Gegen Wildunfälle hilft nur vorsichtiges Fahren – technische Hilfe lässt auf sich warten

Gefahr in der Dämmerung: Gegen Wildunfälle hilft nur vorsichtiges Fahren

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Zusammenstoß in der Dämmerung: Für viele Wildtiere endet eine Kollision mit einem Auto tödlich.

Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland nach Angaben der Versicherungswirtschaft etwa 250.000 Wildunfälle. Meist geraten Autofahrer in der Dämmerung auf Kollisionskurs mit Bambi und Co. Wenn die Tage wieder kürzer werden, steigt das Risiko.

Blitzen die Augen eines Rehs im Scheinwerferlicht auf, lässt sich ein Zusammenstoß oft nicht mehr verhindern. Der ADAC warnt dabei vor riskanten Ausweichmanövern: Lieber stark abbremsen und das Tier notfalls überfahren als gegen einen Baum oder ein anderes Auto zu krachen. Denn dabei drohen den Insassen deutlich schwerere Verletzungen. Und: Wer beim Ausweichmanöver verunglückt, könnte laut ADAC gegenüber seiner Versicherung in Beweisnot geraten. Schäden, die eindeutig von einem Haarwild-Unfall stammen, seien hingegen meist durch die Teilkaskoversicherung gedeckt.

Sollte es zum Aufprall kommen, müssen sich Autofahrer auf einen harten Einschlag gefasst machen. Durch die Geschwindigkeit des Fahrzeugs werden Wildtiere zu tonnenschweren Hindernissen. Für das Tier endet so ein Unfall oft tödlich. Die Autoinsassen kommen dagegen meist mit dem Schrecken davon.

Vorausschauend fahren

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt es bisher „keine wirksamen Mittel, die Verkehrsteilnehmer nachhaltig vor dem Risiko eines Wildunfalls schützen“. Duftbarrieren oder der Grünrückschnitt am Straßenrand hätten in der Vergangenheit kaum zur Verringerung von Wildunfällen beigetragen, so das Ergebnis einer GDV-Studie. Der ADAC mahnt gerade in Wäldern zur Alarmbereitschaft: Vorausschauend fahren, aufmerksam und bremsbereit sein, lautet die Devise. „Taucht ein Tier auf, muss man abblenden, bremsen, langsam weiterfahren – und mit weiteren Tieren rechnen“, sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel.

Sind Autofahrer heute noch auf sich gestellt, werden sie künftig wohl verstärkt auf die Hilfe ihres Wagens bauen können. Schon jetzt lassen sich mit Infrarot-Nachtsichtsystemen, wie sie etwa Audi, BMW und Mercedes in ihren Oberklasse-Modellen anbieten, Menschen und Tiere in der Dunkelheit ausmachen. Derzeit erweitern die Hersteller diese Technik um eine Bilderkennung. In ersten Fahrzeugen analysiert die Elektronik die Videosignale, kann Passanten erkennen und den Fahrer mit Warnsymbolen auf die mögliche Gefahr hinweisen.

Im nächsten Schritt werden die Nachtsichtassistenten bei Mercedes und BMW mit intelligenten Zusatzscheinwerfern kombiniert: Um den Blick des Fahrers in die Gefahrenzone zu lenken, werden die Fußgänger etwa im Mercedes CL kurz angeblinkt, bei den Münchnern sollen sie demnächst mit einem Lichtstrahl in Szene gesetzt werden.

Bei der Erkennung von Wild stößt die Bildverarbeitung noch an ihre Grenzen. „Ein Mensch sieht für die Elektronik aus allen Blickwinkeln ähnlich aus und hat ein vergleichsweise simples Bewegungsmuster“, erklärt BMW-Entwickler Dominik Schneider. Ein Wildschwein und ein Reh hätten dagegen kaum Gemeinsamkeiten und bewegten sich obendrein vielfältiger. „Deshalb wird es noch dauern, bis die Elektronik auch Tiere erkennen kann.“ (tmn)

Nach dem Unfall: Tiere nicht anrühren

Falls sich ein Zusammenstoß mit einem Reh oder einem Wildschwein doch einmal nicht vermeiden lässt, gilt nach einem Wildunfall: Warnblinkanlage einschalten, die Unfallstelle mit dem Warndreieck absichern und die Polizei alarmieren. Nur die Beamten oder der Jagdpächter können die nötige Bescheinigung für die Versicherung ausstellen. Das angefahrene Tier sollte man nicht anrühren: Ist es verletzt, kann es unberechenbar reagieren. Außerdem besteht die Gefahr einer Tollwutinfektion. (tmn)

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