Kräftiges Wachstum

Kleinwagen: Ganz schön groß, die Zwerge

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Im Wachstum: Der aktuell kleinste Mini Cooper misst als Dreitürer 3,83 Meter, als Countryman hat er die Vier-Meter-Schallmauer um 30 Zentimeter durchbrochen.

Früher waren Kleinwagen wirklich Kleinwagen. Heutzutage werden sie immer größer und geräumiger. Warum in der Kleinwagen-Klasse kräftiges Wachstum angesagt ist.

"Schneller, höher, weiter" hieß das Motto schon bei den antiken Olympischen Spielen. Eine solche Steigerungsspirale treibt auch die Kleinwagen der "Polo-Klasse" zu immer neuen Superlativen. Beispiel: Der nächste, sechste VW Polo wird ab Ende 2017 rund 4,05 Meter lang sein, also drei Zentimeter länger als in den 90ern der große Markenbruder VW Golf III.

Der britische Ahn des Mini maß gerade mal 3,05 Meter. Er lief im Jahr 2000 in Birmingham vom Band.

Weiteres Beispiel Mini: Klein? Das war mal. Seinem A-Segment, einst sogar "Mini-Klasse" genannt, ist der Lifestyler längstentwachsen. Von 1959 bis 2000 war der Brite einparkfreundliche 3,05 Meter kurz. Unter BMW musste sich der neue Mini inzwischen je nach Modell auf 3,82 bis 4,30 Meter Länge strecken. Heute liegt der Dreitürer ganz offiziell eine Klasse höher als ein Kleinwagen. Die Rivalen sind freilich auch nicht anders unterwegs – es wird auch bei Nissan Micra, Ford Fiesta kräftig gestreckt.

Größenwachstum in der Kleinwagen-Klasse entspricht Kundenwunsch

Wichtigster Grund laut Mini-Pressesprecher Markus Sagemann: "Das Größenwachstum ist vor allem dem Wunsch unserer Kunden nach mehr Platz und Alltagstauglichkeit geschuldet." Aber: "Weiteres Größenwachstum für den Dreitürer sehen wir nicht. Das gilt auch für unser größtes Modell, den Countryman. Der liegt bei 4,30 Metern Länge, und das bleibt für Mini die Obergrenze." Daran würden auch immer höhere Ansprüche an die Crashsicherheit nichts ändern, die man künftig dank hochfester Stähle auch so erfülle.

Es ist also Wille des Kunden, dass bis 2018 im "B-Segment" der Kleinwagen eine wahre Neuheitenwelle mit fast immer größeren Autozwergen auf uns zurollt. Schon heute sind aus den ehemals kurzen, reinen Stadtflitzern meist deutlich größere Vollwertautos geworden. Noch einmal das Beispiel Volkswagen: 1975 war der Polo I ganze 3,51 Meter lang und 1,56 Meter breit. Heute ist bereits eine Klasse darunter der Kleinstwagen VW Up deutlich größer: 3,60 Meter auf 1,66 Meter. Und die Maße des aktuellen Polo V, den es seit 2009 gibt: Bis zu 3,99 Meter lang und 1,70 Meter breit – also deutlich größer als ein VW Golf I von 1974, der nur 3,71 Meter mal 1,61 Meter maß. Der Polo von heute ist unter dem Strich so groß wie der 90er-Jahre-Bestseller VW Golf III, der lediglich 4,02 Meter lang und 1,71 Meter breit war.

Polo VI als Vorreiter einer neuen Art 'Kompaktwagen'

Metarmorphose: Der aktuelle VW Polo VI überragt seinen Ahn von 1975 um satte 54 Zentimeter.

Ende 2017 rollt nun die sechste Generation des VW Polo an – und wird dann gar die 4,00-Meter-Schallmauer durchbrechen. Immer weniger spricht gegen seinen Einsatz als besonders kompaktes und erschwingliches Familienauto – nicht allzu große Kinder einmal vorausgesetzt. Erstmals wird der Polo VI auf Volkswagens modularem Querbaukasten (MQB) basieren. Vorteil: Weniger Gewicht und mehr Platz zwischen den Achsen – und damit im gesamten Innenraum. Nach Markenbrüdern wie Passat, Touran, Tiguan und Golf wird ab 2018 auch der neue VW Polo mit reichlich Infotainment und Assistenzsystemen glänzen. Der künftige Kleinwagen ist dann vernetzt und sicher wie vor Kurzem nur die Oberklasse.

Erzrivale Opel Corsa hat schon jetzt in fünfter Generation (Corsa E) die 4,00 Meter-Marke um bis zu 4 Zentimeter überschritten und soll im Sommer 2018 weiter an Länge und Breite zulegen. Seine typischen Designmerkmale bleiben, unter anderem ein langer Überhang vorn und ein besonders kurzer hinten. Mehr Radstand bringt beim neuen Corsa F mehr Platz für die Hinterbänkler. Bereits zuvor läuft der heiße Kampf der Kleinwagen-Klasse auf Hochtouren – mit aktuellen Neuauflagen von Ford Fiesta, Kia Rio, Nissan Micra und Citroën C3. Nissans vermeintlich Kleiner legt sogar um 17 Zentimeter Länge zu und glänzt mit einem Notbrems- und einem Berganfahrassistenten ab Werk – zu Preisen ab 12 990 Euro. Als 1,5-LiterDiesel ist er momentan der Sparsamste im B-Segment (3,2 l/100 km). Ähnlich der Toyota Yaris, der als einziger Hybrid der Klasse mit nur 3,3 l/100 km auskommt.

Sommerzeit ist 2017 auch Ibiza-Zeit – mit einem kleinen Seat, der seit 1984 in fünf Generationen von 3,64 auf 4,04 Meter in die Länge geschossen ist. Bereits im Showroom: Der neue Suzuki Swift. Der 3,84 Meter kurze Mini-Rivale wirkt schicker als bisher und hat um satte 120 Kilo abgespeckt. Bei der sechsten Generation liegt der Schwerpunkt aber weiterhin auf einem großzügigen Innenraum (2,45 Meter Radstand). Der Kofferraum fällt mit 265 bis maximal 947 Liter dagegen eher zierlich aus. Gute Nachricht für Suzuki-Fans: Die Preise für den neuen Swift sind gesunken und starten jetzt bei 13.790 Euro für den Fünftürer (bisher ab 14.500 Euro).

Ab 2018: Neue Modelle für die Kompaktklasse

2018 kommen weitere neue Rivalen. Allen voran der nächste Audi A1 und ein neuer Fiat Punto. Wie der neue Seat Ibiza und der künftige VW Polo wird auch der A1 auf Volkswagens MQB aufbauen. Audis Premium-Anspruch wirkt sich allerdings preislich aus: Der A1 wird wohl ab 17.000 Euro kosten. Gleichzeitig wird 2018 ein neuer Peugeot 208 die Klasse bereichern. Er soll sich optisch an den kompakten Golf-Rivalen 308 anlehnen, im Vergleich zu bisher rund 100 kg abspecken und deutlich mehr Platz bieten. Als Antrieb dienen bei Peugeots neuem, rund vier Meter langen Kleinwagen vor allem Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Litern Hubraum. Also auch hier typisch neue Kleinwagen: Unter der Haube Downsizing, sonst überall Wachstum.

Von Ralf Schütze

Öfter mal was Neues: Das bringt das Autojahr 2017

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