Irrsinn? Vignette für deutsche Straßen

+
Laut ADAC-Studie würde unterm Strich eine netzweite Maut zu einem Rückgang der Fahrleistungen führen und die Gesellschaft insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro kosten.

In vielen europäischen Ländern zahlen die Autofahrer Maut. In Deutschland gibt's noch keine Vignette und immer wieder entfacht eine Diskussion. Nun hat der ADAC untersucht, was es uns kosten würde.

Mit der Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland würde auf die Autofahrer eine gewaltige Kostenlawine zu rollen. Dies zeigt eine aktuelle ADAC-Studie zu den Auswirkungen einer möglichen Straßenbenutzungsgebühr.

Danach würde bei einer streckenabhängigen netzweiten Maut und einem Kilometerpreis von fünf Cent die jährliche finanzielle Belastung für jeden Autofahrer um bis zu 700 Euro steigen. Insgesamt würden sich die Einnahmen aus einer Pkw-Maut auf jährlich 25 Milliarden Euro belaufen. Erstellt wurde die Untersuchung von der Universität Köln im Auftrag des ADAC. Im Mittelpunkt der verkehrs- und wirtschaftspolitischen Bewertung verschiedener Gebührenszenarien steht neben der elektronischen Kilometermaut die Pkw-Autobahnvignette.

„Mit vernünftiger Verkehrspolitik ist eine Pkw-Maut nicht vereinbar, das bestätigt die Studie eindeutig“, so ADAC-Vizepräsident für Verkehr Ulrich Klaus Becker. „Die dramatische Verteuerung wird dazu führen, dass viele Menschen teilweise auf ihre Mobilität verzichten müssen. Dies ist für den ADAC nicht hinnehmbar.“

Pickerl für Österreich, Schweiz und Tschechien

Pickerl für Österreich, Schweiz und Tschechien

Die Studie zeigt, dass alle untersuchten Szenarien einer Pkw-Maut eine klar negative volkswirtschaftliche Nutzen-Kosten-Bilanz aufweisen. Berücksichtigt wurden bei der Untersuchung neben den System- und Erhebungskosten unter anderem die Unfall- und Zeitkosten. Unterm Strich würde eine netzweite Maut zu einem Rückgang der Fahrleistungen führen und die Gesellschaft insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro kosten.

Auch die gesamte Volkswirtschaft würde massiv geschädigt. Laut Club wäre bei Einführung einer Pkw-Maut unter anderem mit einem Anstieg der Inflationsrate um 0,9 Prozent zu rechnen. In der Automobilindustrie müsste man sich auf einen Verlust von 25 000 Arbeitsplätzen einstellen, da aufgrund der niedrigeren Fahrleistungen Autokäufe verschoben würden.

Bei der Sache? Die Sünden hinterm Steuer

Bei der Sache? Die Sünden hinterm Steuer

Die elektronische Maut würde dem Staat zwar Einnahmen in Höhe von 25 Milliarden Euro bescheren. Abzuziehen wären jedoch unter anderem die Betriebskosten sowie Mindereinnahmen bei der Energie- und Mehrwertsteuer aufgrund geringerer Fahrleistungen.

Dies würde die Einnahmen soweit schmälern, dass lediglich 4 bis 5 Milliarden Euro bzw. 20 Prozent pro Jahr übrigblieben. ADAC-Vizepräsident Becker: „Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung die Debatte um die Mauteinführung mit einem unmissverständlichen ’Nein’ beendet. Wer für gesellschaftlichen Wohlstand und für Flexibilität in der Arbeitswelt eintritt, der sollte das Thema Pkw-Maut endgültig begraben.“

ADAC

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.