Fahrbericht

Kaufkompass für den Jeep Compass – wie gut ist er im Alltag?

+
Auch bei der Seitenlinie haben die Designer einen guten Job gemacht, die Proportionen sind gefällig, aber nicht langweilig.

Der Jeep Compass ist zwischen dem Cherokee und dem Renegade angesiedelt. Wir haben den SUV mit der Jeep-DNA im Alltag getestet.

Am Anfang war der Willys. Ein Geländespezialist fürs Militär. Später brachte Jeep* den Wrangler auf den Markt. Und weil sich SUVs so gut verkaufen, hat man die Reproduktionsrate einfach erhöht. Zwischen Cherokee und Renegade steht der Jeep Compass.

Zuerst die Sitz- und Blickprobe: Was heißt sitzen - hier thront man regelrecht hinter dem Lenkrad. Und schon gibt es den ersten Pluspunkt: Hier hat man den immerhin 4,40 Meter langen und 1,82 Meter breiten SUV gut im Überblick. Fahren, rangieren – kein Problem. Übersichtlich und praktisch ist auch das Cockpit. Drehzahlmesser links, Tacho recht, der kleine Monitor dazwischen verrät alle wichtigen Fahrdaten. Auch den Verbrauch, der uns leicht geschockt hat. Aber dazu später mehr.

Das schönste Gimmick ist der kleine Willys-Jeep, der im Display auftaucht, wenn man den Abstandshalter einschaltet. Auf dem zentralen 9,4 Zoll großen Bildschirm in der Mitte läuft das übliche Infotainment. Flott gewöhnt man sich an seine Bedienung. Unten drunter sitzen Drehregler für Lautstärke und Klimaanlage. Das Smartphone ist schnell gekoppelt, keine Selbstverständlichkeit bei anderen Herstellern. Und mit AndroidAuto und AppleCarPlay hat man seine Handy-Juke-Box schnell installiert.

Solide und praktisch ist das Compass-Cockpit. Hartplastik macht das Ambiente aber nicht unbedingt schöner.

Jeep Compass: Trotz viel Pferde-Power fehlt die Power

So ausgerüstet kann die Testfahrt beginnen. Hauptsächlich über Landstraßen, ein bisschen Stop-and-Go ist auch dabei, wegen der Samstagseinkäufe. Immerhin hat unser Testfahrzeug zumindest auf dem Papier einen ordentlichen Vierzylinder an Bord. Die 1,4-Liter-Maschine kann man wahlweise mit 140  oder  170 PS bestellen. Von ersterem kann man getrost abraten, weil schon dem 170-PS-Aggregat der Dampf fehlt. Was einen wundert, denn schließlich sind 170 Pferdestärken kein Pappenstiel und auch das Gewicht des Compass liegt mit knapp 1,6 Tonnen jetzt nicht gerade im Schwerlastbereich.

Die Ausstattungsvariante Limited (weißes Fahrzeug) wird nur noch vom Geländespezialisten Trailhawk (rot) übertroffen.

Aber so richtig will der Compass nicht loslaufen. Zwischen dem Druck auf das Gaspedal und dem Zeitpunkt, bis die Kraft endlich an den Antriebswellen ankommt, vergeht fast eine ganze Sekunde. Vielleicht versumpft die Power in der Zwischenzeit im 9-Gang-Automatik Getriebe? Oder man hat dem 1,4-Liter Motor einfach zu viel PS abgerungen im Verhältnis zu seiner Größe. Und so muss sich der Compass oft im hohen Drehzahlbereich quälen. Beim Überholen nimmt man allerdings schon freiwillig Anlauf. So wie weiland im ersten Mercedes Strich-Achter vor mehr als 30 Jahren.

Das Fahrwerk gehört zur gemütlicheren Sorte. Komfortabel, aber einen Tick zu schwammig. Außer diversen Offroad-Einstellungen für Schnee oder Geröll gibt es nämlich keine weiteren Modi, mit denen man das Fahrwerk schärfer stellen könnte. Und so kreuzt man dann gezwungenermaßen eher entspannt durch die Lande. Was auch dem Geldbeutel gut tut. Denn dieser SUV säuft ziemlich viel Benzin. Schon die Werksangaben mit 8,3 Liter Super bewegen sich eher im nicht zeitgemäßen Bereich, wir verbrauchten 9,4 Liter. Bei den Treibstoff-Preisen im Augenblick kein Problem, aber es kommen auch wieder andere Zeiten.

Auch bei der Seitenlinie haben die Designer einen guten Job gemacht, die Proportionen sind gefällig, aber nicht langweilig.

Jeep Compass: Viel Platz für Passagiere und Gepäck

Bei den Platzverhältnissen wiederum ist der Compass ein Großer. Vorne sitzt man mehr als bequem, hier muss keiner Angst vor der Langstrecke haben. Auch hinten reicht der Platz für zwei Erwachsene, wenn sie nicht gerade über 1,85 Meter groß sind. Und auch der Kofferraum bietet mit seinen 438 Litern (bei umgeklappter Rücksitzbank 1.268 l) das handelsübliche Niveau. Gut ist die stille Platzreserve unter dem Ladeboden, gerade dann, wenn man wieder einmal die Einkaufstasche vergessen hat und nicht will, dass Dosen, Gläser und Kohlrabi quer durch das Auto fliegen. Ärgerlich ist die Kofferraumabdeckung, die bei geöffneter Heckklappe nicht weit genug nach oben schwingt. Bei jedem Versuch, tiefer verstaute Gegenstände zu holen, haben wir uns den Kopf angehauen.

Kräftig und dynamisch sieht der Compass von hinten aus. In den Kofferraum passen 438 Liter. Normal für diese Klasse.

Lesen Sie auch: Ein Zylinder weniger - so fährt sich der Jeep Renegade T-GDI im Test.

Das kostet der Jeep Compass

Beim Verkaufspreis liegt der Compass im Mittelfeld. Ab 25.900 Euro gibt es das Basismodell, für den Limited mit 170 PS und Allrad werden 36.600 Euro fällig. Ein vergleichbarer Mazda CX-30 (180 PS) mit Automatik, Allrad aber schon mit Hybridtechnik schlägt mit 33.490 Euro zu Buche. Den Peugeot 3008 (180 PS) kann man sich ab 35.300 Euro holen, allerdings ohne Allrad. Noch ein Blick zum VW-Konzern: Für einen Seat beispielsweise, den Ateca 2,0 TSI 4Drive in der Ausstattungsvariante Xcellence mit 190 PS, zahlt man 35.595 Euro.

Der Compass ist ein richtig komfortables Reiseauto, geeignet für eine vierköpfige Familie.

Mit 36.600 Euro ist es freilich nicht getan – es sei denn, man ist genügsam bei Look und Technik. Wer auf guten Sound (Beats), einen freien Blick in den Himmel und Leder steht, der muss für das Limited-Luxus-Paket noch einmal knapp 3.700 Euro mehr bezahlen. Das riesige Panoramaschiebedach bekommt man dann genauso wie 19-Zoll-Räder, die den Jeep noch breitbeiniger dastehen lassen. Ob man eine Zweifarblackierung unbedingt braucht und dafür knapp 1.100 Euro ausgeben will – das muss jeder selbst entscheiden. Zum Technologie-Paket für 1.590 Euro würden wir aber dringend raten. Dafür kriegt man die Geschwindigkeitsregelanlage, Totwinkel-Warner und Rückfahrkamera. Allesamt Assistenten, die das Fahren nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer machen. Sparen wäre hier der falsche Ansatz.

Beim Exterior-Design bekommt dieser Jeep die Note 1 von unserem Autor Rudolf Bögel.

Lesen Sie auch: Gebrauchtwagen kaufen im Internet: So erkennen Sie Fake-Inserate.

Das Fazit zum Jeep Compass

Unser Kaufkompass zeigt Richtung Compass, wenn Sie auf cooles Exterior-Design Wert legen und gerne kultig unterwegs sind mit einem echten Jeep. Wie bei fast allen Amerikanern, in diesem Fall Italo-Amerikaner, darf man dabei keinen allzu großen Wert auf das Innenleben legen. Gelände oder Straße – der Compass macht überall eine gute. Figur. Wer einen durchzugskräftigen Motor haben will, sollte auf den 2,0-Liter Diesel mit 170 PS zurückgreifen. Der kostet zwar knappe 3.000 Euro mehr, zahlt sich aber beim Fahrspaß garantiert aus.

Datenblatt Jeep Compass Limited 1,4l Multi Air 4x4

Hubraum:

1.368 ccm

Leistung:

170 PS bei 5.500 U/min

Drehmoment:

250 Nm bei 2500 U/min

Getriebe:

9-Gang-Automatik

Antrieb:

Allrad

Länge/Breite/Höhe:

4,39/1,82/1,62 m

Leergewicht (zul):

1.615 kg

Kofferraum:

438 - 1.269 l

0 auf 100:

9,5 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit:

200 km/h

Normverbrauch :

8,3 l Super

Co2:

190 g/km

Abgasnorm:

Euro 6d temp

Preis:

ab 36.600 Euro

Auch interessant: Auch auf dem Privatgrundstück kritisch: Wo darf man sein Auto selbst waschen?

Rudolf Bögel

Der Jeep Gladiator lohnt nur für Image und Gelände

Profi für Cross-Country-Fahrten: Der Jeep Gladiator bleibt ein echter Geländewagen. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag
Profi für Cross-Country-Fahrten: Der Jeep Gladiator bleibt ein echter Geländewagen. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag © Chrysler Group LLC
Dank der Allradtechnik und der stabilen Konstruktion passiert der Jeep Gladiator problemlos unwegsames Gelände. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag
Dank der Allradtechnik und der stabilen Konstruktion passiert der Jeep Gladiator problemlos unwegsames Gelände. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag © Chrysler Group LLC
Der Jeep Gladiator kommt auch auf Schotterpisten gut voran. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag
Der Jeep Gladiator kommt auch auf Schotterpisten gut voran. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag © Chrysler Group LLC
Der Jeep Gladiator hat einen gestreckten Radstand von 3487 mm. Damit kommt er auf eine Gesamtlänge von 5537 mm. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag
Der Jeep Gladiator hat einen gestreckten Radstand von 3487 mm. Damit kommt er auf eine Gesamtlänge von 5537 mm. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag © Chrysler Group LLC
So rustikal der Jeep Gladiator von außen auch aussieht, innen bietet er moderne Technik. Dazu gehören ein online-fähiger Touchscreen und Assistenten wie dem Totwinkel-Warner. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag
So rustikal der Jeep Gladiator von außen auch aussieht, innen bietet er moderne Technik. Dazu gehören ein online-fähiger Touchscreen und Assistenten wie dem Totwinkel-Warner. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag © Chrysler Group LLC
Auf der Pritsche können insgesamt bis zu 725 Kilo verladen werden. Platz ist etwa für zwei Motocross-Maschinen. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag
Auf der Pritsche können insgesamt bis zu 725 Kilo verladen werden. Platz ist etwa für zwei Motocross-Maschinen. Foto: Chrysler Group LLC/dpa-mag © Chrysler Group LLC

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.