Kraftwerk an Bord

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Gewohntes Bild: Bis auf die werbewirksamen Aufkleber gleicht der Brennstoffzellen-Benz, der in der vergangenen Woche in der Merzedes Benz Niederlassung Kassel/Göttingen zu Gast war, einer herkömmlichen B-Klasse.

Emissionsfrei, nahezu geräuschlos, geringe Reichweite – moderne Ökoautos klingen nicht gerade nach Fahrspaß. Mercedes beweist mit einem Brennstoffzellen-Prototyp das Gegenteil: Besonders im Stadtverkehr überzeugt die B-Klasse F-Cell („fuel cell“) mit sportlichen Fahrwerten.

Kraftwerk an Bord

Unter Strom: Der leistungsstarke Elektromotor wird von einem kleinen Kraftwerk an Bord angetrieben.
Unter Strom: Der leistungsstarke Elektromotor wird von einem kleinen Kraftwerk an Bord angetrieben. © Schaffner
Gewohntes Bild: Bis auf die werbewirksamen Aufkleber gleicht der Brennstoffzellen-Benz einer herkömmlichen B-Klasse.
Gewohntes Bild: Bis auf die werbewirksamen Aufkleber gleicht der Brennstoffzellen-Benz einer herkömmlichen B-Klasse. © Schaffner
Geräumig: Während der Elektromotor unter der Haube steckt, haben Brennstoffzellen-Stack und die gepanzerten Wasserstoffflaschen im geräumigen Unterboden Platz gefunden.
Geräumig: Während der Elektromotor unter der Haube steckt, haben Brennstoffzellen-Stack und die gepanzerten Wasserstoffflaschen im geräumigen Unterboden Platz gefunden. © Schaffner
Wasserstoff statt Sprit: 3,7 Kilogramm des farblosen Gases passen in den Tank. Die B-Klasse F-Cell kann je nach Fahrweise etwa 400 Kilometer am Stück fahren. Noch gibt’s bundesweit aber nur 27 Wasserstofftankstellen.
Wasserstoff statt Sprit: 3,7 Kilogramm des farblosen Gases passen in den Tank. Die B-Klasse F-Cell kann je nach Fahrweise etwa 400 Kilometer am Stück fahren. Noch gibt’s bundesweit aber nur 27 Wasserstofftankstellen. © Schaffner
Kräftig: Der Elektromotor leistet 100 Kilowatt und entfaltet ab dem ersten Meter volle 290 Newtonmeter Drehmoment.
Kräftig: Der Elektromotor leistet 100 Kilowatt und entfaltet ab dem ersten Meter volle 290 Newtonmeter Drehmoment. © Schaffner
Wasserdampf statt Abgase: Aus dem kleinen Auspuff auf Höhe der Hinterräder kommt ausschließlich unbedenklicher Wasserdampf. Deshalb gilt die B-Klasse F-Cell als „Zero-Emission-Fahrzeug“.
Wasserdampf statt Abgase: Aus dem kleinen Auspuff auf Höhe der Hinterräder kommt ausschließlich unbedenklicher Wasserdampf. Deshalb gilt die B-Klasse F-Cell als „Zero-Emission-Fahrzeug“. © Schaffner
F-Cell: Die Abkürzung steht für „fuel cell“ und weist auf die Brennstoffzellen hin.
F-Cell: Die Abkürzung steht für „fuel cell“ und weist auf die Brennstoffzellen hin. © Schaffner
Versteckt: Damit selbst im Kofferraum keine Abstriche beim gewohnt großzügigen Platzangebot gemacht werden müssen, haben die Schwaben die zusätzliche Hochvoltbatterie unter der Kofferraumverkleidung versteckt.
Versteckt: Damit selbst im Kofferraum keine Abstriche beim gewohnt großzügigen Platzangebot gemacht werden müssen, haben die Schwaben die zusätzliche Hochvoltbatterie unter der Kofferraumverkleidung versteckt. © Schaffner
Alternative Armaturen: Anstelle eines Drehzahlmessers verfügt die B-Klasse über eine Leistungsanzeige in Kilowatt. Die Tankanzeige zeigt den Wasserstoffvorrat an.
Alternative Armaturen: Anstelle eines Drehzahlmessers verfügt die B-Klasse über eine Leistungsanzeige in Kilowatt. Die Tankanzeige zeigt den Wasserstoffvorrat an. © Schaffner
Interieur: Bis auf wenige Ausnahmen erinnert auch das Interieur der B(rennstoffzellen)-Klasse an die B(enzin)-Klasse.
Interieur: Bis auf wenige Ausnahmen erinnert auch das Interieur der B(rennstoffzellen)-Klasse an die B(enzin)-Klasse. © Schaffner
Gemütlich: Die Rückbank bietet viel Platz.
Gemütlich: Die Rückbank bietet viel Platz. © Schaffner
Kompakt: Die B-Klasse F-Cell sieht nicht nur sportlich aus.
Kompakt: Die B-Klasse F-Cell sieht nicht nur sportlich aus. © Schaffner

Das kleine Kraftwerk an Bord erlaubt sogar längere Strecken am Stück. Wir haben den alternativen Kompaktvan bei einer Probefahrt unter die Lupe genommen, als einer der weltweit 200 Testwagen für einen Tag zu Gast bei der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen war.

Bis auf werbewirksame Aufkleber gleicht die B(rennstoffzellen)-Klasse äußerlich der B(enzin)-Klasse. Auch das Interieur scheint vertraut: Lederausstattung, Klimaanlage, Sitzheizung, Navigationssystem – alles an Bord. Selbst Fond und Kofferraum bieten unverändert großzügig Platz. Doch spätestens beim Start fehlt etwas: das Motorengeräusch. Stattdessen nur ein leises Summen.

Unter der Haube verbirgt sich ein kräftiger E-Motor, der 100 Kilowatt (136 PS) und 290 Newtonmeter maximales Drehmoment leistet. Die nötige Energie bezieht die B-Klasse aus drei gepanzerten Wasserstoffflaschen, die im geräumigen Unterboden auf Höhe der Rücksitze ein ideales Versteck gefunden haben. Der auf 700 Bar komprimierte Wasserstoff reagiert in gebündelten Brennstoffzellen, dem sogenannten Stack, mit Luft und produziert elektrischen Strom. Eine zusätzliche Hochvoltbatterie im Kofferraum speichert diese Energie und fängt zudem Bewegungsenergie auf, beispielsweise beim Bremsen.

Da der E-Motor ab dem ersten Meter das volle Drehmoment entfaltet, hat das Ökoauto das Zeug zum lautlosen Ampelschreck – obwohl es mit 1,8 Tonnen Leergewicht schwerer ist als manches E-Klasse-Modell. Bei höheren Geschwindigkeiten machen sich allerdings fehlendes Benzin im Blut und das Zusatzgewicht der Antriebstechnologie bemerkbar. Laut Herstellerangaben ist bei Tempo 170 Schluss. Die B-Klasse führt 3,7 Kilogramm Wasserstoff mit sich, das reicht für knapp 400 Kilometer – bei null CO2-Emission. Der Auspuff bläst lediglich harmlosen Wasserdampf in die Umwelt.

Mercedes möchte im Jahr 2015 Brennstoffzellen-Autos in Großserie auf die Straße bringen. Wie ambitioniert das ist, zeigt ein Blick ins Navigationssystem der B-Klasse. Das digitale Kartenmaterial verrät unter „Sonderzielen“, wo sich die nächste Wasserstofftankstelle befindet. Bislang ist dieser Service höchstens gut gemeint, denn laut Tüv-Süd gibt es hierzulande derzeit nur 27 Wasserstofftankstellen (weltweit etwa 200), von denen die meisten noch nicht einmal frei zugänglich sind.

Bleibt für die Schwaben zu hoffen, dass langfristig ein Weg gefunden wird, Wasserstoff – beispielsweise als Abfallprodukt der Industrie – flächendeckend tanken zu können.

Von Sebastian Schaffner

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