Falschfahrer haben nur eine Wahl: Sofort anhalten

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Oft ist Leichtsinn schuld an Falschfahrten - etwa wenn Autofahrer wenden, weil sie eine Ausfahrt verpasst haben. Nicht selten spielen auch Stress oder Alkohol und Drogen eine Rolle. Foto: Tobias Hase

Berlin (dpa/tmn) - Realisiert ein Autofahrer, dass er als Geisterfahrer unterwegs ist, muss er blitzschnell reagieren. Er sollte sein Auto schnellstmöglich an einem Fahrbahnrand abstellen, ohne erneut Spuren zu queren, rät der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD).

Weil in den meisten Fällen Gefahr für Leib und Leben besteht, sollten Betroffene darauf verzichten, ein Warndreieck aufzustellen und sich sofort in Sicherheit bringen - am besten hinter einer Leitplanke - und die Polizei alarmieren.

Ohne aktue Lebensgefahr hingegen gilt wie bei jeder Panne die Pflicht zum Anschalten des Warnblinklichts und Aufstellen des Warndreiecks, bevor die Polizei gerufen werden muss, erläutert der ARCD.

Ein häufiger Grund für Geisterfahrten sei Leichtsinn: Autofahrer wenden oder setzen zurück, weil sie eine Ausfahrt verpasst haben. Oft sind Fahrer aber auch orientierungslos, entweder weil sie gestresst sind oder unter Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten stehen. Dass Autofahrer aus Versehen die falsche Auffahrt nehmen oder Rastanlagen falsch verlassen, kommt auch vor.

Wer als Autofahrer über den Verkehrsfunk von einem Falschfahrer hört, sollte sich den Automobilclubs ADAC und Auto Club Europa (ACE) zufolge rechts halten, nicht mehr überholen und das Tempo drosseln, um jederzeit auf den Seitenstreifen ausweichen zu können.

Allerdings sollten Autofahrer in so einer Situation nicht so langsam werden, dass man von ahnungslosen Autofahrern überholt wird, erklärt der ACE. Notfalls weicht man dann besser auf den Standstreifen aus und gibt die rechte Spur für Überholer ganz frei. Ist ein Parkplatz in der Nähe, fährt man diesen am besten an und wartet die Geisterfahrer-Entwarnung ab. Rauscht ein Falschfahrer am eigenen Fahrzeug vorbei, gilt es, unverzüglich die Polizei anzurufen, und Fahrtrichtung sowie den genauen Streckenabschnitt anzugeben, damit nachfolgende Fahrer gewarnt werden können.

Vor dem Landgericht Wiesbaden muss sich derzeit ein 51-jähriger Mann verantworten. Er soll bei einer Geisterfahrt in Hessen im November 2011 einen Mann getötet und sechs weitere Menschen zum Teil schwer verletzt zu haben. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, wenn Falschfahrer Auf- und Abfahrten verwechseln, Wendemanöver riskieren oder sich töten wollen. Einige Beispiele:

Januar 2015: Auf der Flucht vor der Polizei fährt ein Mann bei Cottbus in falscher Richtung auf die A15 und stößt mit einem Autotransporter zusammen. Er stirbt am Unfallort.

Dezember 2014: Ein Mann fährt am Dreieck Ahlhorner Heide in Niedersachsen falsch auf die A29. Auf der Überholspur kollidiert er mit einem anderen Auto. Dessen Fahrer und er selbst sterben.

August 2014: Ein 79-Jähriger prallt trotz großer Warnschilder auf der A3 bei Passau mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen. Insgesamt gibt es vier Tote.

Februar 2013: Ein von seiner Frau getrennt lebender Familienvater bringt nahe Köln seine beiden Kinder um und rast auf der A61 in falscher Richtung in einen Lastwagen. Er stirbt am Unfallort.

Januar 2013: Nahe Bremen fährt ein Sattelzug falsch auf die A1. Als der betrunkene Fahrer den Fehler bemerkt und wendet, krachen mehrere Autos in das Hindernis. Zwei Menschen sterben.

Oktober 2012: In Suizid-Absicht rast ein Falschfahrer auf der A46 im Sauerland in ein entgegenkommendes Auto. Bilanz: fünf Tote.

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