Hinein ins Abenteuer

+
Mit dem Jeep Cherokee durch Nordengland und Schottland. Solveig Grewe testete den Geländewagen.

Unter dem dichten Dach aus Baumwipfeln greifen tiefhängende Äste wie Tentakel nach uns. Mannshoher Farn ragt in die Straße hinein, die sich im Dickicht zu verlieren scheint. Das Navi fordert energisch zu einem Richtungswechsel auf.

„Turn around“. Täuscht es, oder hat sich jetzt alles gegen uns verschworen? Vielleicht war es doch keine gute Idee, mit dem neuen Jeep Cherokee in das Revier von Land Rover einzudringen. Wir sind in Schottland, irgendwo in der Nähe eines Ortes mit dem klangvollen Namen Aberlady. Doch das nördlichste Land des britischen Königreiches scheint sich nicht nur durch verzauberte Wälder auszuzeichnen, sondern auch durch geheimnisvolle Straßen, die sich dem Zugriff modernster Technik entziehen.

Der Cherokee zeigt sich nach der Liaison von Chrysler  mit Fiat betont stylisch

„Ein nettes Auto. Was ist das? Ein Japaner?“ Ein Ehepaar älteren Semesters klärt uns auf seinem Spaziergang erst einmal darüber auf, dass wir uns auf Privatbesitz befinden, um dann neugierig unser Auto zu mustern. Er dürfte 1941 die Geburt des Jeep Willys im fernen Amerika noch erlebt haben, sie hingegen kennt den Urtyp des erfolgreichen Geländewagens nur vom Hörensagen, wohl aber den Cherokee aus dem Anfang der Achtziger. In seiner vierten Generation erinnert der jetzt aber reichlich wenig an den Jeep von einst. Der italienische Akzent aus der Liasion von Chrysler/Jeep mit Fiat zeigt seine Wirkung und der Cherokee sich jetzt betont stylisch. Geblieben ist der bulllige amerikanische Kühlergrill mit den typischen sieben Streben. Aber die schmalen geschlitzten Scheinwerfer blicken doch sehr aggressiv, meint sie. Sie hat recht, der Cherokee der vorherigen Generationen blickte freundlicher in die Welt. Das etwas zerklüftete Heck mutet tatsächlich etwas japanisch an, wie wir zugeben müssen. Seine Frage nach der Motorisierung ist ebenso schnell beantwortet wie unsere Frage nach dem Weg zurück in die Zivilisation: wir fahren einen Vierzylinder Turbodiesel mit 140 PS und nach Aberlady geht es die Straße zurück und dann links.

Der weiche Boden findet im Fahrprogramm Sand/Mud die richtige Antwort

 Am Ende des Tages suchen wir abseits der windigen Landstraßen einen Platz für unser Zelt. George, Schotte von Geburt, mit rotblondem Vollbart in überkniehohen Gummistiefeln und Herr über reichlich Grund und Boden am Fluss Tyne, bietet uns ein Stückchen Land an. Angler überlisten dort mit künstlichen Fliegen Lachse, um sie dann wieder ins Wasser zu entlassen. Angesichts der schlammigen Zufahrt blickt George zweifelnd auf das blitzsaubere SUV.

Bildergalerie

Der neue Jeep Cherokee

Doch der weiche Boden findet im Fahrprogramm Sand/Mud die richtige Antwort. Nicht einmal ernsthafte Spuren hinterlässt der zuschaltbare Allrad im Grund. Gut so, mit der jetzt erstmals auch nur mit Frontantrieb angebotenen Version des Cherokee – für Jeep-Enthusiasten ein einziges Greuel - hätten wir schon eher Schwierigkeiten bekommen. Wenig später rückt eine Handvoll Schafe dem Jeep neugierig auf die Pelle, macht aber dann um das grüne Zelt einen großen Bogen. Vielleicht mahnen der Abdruck der Pfote oder der Schriftzug Jack Wolfskin sie dann doch zur Vorsicht.

Hinein ins Abenteuer überflutete Straße

Der nächste Tag startet mit klarem Himmel. Doch das will hier nicht viel heißen. Schon nach kurzer Zeit verdrängen unheilverkündende Wolken die Sonne und Regen stürzt auf uns herab. Der Diesel bahnt sich mit stetem leichtem Grollen, aber ausreichend Kraft seinen Weg zwischen den Steinmäuerchen, die die Straße begrenzen. Die Sechsgangschaltung könnte bei dem ständigen Rauf – und Runterschalten schon etwas leichtgängiger sein. Hinter dem nächsten Hügel wölbt sich dann ein Regenbogen über die eng zusammengedrängten Schafe. Auf dem Weg nach Holy Island vor der Küste Nordenglands steht plötzlich das Wasser auf der einzigen Straße dorthin. Nur langsam will die Flut weichen. Aber wir lassen all die unschlüssigen Autofahrer hinter uns und stellen uns mit dem Jeep dem kleinen Abenteuer.

Technische Daten und Preis

Vierzylinder-Turbodieselmotor

Hubraum: 1956 ccm

Leistung: 103 kW (140 PS) bei 3750/min, Maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1500/min Sechsgangschaltgetriebe, Vorderradantrieb mit automatisch zuschaltendem Vierradantrieb und variabler Drehmomentverteilung,

Länge/Breite/Höhe 4,62/1,86/1,67 Meter

Radstand 2,72, Wendekreis 11,60 Meter, Wattiefe: 482 Millimeter Gewicht 1947, zulässiges Gesamtgewicht 2450, Anhängelast 1600 Kilogramm, Kofferraumvolumen 412 bis 1267 Liter

Assistenzsysteme, optional: Auffahrwarnung mit Bremseingriff, automatisches Einparken, Adaptive Cruise Control, Totwinkel- und Spurhalte-Assistent sowie hintere Querbewegungs-Erkennung

Verbrauch 5,6 Liter Normverbrauch kombiniert auf 100 Kilometer, 147 g/km CO2 , Tankinhalt 60 Liter Höchstgeschwindigkeit 190 km/h Von 0 auf 100 km/h in 12,3 Sekunden

Preis: ab 36 600 Euro

Von Solveig Grewe

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.