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Mercedes mit Luxus-Problem: Absatz zu gering - es geht um neue Strategien

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Von: Dominik Jahn

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Mercedes in China
Mercedes mit Luxus-Problem in China: Jetzt geht’s um eine neue Strategie. © dpa/ Peerapon Boonyakiat

Bei Mercedes muss ein Umdenken her. Auf dem wichtigen Markt in China kommt der Autohersteller aus Stuttgart nicht in die Gänge. Gerade die Luxus-Modelle werden zu Ladenhütern.

Dass die Autoindustrie durch den Krieg in der Ukraine und die folgende Energiekrise mit massiven Problemen zu kämpfen hat, wird immer deutlicher. Zuletzt hat Mercedes bereits einen Zulieferer verloren, wie echo24.de berichtet hat. Das Unternehmen hatte unter anderem den markanten Stern produziert. Und jetzt ist bei Mercedes die Rede von einem Luxus-Problem.

Wie zuletzt zu lesen war, musste Mercedes für einige Modelle massiv an der Preisschraube drehen. Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer äußerte sich sehr kritisch zur Schieflage des Autoherstellers aus Stuttgart.

Mercedes muss bei Luxus-Modellen an der Preisschraube drehen

Grund für die Probleme bei Mercedes ist das lahmende Luxus-Geschäft in China. Der Automobilkonzern aus Baden-Württemberg bleibt auf seinen Mercedes-Elektro-Limousinen EQS und EQE sitzen. Einem Bericht des Fachmagazins Auto Motor und Sport nach melden chinesische Medien, dass die Schwaben im bisherigen Jahresverlauf dort gerade einmal knapp 12.000 Exemplare E-Autos absetzen konnten.

Unternehmen:Mercedes
Hauptsitz:Stuttgart
Gründung:November 2019
Einführungsjahr:1926
Dachorganisation:Mercedes-Benz Group

Demnach mussten die Verantwortlichen bei Mercedes gezwungenermaßen ordentlich an der Preisschraube drehen. Dem zufolge wurde der EQS 450+ zum Stichtag 16. November für umgerechnet fast 115.000 Euro angeboten. Das sind in etwa 32.000 Euro weniger als bisher.

Auto-Experte kritisiert Mercedes für Preise bei Luxus-Autos

Wie Dudenhöffer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte, sollte Mercedes das „sehr ernst nehmen“: „Man sollte nochmal sehr gründlich überlegen, ob das eine stabile Strategie für die Zukunft ist.“ Sich zu sehr auf „hochpreisige“ Fahrzeuge zu fokussieren, sei einfach zu riskant.

Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer. Er wurde im Jahr 2008 Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen in Duisburg. Dudenhöffer äußert sich in den Medien immer wieder zu aktuellen Themen der Automobilindustrie und Verkehrspolitik.

Wie schnell Mercedes mit seiner Luxus-Flotte in China allerdings ins Stottern geraten ist, damit hatte wohl auch die Experten nicht gerechnet. Dudenhöffer spricht von Preisen, die „falsch gesetzt gewesen“ seien, und Mercedes habe sich zudem „zu viel versprochen“. Statt weiter auf „Luxus-Schnickschnack“ zu setzen, müsse der Autobauer auch wieder die Massenproduktion wie bei der A-Klasse in den Fokus nehmen. Das habe viele Kostenvorteile: Eine Software lasse sich einmal programmieren und für andere Modelle übernehmen. Auch beim Einkauf von Batterien habe man so Preisvorteile.

Mercedes-Chef Källenius liegt mit Luxus-Modellen falsch

Für Mercedes-Chef Ola Källenius ist das Luxus-Problem in China auch ein ganz persönliches Problem. Noch im Frühjahr hatte er die neuen Modelle als „eine neue Ära für das Unternehmen“ angepriesen, bezieht sich die Stuttgarter Zeitung auf alte Aussagen Källenius. Jetzt die Bruchlandung. Schmerzhaft ist für Mercedes zudem die Tatsache, dass laut Bericht chinesische Hersteller bereits auf Augenhöhe sind und damit eine Art Rabattschlacht auf dem Markt entsteht.

Eigentich wollte man bei Mercedes darauf nur bedingt reagieren. Wie die Stuttgarter Zeitung schreibt, erklärte Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm zuletzt: „Wir haben definitiv nicht die Absicht, die Listenpreise zu senken, und wir haben keine Absicht, die Rabatte zu erhöhen.“ Lieber wolle man die Stückzahlen reduzieren als die Preise. Jetzt die Kehrtwende.

Freude über hohe Gewinne bei Mercedes dürfte getrübt sein

Dabei freute man sich doch zuletzt bei Mercedes noch über die sehr guten Quartalszahlen. Und auch die Mitarbeiter freuen sich über die Gewinne. So fordert der Betriebsrat unlengs eine echt safite Prämie, wie echo24.de berichtet.

Die aktuelle Entwicklung dürfte die Freude über das erste Quartal deutlich trüben. Aus dem Artikel geht auch hervor, dass sich in den „Top 20 der meistverkauften Elektroautos in China nur ein deutsches Auto findet“ - und das kommt von Volkswagen. Von den zwei Millionen Autos, die dort im Monat durchschnittlich verkauft werden, entfielen nur 100 Stück auf den EQS.

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