Kraftwerk an Bord

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Gewohntes Bild: Bis auf die werbewirksamen Aufkleber gleicht der Brennstoffzellen-Benz, der in der vergangenen Woche in der Merzedes Benz Niederlassung Kassel/Göttingen zu Gast war, einer herkömmlichen B-Klasse.

Emissionsfrei, nahezu geräuschlos, geringe Reichweite – moderne Ökoautos klingen nicht gerade nach Fahrspaß. Mercedes beweist mit einem Brennstoffzellen-Prototyp das Gegenteil: Besonders im Stadtverkehr überzeugt die B-Klasse F-Cell („fuel cell“) mit sportlichen Fahrwerten.

Kraftwerk an Bord

Das kleine Kraftwerk an Bord erlaubt sogar längere Strecken am Stück. Wir haben den alternativen Kompaktvan bei einer Probefahrt unter die Lupe genommen, als einer der weltweit 200 Testwagen für einen Tag zu Gast bei der Mercedes-Benz Niederlassung Kassel/Göttingen war.

Bis auf werbewirksame Aufkleber gleicht die B(rennstoffzellen)-Klasse äußerlich der B(enzin)-Klasse. Auch das Interieur scheint vertraut: Lederausstattung, Klimaanlage, Sitzheizung, Navigationssystem – alles an Bord. Selbst Fond und Kofferraum bieten unverändert großzügig Platz. Doch spätestens beim Start fehlt etwas: das Motorengeräusch. Stattdessen nur ein leises Summen.

Unter der Haube verbirgt sich ein kräftiger E-Motor, der 100 Kilowatt (136 PS) und 290 Newtonmeter maximales Drehmoment leistet. Die nötige Energie bezieht die B-Klasse aus drei gepanzerten Wasserstoffflaschen, die im geräumigen Unterboden auf Höhe der Rücksitze ein ideales Versteck gefunden haben. Der auf 700 Bar komprimierte Wasserstoff reagiert in gebündelten Brennstoffzellen, dem sogenannten Stack, mit Luft und produziert elektrischen Strom. Eine zusätzliche Hochvoltbatterie im Kofferraum speichert diese Energie und fängt zudem Bewegungsenergie auf, beispielsweise beim Bremsen.

Da der E-Motor ab dem ersten Meter das volle Drehmoment entfaltet, hat das Ökoauto das Zeug zum lautlosen Ampelschreck – obwohl es mit 1,8 Tonnen Leergewicht schwerer ist als manches E-Klasse-Modell. Bei höheren Geschwindigkeiten machen sich allerdings fehlendes Benzin im Blut und das Zusatzgewicht der Antriebstechnologie bemerkbar. Laut Herstellerangaben ist bei Tempo 170 Schluss. Die B-Klasse führt 3,7 Kilogramm Wasserstoff mit sich, das reicht für knapp 400 Kilometer – bei null CO2-Emission. Der Auspuff bläst lediglich harmlosen Wasserdampf in die Umwelt.

Mercedes möchte im Jahr 2015 Brennstoffzellen-Autos in Großserie auf die Straße bringen. Wie ambitioniert das ist, zeigt ein Blick ins Navigationssystem der B-Klasse. Das digitale Kartenmaterial verrät unter „Sonderzielen“, wo sich die nächste Wasserstofftankstelle befindet. Bislang ist dieser Service höchstens gut gemeint, denn laut Tüv-Süd gibt es hierzulande derzeit nur 27 Wasserstofftankstellen (weltweit etwa 200), von denen die meisten noch nicht einmal frei zugänglich sind.

Bleibt für die Schwaben zu hoffen, dass langfristig ein Weg gefunden wird, Wasserstoff – beispielsweise als Abfallprodukt der Industrie – flächendeckend tanken zu können.

Von Sebastian Schaffner

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