ohne dass unsere Umwelt nennenswerte Notiz von dem Auto nimmt. Nein, das kränkt uns nicht, aber vielleicht waren die Wolfsburger Designer doch etwas sehr zaghaft.

Dass der Neue mit 4,35 Metern sechs Zentimeter länger ist als sein Vorgänger, fällt erst einmal nicht auf. Beim ersten Stopp nach 40 Kilometern fallen die Änderungen im Blech jedoch langsam ins Auge – wie die beiden Kanten auf der Kühlerhaube, die auf den sehr schmalen Kühlergrill zulaufen. Die Scheinwerfer sind schärfer gezeichnet, insgesamt liegt das Auto geduckter auf der Straße und macht einen dynamischeren Eindruck. Was nichts an der Philosophie ändert, dass ein Golf ein Golf bleiben muss.

„Die alten Modelle dürfen sich neben dem Golf VII nicht verloren vorkommen”, sagt Ulrich Hackenberg. In seiner Verantwortung liegt unter anderem die Entwicklung des modularen Querbaukastens (MQB) bei Volkswagen. Die konzernübergreifende Architektur sieht für alle Fahrzeuge mit quer eingebauten Motoren möglichst viele gleiche Komponenten vor, um Entwicklungs- und Produktionsaufwand zu senken. Nach dem Audi A3 ist der Golf VII der erste VW, der auf dem MBQ basiert. Als Dritter im Bunde steht der Seat Leon in den Startlöchern.

Wolfsburger Wertarbeit

Die Fahrertür des Golf fällt satt ins Schloss. Gewohnte Wolfsburger Wertarbeit – selbst ein simples mechanisches Geräusch gerät zur unterschwelligen Markenbotschaft. Die neuen Sitze tragen das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken. Warum, wird schnell klar: Passform perfekt, Einstellmöglichkeit vielseitig.

Auch für die hinteren Passagiere wächst der Platz, allerdings im Millimeter-Bereich. Der Kofferraum macht es besser: Er legt um 30 auf 380 Liter zu. Über die 66 Zentimeter hohe Ladekante braucht Gepäck nicht mehr ganz so hoch gewuchtet werden – Komfortwachstum im Detail. Noch ein Blick in den Kosmetikspiegel, dessen Abdeckung sanft zur Seite gleitet. In Sachen Anmutung und Wertigkeit verwischt der Golf die Grenzen zur Premium-Klasse zunehmend.

Zum Verkaufsstart gibt es zwei Turbo-Benziner und zwei Turbo-Diesel, alles Vierzylinder. Basismotor ist der 1.2 TSI mit 85 PS. Eine Stufe darüber rangiert der 1.4 TSI mit 140 PS mit Spritspar-Abschaltung, die zwei Zylinder stilllegt, wenn nicht die volle Leistung gefordert ist. Funktioniert tadellos und unmerklich.

Als Diesel gibt es neben dem 1.6 TDI mit 105 PS den neuen 150 PS starken 2.0 TDI. Dieser erwacht mit dezent sonorem Brummen, bleibt während der Fahrt angenehm leise und ist mit 320 Newtonmetern Drehmoment richtig potent. Per Schalter lässt sich ein Fahrprofil zwischen Normal, Comfort, Sport, Eco und Individual auswählen. Damit verändert sich das Wesen des neuen Golf wahlweise von sanftmütig zu heißblütig. Mit der serienmäßigen Differenzialsperre bringt er seine Kraft dabei stets optimal auf die Straße.

Der Golf startet als dreitüriger Trendline bei 16 975 Euro. Mit an Bord sind unter anderem automatisches Notbremssystem, Start-Stopp-Automatik, Tagfahrlicht, Klimaanlage, elektronische Parkbremse und Servolenkung – aber kein Radio. Je nach Geldbeutel lässt sich der Golf mit fast allem aufrüsten, was das Herz begehrt – bis auf über 40.000 Euro.

Von Solveig Grewe

Daten: Volkswagen Golf 2.0 TDI Comfortline

• Antrieb: Vierzylinder- Turbodiesel, 6-Gang- Schaltgetriebe

• Hubraum: 1968 ccm

• kW (PS): 110 (150) bei 3500 – 4000 U/min

• Drehmoment: 320 Nm bei 1750 – 3000 U/min

• Beschleunigung: null auf 100 km/h in 8,6 Sekunden

• Höchstgeschwindigkeit: 216 km/h

• Abgas CO2: 106 g/km

• Verbrauch: 5,0/3,6/4,1 Liter pro 100 km (innerorts/außerorts/kombiniert)

• CO2-Effizienzklasse: A

• Preis: ab 27.275 Euro

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