Frage beim Autokauf

Was ist besser, Diesel oder Benziner?

+
Benzin oder Diesel? Diese beiden Verbrennungsmotoren sind in Deutschland nach wie vor weit verbreitet. Wann sich welcher Antrieb rechnet, hängt von vielen Faktoren ab. 

Der Diesel brummt in Europa, jahrelang war der Selbstzünder auch ein Selbstläufer. Doch mit dem Abgas-Skandal des VW-Konzerns könnte sich vieles grundlegend ändern - erst recht durch das neue CO2-Problem.

Es gibt unbestrittene Fakten zum Diesel: Die Abgase stinken mehr als beim Benziner, und an der Zapfsäule sollten sich Diesel-Fahrer Plastikhandschuhe anziehen, wenn sie Spritgeruch an den Fingern vermeiden wollen. Dafür müssen sie aber weniger Geld für den Kraftstoff ausgeben.

Dann hört es aber beinahe auch schon auf mit der Einstimmigkeit. Die Autoindustrie preist den Diesel wegen des tendenziell geringeren CO2-Ausstoßes als Klimaretter - Umweltverbände laufen dagegen Sturm gegen den Antrieb und werfen den Herstellern vor, sich die Vorteile des Diesels schönzurechnen. Auf wen sollen Politiker nun hören, wenn sie sich Gedanken über Kfz-Steuern und Abgas-Messungen machen?

Will man die Auswirkungen eines Autos aufs Klima bewerten, muss man sich vor allem die CO2-Emissionen anschauen. Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung von Diesel und Benzin im Motor. Um den Ausstoß beider Spritsorten miteinander zu vergleichen, muss man ihn auch unter vergleichbaren Bedingungen messen. Und da geht es schon los.

Außentemperatur, Gewicht des Autos, Verkehrsdichte und nicht zuletzt der Fahrstil beeinflussen die Messwerte stark. Schon kleinste Änderungen am Schaltverhalten können große Auswirkungen haben - und Roboterautos sind noch nicht weit genug für einen Test im Straßenverkehr. Das Umweltbundesamt arbeitet deshalb mit dem Handbuch für Emissionsfaktoren. Darin werden Werte aus vielen unterschiedlichen Messungen mit unterschiedlichen Methoden gebündelt.

"Uns rufen auch oft Autokäufer an und fragen, was sie sich für ein Auto kaufen sollen", sagt Lars Mönch. Er leitet bei der Behörde das Fachgebiet "Schadstoffminderung und Energieeinsparung im Verkehr".

Beim CO2-Ausstoß seien Dieselautos den Benzinern zwar voraus - "aber die Benziner holen mit direkteinspritzenden Motoren auf". Bei diesen Motoren steige dagegen der Ausstoß schädlicher Partikel im Abgas, erklärt Mönch. Bei Dieselmotoren wiederum sei die Menge von gesundheitsschädlichen Schadstoffen, die aus dem Auspuff kommen, insgesamt höher. Die Frage "Diesel oder Benziner?" ist so voller Widersprüche, dass sie sich pauschal kaum beantworten lässt.

In Europa richten sich wesentliche Ziele der Klimapolitik am Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) aus - eben mit Vorteilen für den Diesel. In den USA beispielsweise, wo es fast keine Diesel gibt, sind die CO2-Grenzen viel lascher, dafür herrschen dort harte Limits für Stickoxide (NOx).

"Europa ist Diesel-Land, Amerika ist Benzin-Land. In den USA sind dementsprechend die vor allem für Diesel relevanten NOx-Grenzwerte viel strenger als in Europa", erläutert der Chef des Autozulieferers Continental, Elmar Degenhart.

In Deutschland sind Diesel beim Anschaffungspreis und in der Kfz-Steuer meist teurer als Benziner. Dafür holen sie an der Zapfsäule auf: Der Liter Diesel kostete im vergangenen Jahr im Schnitt 1,35 Euro und damit gut 14 Cent weniger als ein Liter Super E10, wie Daten des ADAC zeigen.

Steuervorteil für Diesel

Der gesamte Preisvorteil kommt über verschiedene Mineralölsteuersätze zustande. Bis Mitte der 80er Jahre wurden Benzin und Diesel noch nahezu gleich besteuert - danach stieg die Abgabe, die heute Energiesteuer heißt, auf Benzin deutlich stärker. Heute liegt die Differenz zwischen den beiden Steuersätzen bei 18,4 Cent pro Liter.

Aus Hersteller-Perspektive ist der Diesel vor allem ein Phänomen der Oberklasse. Bei BMW waren 2013 schon mehr als 80 Prozent der in der EU neu zugelassenen Wagen Diesel. Audi und Mercedes rangierten dicht dahinter mit gut 70 Prozent. Auch die Marken der Franzosen - Citroën, Peugeot und Renault - hängen mit mehr als 60 Prozent stark am Diesel.

VW-Pkw, deren Volumen-Palette von den Kleinwagen Up und Polo bis zum Oberklasse-Konkurrenten Passat reicht, bewegt sich mit gut 50 Prozent Diesel-Anteil im Branchenschnitt. Mit einem runden Drittel bilden die Italiener von Fiat als benzinlastiger Hersteller den Gegenpol zu BMW.

"Ohne den Diesel wären die Spritverbräuche einiger großer Modelle auch bei den Kunden überhaupt nicht darstellbar", sagt Experte Mönch. Er rät deshalb: Wer umweltbewusst - nicht nur klimaschonend - fahren wolle, müsse sich zunächst für ein möglichst kleines und leichtes Auto entscheiden. "Benzinmotor, kein Direkteinspritzer und möglichst geringe Motorisierung." Für die Hersteller wäre das natürlich ein Problem: Mit großen, teuren Autos verdienen sie wesentlich mehr Geld.

An den meisten Dieselzapfsäulen kann man sich Einmalhandschuhe aus Plastik aus einem Spender zupfen, sogenannte Dieselhandschuhe. Warum gibt es eigentlich an der Tankstelle nur Diesel- und keine Benzinhandschuhe? Die Antwort ist relativ simpel, erklärt der Chemiker Prof. Thomas Schupp von der Fachhochschule Münster: "Diesel verdampft deutlich langsamer als Benzin und riecht intensiver. Benzin verflüchtigt sich deutlich schneller."

Klimakiller? Was es aus dem Auspuff bläst 

Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Autos stoßen bei laufendem Motor giftige und klimaschädliche Stoffe aus. Deshalb hat der Gesetzgeber Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX), Kohlenwasserstoffe (HC) und Rußpartikel (PM) festgelegt. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2009 müssen Hersteller bei der Entwicklung neuer Autos die Abgasnorm Euro 5 einhalten. Seit Januar 2011 müssen auch alle neu zugelassenen Wagen Euro 5 erfüllen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Konkret heißt das: Benziner dürfen zum Beispiel maximal 1 Gramm CO (Kohlenstoffmonoxid) pro Kilometer ausstoßen, Diesel nur die Hälfte. Der Grenzwert für Rußpartikel beim Diesel liegt bei 5 Milligramm je Kilometer. Übrigens, die Euro-4-Norm hatte noch das Fünffache 25 Milligramm zugelassen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Anfang September 2011 wurde als Zwischenschritt die Rußmenge, die ein Auto ausstoßen darf, weiter reduziert - auf 4,5 Milligramm. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2014 müssen alle neu zugelassenen Autos Euro 6 erfüllen. Diese Norm betrifft laut dem TÜV Nord in erster Linie Diesel: Der Grenzwert für Stickoxide, die neue Fahrzeugtypen mit Selbstzündern ausstoßen dürfen, wird auf weniger als die Hälfte des derzeitig gültigen Werts gesenkt - nämlich von 180 Milligramm pro Kilometer (Euro 5) auf 80 Milligramm (Euro 6). © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenmonoxid (CO): Kohlenmonoxid ist ein Gas, das schon in geringen Mengen sehr giftig ist. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Verbindungen, wenn nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist. Die meisten Abgase entstehen im Leerlauf, also wenn ein Auto an einer Ampel wartet. Während des Fahrens wird hingegen wieder genügend Sauerstoff zugeführt und die CO-Konzentration sinkt wieder. © dpa
Stickoxide (NOX): Die Partikel sind u.a. schädlich für das Ozon. Stickoxid ist ein Sammelbegriff für Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff, die besonders bei hohen Brennraumtemperaturen und -drücken im Motor entstehen. NOX war der Hauptgrund für die Erfindung des Katalysators. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenwasserstoffe (HC): In den Autoabgasen befinden sich neben den Verbrennungsprodukten unverbrannte Bestandteile des Benzins, wie das krebserregende Benzol, ein sogenannter "Kohlenwasserstoff". © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Rußpartikel (PM) gelangen vor allem aus den Auspuffrohren von Dieselmotoren. Durch die Einführung der sogenannten Feinstaubverordnung wird die Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen nach der Höhe ihrer Partikelemission bundesweit einheitlich geregelt. © dpa
Auspuff Auto Schadstoffe
Übrigens ist während der morgendlichen Rush-hour zwischen sieben und acht Uhr der Kohlenmonoxidgehalt der Luft am höchsten. Autofahrer auf stark frequentierten Pendler-Routen atmen mehr Kohlenmonoxid, Benzol und Dieselruß ein als etwa ein erwachsener Fußgänger. © dpa
Die Konzentration der Schadstoffe ist nämlich im Auto um ein mehrfaches höher als auf dem Fußgängerweg. Sie gelangen durch die Lüftung in das Wageninnere, im Stau werden von der Klimaanlage sogar die Abgase des eigenen Autos angesaugt. © dpa

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.