Motorrad-Test

Elektro-Motorrad statt Chopper: So fährt sich die Harley-Davidson LiveWire

Harley-Davidson LiveWire
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Die Harley-Davidson LiveWire liegt gut in den Kurven.

Die Harley-Davidson LiveWire ist kein gewöhnliches für den Kult-Motorrad-Hersteller. Es handelt sich hierbei nämlich um ein Elektro-Motorrad. Die LiveWire hat aber ebenfalls ordentlich Power.

Eine Harley* ist für viele der Inbegriff von Krach, Lärm, Sound oder Heavy-Metal-Musik – je nachdem, wie man motorisierten Zweirädern gegenüber aufgeschlossen ist. Die LiveWire – laut Inschrift am Tank eindeutig als ein Zweirad aus Milwaukee zu identifizieren – klingt anders. Statt des satten „potatopotatopotato“ aus dem Auspuff hört man bei ihr nur ein leises „ssss“. Sie hat aber sowieso keinen Auspuff, aus dem Sound entweichen könnte.

Harley-Davidson LiveWire: Start mit dem Transponder

Genug der Vorrede – die LiveWire steht vor uns und lockt zur ersten Fahrt. Sie ist eher schmal gebaut, ihr üppiges Gewicht von 249 Kilogramm kaschiert sie geschickt. Der Transponder steckt in der Hosentasche, ein Druck auf den Startschalter genügt also, um die Systeme zu aktivieren. Ein sanftes Pulsieren unter der Sitzbank ist der einzige Hinweis darauf, dass die Harley startklar ist.

Harley-Davidson LiveWire: Beschleunigung wie ein Katapult

Wir wissen, dass das maximale Drehmoment von 116 Nm von der ersten Sekunde an anliegt. Dennoch bleibt einem der Atem stocken, wenn die LiveWire wie vom Katapult abgefeuert lossprintet, sobald man die rechte Hand nur leicht dreht. Und sie hat noch mehr Überraschungen zu bieten.

Harley-Davidson LiveWire: Einladung zum Kurvenräubern

Das Motorrad LiveWire ist das erste elektrisch betriebene von Harley-Davidson.

Zu den Sprintqualitäten – Tempo 100 ist in drei Sekunden erreicht – gesellt sich eine erstaunliche Fähigkeit zum Kurvenräubern. Der niedrige Schwerpunkt ermöglicht ein flottes Hin und Her, ohne dass Fußrasten oder sonstige Bauteile auf dem Asphalt Funken schlagen. Natürlich macht sich das Gewicht bemerkbar und die Federung ist recht straff geraten, aber für Harley-Verhältnisse ist das eine ganz andere Dimension der Fortbewegung. Dies gilt auch für die Bremsen, die mit dem ungestümen Vorwärtsdrang gut fertig werden.

Harley-Davidson LiveWire: Kritik an den Spiegeln

Weniger gelungen sind dagegen die Spiegelausleger, die viel zu kurz geraten sind. Harley-Neukunden müssen sich an die Blinkerregelung gewöhnen: Rechts am Lenker sitzt der Schalter für rechts und links der fürs Linksblinken. Die LiveWire entpuppte sich auch als Schön-Wetter-Bike: Nach einer Fahrt bei leichtem Regen waren Fahrerrücken und Bike-Heck ziemlich eingesaut.

Fahrmodus Sport: maximale Rekuperation

Die Nässe auf der Straße zeigt auch eindrücklich das enorme Drehmoment, denn wenn man nicht im Regenmodus unterwegs ist, muss man bereits bei mittlerer Beschleunigung mit ausbrechendem Hinterrad rechnen. Den Modus kann man problemlos während der Fahrt wechseln. Wir waren meist in „Sport“ unterwegs – natürlich nur, weil dann maximale Rekuperation gewährleistet ist.

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Überschaubare Reichweite

Die ganze Energierückgewinnung nützte trotzdem nichts: Die Reichweite der LiveWire ist sehr überschaubar. Nach einer Landstraßentour über 140 Kilometer zeigte das Display noch eine Restreichweite von sieben Kilometer beziehungsweise sechs Prozent an. Gestartet waren wir mit vollem Akku einer Reichweitenanzeige von 174 Kilometer. Die angezeigte Ladezeit betrug dann 11 Stunden und 11 Minuten.

Das sind die größten Mankos der LiveWire: Die Reichweite und die Ladezeit. Im Mischbetrieb (je ein Drittel Stadt, Landstraße und Autobahn) betrug die Reichweite stets rund 150 Kilometer, die unterschiedlichen Fahrmodi hatten keinen nennenswerten Einfluss. An Bord der Harley ist unter der Sitzbank ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose, geladen werden kann ansonsten an der CCS-Schnellladestation. Der Hersteller empfiehlt aber zur Akku-Schonung, nach einmal schnell dreimal sanft (und damit langsam) zu laden.

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Von der Stadt München gibt’s einen Zuschuss

Neben der Zeit fürs Laden braucht man ein gut gefülltes Konto: 32.165 Euro kostet die LiveWire. Zuschüsse für Elektromotorräder vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle Bafa gibt’s leider nicht. Wer allerdings seine Harley in München zulässt, kann übers Referat für Gesundheit und Umwelt noch bis zum 31. Dezember 2020 eine Förderung von bis zu 1.000 Euro erhalten. (Volker Pfau)

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