Sportwagenvergleich

Die 1320-PS-Schlacht: McLaren GT vs. Porsche Panamera Hybrid

Porsche Panamera auf Straße.
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700 PS und 870 Nm Drehmoment. Der Turbo S E-Hyrid ist der stärkste Panamera, den Porsche je auf die Straßen gestellt hat.

Sportlich, dass es kracht. Bequem wie eine Sänfte. Und trotzdem genug Platz für den Urlaub zu zweit. Mit dem neuen GT hat McLaren ein alltagstaugliches Rennauto auf den Markt gebracht. Dort wartet schon die Konkurrenz: zum Beispiel der Porsche Panamera. Doch wer ist besser?

  • Das neue Panamera-Spitzenmodell Turbo S E-Hybrid bringt 700 PS auf die Straße
  • Der McLaren GT hält mit Traum-Werten bei der Beschleunigung von 0 auf 200 dagegen
  • Beide wollen Sportwagen und Alltagsauto gleichzeitig sein – kann das klappen?

Beide wollen beides sein: Sportauto und Limousine. Und beide sind gemacht für Menschen, die schon fast alles haben. Vor allem Geld. Und das brauchen sie auch. Denn der neue McLaren GT kostet ab 198.000 Euro, der neue Porsche Panamera S E-Hybrid fängt bei knapp 190.000 Euro an. Der Vergleich zwischen den beiden Luxusboliden ist auch ein Duell der alten gegen die neue Welt. Während die Engländer einen klassischen Mittelmotor-Sportwagen mit 620 PS aus einem Achtzylinder-Turbo-Benziner auf die Straße schicken, kombiniert der Porsche Panamera einen traditionellen Benziner mit einer Elektromaschine: 700 PS – pure Hybrid-Power.

Die vermutlich größte (Heck-)Klappe auf dem Markt

Natürlich hinkt unser Vergleich ein wenig. Denn der McLaren ist ein klassischer Zweisitzer, im Porsche hätten sogar fünf Platz. Aber beide werben mit Ihrer hohen Alltagstauglichkeit. McLaren sogar damit, dass der GT ein für diese Klasse konkurrenzlos großes Kofferraumvolumen von 570 Litern anbietet. Vorne 120 und hinter der vermutlich größten (Heck-)Klappe auf dem Markt sogar 450 Liter. Erstmal kann der McLaren-Kunde somit ein ganzes Golf-Bag unterbringen oder zum Skifahren gehen, sofern es im Winter überhaupt Sinn macht mit so einem Sportwagen durch den Schnee zu pflügen. Der Vollständigkeit halber: In den Panamera Sport Turismo passen 418, bei umgeklappten Sitzen dann allerdings schon 1287 Liter.

Panamera: Schneller, stärker, weiter

Aber darum soll es bei diesem Vergleichs-Test nur am Rande gehen. Schon eher um Leistung und Komfort von zwei Alpha-Tieren auf der Straße. Fangen wir mit dem Porsche an. Schneller, stärker, weiter – der neue Panamera Turbo S E-Hybrid erfüllt das leicht abgewandelte Olympia-Motto in jeder Hinsicht. Mit 315 km/h in der Spitze ist er schneller als sein Vorgänger, mit 700 PS bietet er 20 Pferdestärken mehr und weiter kommt er auch noch. Rein elektrisch schafft die Sport-Limousine nun rund 50 Kilometer.

870 Nm Drehmoment – was für eine Wucht!

Hybrid heißt das Zauberwort. Also die Kraft von zwei Motoren. Im Fall des Panamera Turbo S E-Hybrids ist es ein vier Liter großer Achtzylinder aus der alten Welt. Hier gibt es Brennkammern, Turbos, Krümmer und Endrohre. Der Benziner wirft schon mal 571 PS auf die Antriebswellen. Dazu kommt noch die 136 PS starke E-Maschine aus der neuen Welt dazu, die im Getriebe sitzt. Hört sich von der Leistung her nach wenig an, aber sie schaufelt ein zusätzliches Drehmoment von 400 Newtonmetern (Nm) in den Antrieb. Macht insgesamt 870 Nm. Was für eine Zahl, was für eine Wucht! Damit lässt sich der immerhin 2,44 Tonnen schwere Kombi sogar leichtfüßig bewegen. Springbock, Gazelle und Co lassen aus dem Tierreich grüßen.

Alleine der V-8-Porsche-Turbo-Motor bringt schon mal 571 PS und ein Drehoment von 770 Nm auf die Straße.

Und leise flüstert der Elektromotor dazu

Die 3,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100 erobern schnell die Lufthoheit über die einschlägigen Stammtischgespräche. Kenner schwärmen aber lieber von den 0 auf 200 in 11,2 Sekunden. Zumindest, solange es noch kein Tempolimit gibt. Der

Achtzylinder bollert mal tief detonierend im Bass-Bereich, mal frisch trompetenden bei hohen Drehzahlen. Aber nie hektisch, sondern immer souverän und lässig. Dreikammer-Luftfederung, Adaptivdämpfer und elektronische Wankstabilisierung – die Heilige Dreifaltigkeit der Fahrwerkstechnik sorgen für stramme Sport-Momente. Und leise flüstert der Elektromotor dazu. Natürlich kann er den Panamera auch ganz allein bewegen – aber als 136 PS-Booster, der wie eine abbrennende Raketenstufe für den letzten Schub sorgt, ist er fast noch wertvoller.

Die ungezügelte Kraft eines Achtzylinders

Noch hat die Hybrid-Welt beim englischen Supersportwagenbauer keinen Einzug gehalten. Erst 2021 kommt mit dem Artura der erste seiner Art, bis 2025 will man alle Modelle elektrifiziert haben. Und so muss sich der GT mit einem einzigen Motor fortbewegen. Der 4-0-Liter Doppelturbo-Achtzylinder bringt 620 PS auf die Hinterräder. Ungezügelt zieht der Motor von unten voll durch und erreicht schon bei 3000 U/min 95 Prozent seines Drehmoments (insgesamt 630 Nm). Der Motor ist eine Macht. Die Straßenlage sowieso. Wenig Gewicht (1530 Kilo), tiefer Schwerpunkt, optimale Gewichtsverteilung – und Heckantrieb. Sportwagen-Herz was willst du mehr?

Kurvenräuber in Gold. Der McLaren GT ist ein klassischer Superportwagen mit niedrigen Schwerpunkt und perfekter Gewichtsverteilung.

Beim Leistungsgewicht liegt der McLaren vorne

Im Spurt auf die 100er-Marke liegen Panamera und McLaren gleichauf, aber bei der doppelten Distanz hat der Engländer seine Nase – und nicht nur um die Spitze – vorne. 0 auf 200 in 9,5 Sekunden, das sind fast zwei Sekunden schneller als der Porsche. Was nicht unbedingt verwunderlich ist, wenn man auf das Leistungsgewicht schaut. Beim Porsche muss 1 PS ganze 3,49 Kilogramm bewegen, beim McLaren sind es nur 2,47 Kilo. Und trotzdem fühlt sich die Beschleunigung im Porsche kompakter an. Das mag am Allradantrieb liegen oder an der emotionaleren Kraftentfaltung durch den hybriden Boost. Dafür wirkt die Kraftentwicklung beim McLaren ein Stück weit ehrlicher und nicht so verkünstelt.

Posing mit Flügeltüren  

Beim Komfort hat der Panamera Sport Turismo klar den Kühlergrill vorne. Das fängt beim Einsteigen an und hört bei der Federung auf. Dass der Turbo S E-Hybrid ein PS-Monster ist, bleibt geschickt verborgen unter dem Deckmäntelchen einer Luxus-Limousine. Beim McLaren ist das Posing viel offensichtlicher. Schon allein, wenn sich die Flügeltüren nach oben öffnen, ist eine Spontanversammlung auf dem Gehweg garantiert. Wehe, wenn man jetzt patzt und nicht mit einem einzigen Körperschwung über den breiten Einstieg kommt und sich womöglich noch den Kopf anhaut.

Ungewöhnlich und spektakulär. Die Flügeltüren des McLaren GT sorgen für die ungeteilte Aufmerksamkeit der Passanten.

Digital schlägt Porsche McLaren um Längen

Spektakulär sieht es auch aus, wenn man an den Kofferraum will. Der McLaren dürfte mit einer Länge von 1,88 Meter die längste Heckklappe auf dem Markt haben. Beim Öffnen sieht es so aus, als ob man das halbe Auto abdecken wollte. Auch bei den Bord-Instrumenten geht es im Porsche großzügiger zu. Alles voll digital, große Displays, farbige zeitgemäße Grafiken. Der Engländer bleibt nüchtern und spartanisch. Das kleine Smartphone-Display in der Mitte bietet das Nötigste und vor allem keinen Schnickschnack. Mit einer Ausnahme: Sogar Orientierungspfeil auf dem Navi zeigt die aktuell gefahrene Geschwindigkeit. Das ist nicht nur lässig, sondern auch praktisch.

McLaren: Punktabzug beim Sound und Verarbeitung

Nicht unbedingt optimal ist das Sound-System. Damit meinen wir nicht den standesgemäß sonoren Sportwagen-Klang aus den Auspuffrohren, sondern die Hifi-Anlage. Sie klingt nicht besonders gut und auch bei der Lautstärke geht ihr die Puste aus. Peinlich bei einem Auto, das selbst nicht gerade ein Leisetreter ist und allein schon deshalb einen satten Sound vertragen könnte. Und auch bei der Verarbeitung hat der Engländer Probleme. Einmal zu fest gezogen, schon hat man den Handbrems-Schalter in der Hand.

Und so lautet unser Fazit zur 1320-PS-Schlacht

Stellt sich nach einer ungeahnten hohen Erbschaft oder nach dem Knacken des Lotto-Jackpots, die Frage aller Fragen, ob McLaren oder Porsche Panamera, kommt man in eine emotionale Zwickmühle. Hier der prächtige Supersportwagen, dort die Porsche-Limousine mit den 911er-Genen. Unser salomonisches Urteil, wenn das Geld nicht für beide reicht: Der McLaren ist das klassische Zweitauto, der Panamera das bessere Fahrzeug für den Alltag. (Rudolf Bögel) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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