Langfinger lieben schicke Autos

Die Deutschen und ihre Autos. In keinem anderen europäischen Land haben Autofahrer eine derart enge Verbindung zu ihrem Fahrzeug.Autofahren verbinden viele mit Unabhängigkeit und Freiheit. Mobil ist deshalb jeder gern - manche allerdings am liebsten mit einem Wagen, der ihnen nicht gehört.

Aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen, dass im Jahr 2011 insgesamt 41.057 Fahrzeuge gestohlen wurden. Statistisch betrachtet wechselten damit jeden Tag rund 113 Wagen illegal den Besitzer.

Die Zahlen der Versicherungswirtschaft weichen hingegen von den polizeilichen Erhebungen ab. Der Grund: Sie verzeichnen lediglich die gestohlenen Autos mit Kaskoversicherung - nur deren Besitzer werden von den Gesellschaften für den Verlust entschädigt. Die Halter haftpflichtversicherter Wagen gehen dagegen leer aus: Die Assekuranzen regulieren in diesen Fällen nicht, daher fließen diese Schäden auch nicht in die Statistik ein. Mit 19.658 entwendeten kaskoversicherten Pkw mussten die Kfz-Versicherer dennoch für rund die Hälfte aller in Deutschland als gestohlen gemeldeten Autos haften und die Besitzer entschädigen.

BMW-Geländewagen besonders beliebt

Nach Informationen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)standen 2011 bei den Autodieben vor allem die X5- und X6-Baureihen von BMW hoch im Kurs. Pro 1.000 kaskoversicherten Autos wurden über 33 der sportlichen Geländewagen des Münchner Autobauers entwendet.Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Toyota Lexus Hybrid und der Landcruiser, ebenfalls aus dem Hause Toyota.

Mit jeweils über 4.000 gestohlenen Fahrzeugen rangieren Berlin und Nordrhein-Westfalen im Vergleich der Bundesländer an der Spitze der polizeilichen Kfz-Diebstahlstatistik. Zum Vergleich: Im Saarland wechselten im vergangenen Jahr gerade einmal 71 Autos unfreiwillig den Besitzer. Laut Bundeskriminalamt (BKA) werden die meisten in Deutschland gestohlenen Autos nach Osteuropa verschoben. Für viele geht die Reise sogar noch weiter nach Zentralasien – zum Beispiel nach Tadschikistan oder Usbekistan.

Schaden für die Kfz-Versicherer liegt 2011 bei 344 Millionen Euro

Die Anzahl der gestohlenen kaskoversicherten Wagen stelltmit rund 0,6 Prozent lediglich einen Bruchteil aller hierzulande zugelassenen Pkwdar.Dennoch beziffern die Kfz-Versicherer dieEntschädigungssumme für alle versicherten Kraftfahrzeuge im Jahr 2011 mit rund 344 Millionen Euro. Durchschnittlich, so rechnete der GDV vor, lag der Schadenaufwandfür die Assekuranzen pro gestohlenem Wagen bei stolzen 13.208 Euro.

Das wiederum merken indirekt alle Autofahrer. Denn um profitabel wirtschaften zu können, geben die Kfz-Versicherungen ihre Risiken über steigende Prämien indirekt an ihre Kunden weiter. Und nur wer eine optionale Kaskoversicherung für sein Auto abschließt, bekommt bei dessen Diebstahl Geld von seiner Gesellschaft. Die obligatorische Kfz-Haftpflichtversicherung, die jeder Autohalter abschließen muss, kommt lediglich für Schäden Dritter auf.

Ein Großteil der Autofahrer geht daher lieber auf Nummer sicher. Wie eine Untersuchung des Vergleichsportals CHECK24 für den Zeitraum Januar 2002 bis einschließlich Oktober 2012 zeigt, wählten rund zwei Drittel der deutschen Autobesitzer, die im Erhebungszeitraum über das Portal einen Kfz-Versicherungsschutz abschlossen, eine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Anders sieht es hingegen aus, wenn der Fokus nur auf Fahranfänger bis zum 20. Lebensjahr gelegt wird: Rund zwei Dritteln reicht die gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflicht aus, nur etwa ein Drittel entscheidet sich für den erweiterten Schutz einer Kaskoversicherung.

Diese Diskrepanz ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Zum einen haben viele junge Menschen nicht die finanziellen Mittel, um sich den teureren Kaskoschutz für ihr Auto leisten zu können. Zum anderen kaufen sich die meisten Führerscheinneulinge aus dem gleichen Grund eher einen älteren Gebrauchtwagen. Da hier die Gefahr eines Diebstahls geringer ausfällt als bei neuwertigen Fahrzeugen und darüber hinausin der Regel auch die Reparaturkosten nach einem Schaden deutlich niedriger anzusetzen sind, lohnt sich einetwas teurerer Kfz-Kaskoschutz für ältere Fahrzeuge oft nicht.

Wer die Preise und Leistungen verschiedener Kfz-Versicherungen vergleichen möchte, ist mit Kfz-Vergleichsportalen wie CHECK24 im Internet gut beraten. Nach wenigen Angaben zu Halter, Auto und dem gewünschten Versicherungsumfang – beispielsweise reine Haftpflichtversicherung oder Teil- beziehungsweise Vollkaskoschutz – zeigt der Vergleichsrechner passende Tarife an. Bei nutzerfreundlichen Portalen kann der Verbraucher mehrere Angebote miteinander vergleichen und die Police auf Wunsch direkt online abschließen.

Von Sascha Rhode

Rubriklistenbild: © dpa

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