Fahrbericht

Mercedes E-Klasse T-Modell All-Terrain im Test: Auf Du und Du

Mercedes Mercedes E-Klasse
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Die neue E-Klasse von Mercedes.

Die neue E-Klasse von Mercedes macht alles neu. Optisch, technisch und auch persönlich steuern die Stuttgarter weiterhin einen Imagewechsel an.

  • Mercedes hat seine E-Klasse überarbeitet.
  • Der Imagewechsel setzt sich fort.
  • Mit dem E-Klasse T-Modell All-Terrain will Mercedes mehr Nähe zum Fahrer herstellen.

Ein bisschen hip schadet nie. Ein bisschen trendy sein, jung wirken. Für eine Traditionsmarke wie Mercedes* kein einfacher Spagat. Schließlich soll sich auch die gediegeneren Stammkundschaft in der Marke wiederfinden können. Insofern überrascht es ein wenig, dass die neue E-Klasse nun in „Du“ mit ihren Insassen spricht. „Was kann ich für dich tun?“, fragt das Sprachsystem, wird es mit dem Ruf „Hallo Mercedes“ aufgeweckt. Und nach erfolgreicher Navigationsreise heißt es: „Du hast dein Ziel erreicht.“

Mercedes betreibt mit dem E-Klasse T-Modell All-Terrain einen Imagewechsel

Das aktuelle Facelift des wichtigen E-Modells ist nicht nur ein optisches und technisches Facelift, sondern auch ein fortschreitender Imagewechsel. Mercedes will nicht nur modern wirken, es will auch eine noch größere Verbindung seiner Kunden zu den Autos herstellen – eine persönliche Vertrautheit und Nähe schaffen. Und das gelingt den Stuttgartern mit der überarbeiteten E-Klasse richtig gut.

Das jahrzehntelang erfolgreichste deutsche Auto der oberen Mittelklasse kommt optisch deutlich eleganter und sportlicher daher, trägt unter anderem neu gestaltete Scheinwerfer mit serienmäßiger LED-Technik. Und bei der Motorenseite gibt es nun insgesamt sieben Plug-In Hybrid-Varianten (Diesel- sowie Benziner) mit Heck- und Allradantrieb. Die Preisliste beginnt bei 47.937 Euro für die E 200 d Limousine mit 160 PS. Für den Kombi werden rund 3.000 Euro Aufpreis fällig.

Der Kombi (T-Modell) enthält in der Allrad-Variante All-Terrain nun erstmals zwei Benziner, die jeweils mit einem Akku kombiniert werden. Der E 200 (Benziner: 197 PS + Batterie: 14 PS) startet bei 58.725,00 Euro, der E 450 (367 + 22 PS) bei gut 70.000 Euro. Einziger Diesel im Programm ist dort der E 220 d ab 59.745,80 Euro mit 194 PS.

Mercedes E 450: So schlägt sich das Top-Modell im Test

Wir haben den All-Terrain mit seinem Top-Modell E 450 getestet. Äußerlich zu erkennen ist die „Offroad“-Variante an den schwarzen rustikalen Kotflügeln über den Rädern sowie mehr Bodenfreiheit: Im Vergleich zum „normalen“ T-Modell steht der All‑Terrain 29 Millimeter höher – 14 Millimeter sind auf die höheren und breiteren Reifen zurückzuführen sowie 15 Millimeter auf das höhere Normalfahrniveau der Luftfederung. Dank dieser serienmäßigen Luftfederung sind drei Niveaulagen von 0 bis +35 Millimeter möglich. Ein weiteres markantes Merkmal ist der Kühlergrill. Dort befinden sich nicht die typischen Powerdomes der E-Kollegen, sondern zwei unterteilte Lamellen, die an die SUV-Modelle erinnern. Auch gibt es neu geformte Stoßfänger an Front und Heck, umgestaltete Leuchteinheiten.

Mercedes E 450: Technische Neuerungen im Innenraum

Das Cockpit der neuen E-Klasse.

Der Innenraum ähnelt zwar dem Vorgänger, doch technisch hat sich einiges getan. Im Cockpit ist alles digital, selbst in der Basis gibt es keine analogen Rundinstrumente mehr, dafür zwei 10,25 Zoll große Bildschirme. Gegen Aufpreis wachsen die Displays sogar auf 12,3 Zoll. Ein spannendes Feature ist auch die neue Lenkradgeneration. Kapazitive Sensoren im Kranz erkennen nun, ob der Fahrer die Hände am Lenkrad hält oder nicht. Das erleichtert das teilautonome Fahren. Nun reicht ein leichtes Berühren aus, damit etwa der Warnsensor des Spurhalte-Assistenten wieder ausgeht, nachdem man die Hände zu lange vom Lenkrad entfernt hatte. Zuvor hatte die Elektronik einen kräftigen Druck oder leichte Lenkbewegungen verlangt, um zu erkennen, dass man die Hände noch am Volant hat.

Mercedes E 450: Ideal für Langstrecken

Die neu gestalteten Sitze sind gewohnt bequem, es gibt – optional – verschiedenste Massage-Funktionen und freilich neben Sitz-Heizung auch eine -Lüftung. Wer es gemütlich und komfortabel mag, wird mit der neuen Luftfederung erstklassig bedient. In der Einstellung “Comfort“ fährt es sich wie auf einem weichen, leicht schaukelndem Wattebällchen. Ideal für Langstrecke. Um auch auf unbefestigten Wegen fahren zu können, kann das Fahrwerk durch Auswahl des Programms „All-Terrain“ um weitere 20 Millimeter bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h angehoben werden.

Für Langstrecken eignet sich die neue E-Klasse dank der neuen bequemen Sitze und entsprechender Fahr-Modi besonders gut.

Die neueste Technik kann unter anderem ein Videobild der Umgebung auf dem Zentraldisplay mit Hausnummern versehen, um das Suchen einer Adresse zu erleichtern. Etwas „überfrachtet“ wirkt hingegen eine neue Funktion, die an einer Kreuzung das Live-Bild vor dem Auto in bewegten Bildern zeigt. Dadurch soll der Fahrer sich an Ampeln nicht mehr verrenken oder im Gegenlicht das Lichtsignal erraten müssen.

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Der aktive Abstands-Assistent Distronic reagiert nun vorausschauend. Die Geschwindigkeit wird etwa beim Heranfahren an einen Stau vorsorglich etwas gedrosselt, um nicht zu abrupt abbremsen zu müssen. In Kurven wird das Tempo ohnehin etwas reduziert, wenn das System die selbst eingestellte Geschwindigkeit als zu hoch erkennt.

Interessant auch die Rettungsgassen-Funktion. Im Stau bildet das Auto automatisch eine Rettungsgasse, wenn es langsamer als 60 km/h vorwärtsgeht. Dabei orientiert sich die E-Klasse an anderen Autos und an den Fahrbahnmarkierungen. Richtig zu spüren ist das in der Praxis jedoch weniger, es sind kaum merkliche Lenkbewegungen. Als Fahrer kann man leicht gegensteuern.

Zum Weiterlesen: Verhalten im Stau: Dürfen Motorradfahrer durch Rettungsgassen fahren?

Auch der aktive Totwinkel-Assistent wurde verfeinert: Er warnt mit rot blinkendem Ambientelicht und Warnton, wenn man aussteigen will und in diesem Moment ein Auto oder Fahrradfahrer vorbeifährt.

Auch gegen Diebstahl und Vandalismus hat Mercedes sich etwas ausgedacht. Das System heißt „Urban Guard“. Die Bandbreite reicht von einer Einbruch- und Diebstahlwarnanlage über einen Abschleppschutz, der die Alarmanlage in Gang setzt, wenn das Auto bewegt wird, bis zu einer Vorrichtung, die Diebstahl oder Parkrempler erkennt und den Besitzer sofort per Smartphone-App darüber informiert. In Zusammenarbeit mit der Polizei will Mercedes die E-Klasse auch mit einer Ortungsfunktion ausstatten, die nicht so einfach von einem Dieb deaktiviert werden kann.

Testeindrücke von der Fahrt

Der Sechszylinder-Motor (Abgasnorm Euro 6D ISC FCM) ist eine Wucht. Unten herum gibt sich der Dreiliter-Benziner eher gemütlich. Doch wenn das Gaspedal durchgedrückt wird, entwickelt er nicht nur ein breites Grummeln, sondern auch einen mächtigen Vorschub. Die gut zwei Tonnen Lebendgewicht scheinen sich in Luft aufzulösen. Je höher die Drehzahl, umso agiler wird der 367-PS-Bolide, der in bestimmten Phasen zusätzlichen Schub des 22-PS-Akkus erhält. Ansonsten unterstützt die Batterie den Benziner etwa beim Anfahren und soll somit Sprit sparen.

Wir kamen im günstigsten Fall bei langsamer und vorausschauender Fahrt auf der Autobahn auf einen Verbrauchswert von gut acht Litern Super Plus auf 100 Kilometer. Bei flotter Fahrt oder im Stadtverkehr sind einstellige Werte hingegen nicht zu schaffen, dann sind auch schnell 13 oder 14 Liter erreicht. Im Schnitt kamen wir auf einen vergleichsweise guten Wert von 10,8 Liter, gemessen an fast 400 PS. Doch langfristig sind solche Verbrenner-Motoren mit Blick auf die Co2-Belastung der Natur vermutlich ein Auslaufmodell. Der Tankinhalt beträgt 66 Liter.

Natürlich gibt es viele weitere Extras, die das Fahren in der E-Klasse noch angenehmer machen sollen. Etwa das Parkpaket mit Rückfahrkamera (1.212 Euro), womit man sich beim rückwärts-Einparken durch einen Assistenten unterstützen lassen kann. Oder ein Air-Balance Paket (388,60 Euro), das den Innenraum beduftet und die Luft reinigen soll. Das große Glasschiebedach (2.053,20 Euro) lässt sich bis zu den Rücklehnen der Frontsitze öffnen.

Fazit zum Mercedes E-Klasse T-Modell All-Terrain

Dank der Neuerungen ist die neue E-Klasse die beste, die es je gab.


Das T-Modell All-Terrain ist die beste E-Klasse, die es je gab. Fahrerisch auf hohem Niveau, mit luxuriösem Ambiente – und einer neuen Nähe zu den Insassen. Doch preislich wird man freilich kaum junge Kundschaft anlocken können. Der E 450 4Matic All-Terrain knackt mit einigen Extras schnell die 80.000-Euro-Marke. (Joi) *tz ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

Datenblatt zum Mercedes E 450 4Matic All-Terrain

Motor und Getriebe:Hubraum: 2999 ccm
Leistung Verbrenner: 367 PS bei 6100 U/Min
Leistung E-Maschine: 22 PS
maximales Drehmoment: 500 Nm (Verbrenner) / 250 Nm (E-Maschine)
Neungang-Automatik (9G-Tronic), Allradantrieb
Fahrleistungen:0 auf 100 km/h in 5,4 Sek. Spitze 250 km/h
Kraftstoffverbrauch:Innerorts: 11,6 l/100 km
Außerorts: 6,7 l /100 km
Kombiniert: 8,5 l/100 km
Testverbrauch: 10,6 l/100 km (Super Plus)
Co2 194 g/km
Maße und Gewichte:Länge/Breite/Höhe: 4996/1868/1499 mm
Kofferraumvolumen 640 bis 1.820 Liter
Leergewicht 2.065 kg, Zuladung 625 kg
Preis:70.632,40 Euro

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Der zeitlose Entwurf von Bruno Sacco lässt die Mercedes S-Klasse der Baureihe W 126 auch heute noch modern wirken. Foto: Daimler AG/dpa-tmn
Der zeitlose Entwurf von Bruno Sacco lässt die Mercedes S-Klasse der Baureihe W 126 auch heute noch modern wirken. Foto: Daimler AG/dpa-tmn © Daimler AG
Die 7er Modelle der Baureihe E 32 ließen sich nicht nur mit Vier- und Sechszylindermotoren (Foto) bestücken, sondern auch mit dem ersten deutschen Zwölfzylinder der Nachkriegsgeschichte. Foto: BMW AG/dpa-tmn
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Auch wer eine gebrauchte Oberklasse wie etwa einen Rolls-Royce Silver Spirit günstig kauft, sollte hohe Unterhalts- und Folgekosten einkalkulieren. Foto: Jaguar/dpa-tmn
Auch wer eine gebrauchte Oberklasse wie etwa einen Rolls-Royce Silver Spirit günstig kauft, sollte hohe Unterhalts- und Folgekosten einkalkulieren. Foto: Jaguar/dpa-tmn © Jaguar
Nicht nur Sportwagen à la 911 gerieten ab den 1970ern und 1980ern sprichwörtlich unter Druck, sondern auch straff-sportive Oberklasse-Limos, wie Bentley mit dem Turbo R bewies. Foto: Bentley/dpa-tmn
Nicht nur Sportwagen à la 911 gerieten ab den 1970ern und 1980ern sprichwörtlich unter Druck, sondern auch straff-sportive Oberklasse-Limos, wie Bentley mit dem Turbo R bewies. Foto: Bentley/dpa-tmn © Bentley
Die XJ-Modelle von Jaguar blieben ihrer typischen Linie über die Jahrzehnte weitgehend treu, das gilt auch für diesen XJ40 von 1994. Foto: Jaguar/dpa-tmn
Die XJ-Modelle von Jaguar blieben ihrer typischen Linie über die Jahrzehnte weitgehend treu, das gilt auch für diesen XJ40 von 1994. Foto: Jaguar/dpa-tmn © Jaguar

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