Fahrbericht

Ist die Mercedes V-Klasse eine gute Alternative zu den VW T-Modellen?

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Die neue Mercedes V-Klasse ist bietet viel für sein Geld.

Familienkutsche, Luxus-Limousine, Lastesel oder Wohnmobil - bei der V-Klasse von Mercedes bekommt man vier Autos in einem.

Jetzt gibt es den Kleinbus mit dem Stern neu. Wir haben ihn schon getestet. Und sind auch schon das Wohnmobil, den Marco Polo, gefahren.

Was heißt neu? Was jetzt zu den Händlern rollt, ist das Facelift des 2014 in München vorgestellten Modells. Rund 209.000-mal wurde die V-Klasse vor allem in den Kernmärkten Deutschland und China seitdem verkauft. Ein großer Erfolg, denn schließlich tritt Daimler in diesem Segment gegen einen mächtigen Platzhirsch an: die T-Modelle von Volkswagen, den Nachfolgern des legendären Bulli.

Mercedes V-Klasse: Innen gibt's nix neues, dafür glänzt es außen

Erfolg macht aber auch vorsichtig. Deshalb wurde der neue Daimler-Bus (Basispreis: 39.631 Euro) nur ganz zaghaft verändert. Aufgehübscht präsentiert sich die Frontansicht, die jetzt noch wuchtiger ist, was vor allem an den vergrößerten Lufteinlässen liegt. Neu sind die Rauten im Kühlergrill, die AMG-Line bekommt als Premium-Modell sogar den Diamant-Grill. Nicht viel Neues auch im Innenraum: Hier findet man auch die coolen turbinenartigen Luftdüsen, schon bekannt aus den Limousinen.

Leider bleibt das Cockpit unverändert. Budget und Erneuerungsrahmen haben wohl nicht ausgereicht, um das moderne MBUX auch in der V-Klasse zu adaptieren, dass selbst im neuen Sprinter zu haben ist. Schade, denn was Besseres gibt es derzeit nicht auf dem Markt. Da muss man wohl auf den Nachfolger warten, den es in drei bis vier Jahren gibt.

Der neueste Schrei in Sachen Komfort wurde von den Kunden in China angeregt, wo die V-Klasse häufig als Chauffeur-Auto eingesetzt wird. Jetzt kann man den Fondbereich mit Business-Sitzen ausstatten. Voll klimatisiert massiert das edle High-Tech-Lederteil den geplagten Manager während der von Termin zu Termin hetzt.

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Mercedes V-Klasse: Viele neues unter der Haube

Die meisten Neuheiten gibt es bei den Motoren. Intern heißt der Vierzylinder-Diesel OM 654, schon in der-Klasse oder etwa beim GLE im Einsatz. Bestellen kann man ihn in drei Leistungsstufen: Mit 163 PS (220d), 190 PS (250d) - oder erstmalig auch als 300d mit 239 PS. Der spurtet dann unter Einsatz eines Drehmoments von 500 Nm in 7,9 Sekunden von 0 auf 100.

Auf das moderne MBUX müssen Fahrer der Mercedes V-Klasse leider verzichten.

Dazu gibt es - ebenfalls zum ersten Mal - ein Sportfahrwerk, was den Bus noch deutlich agiler macht. Die Verbrauchswerte sollen bei allen drei Motoren kombiniert bei rund sechs Litern liegen. Optional ist auch ein Allradantrieb erhältlich. Und der guten Ordnung halber: Insgesamt kann man jetzt 13 elektronische Helfer bestellen, neu sind der Brems- und Fernlich-Assistent in diesem Fahrzeug.

Marco Polo: Die Mercedes V-Klasse als Camper

Doch nun zum derzeit wohl schickesten Wohnmobil, dem Marco Polo, das nach dem berühmten Entdecker getauft wurde. Es gibt ihn in drei zunächst verwirrenden Varianten. Als reinen Marco Polo, als Horizon und als Activity. Wer sich beim Konfigurieren schon mal die Zähne ausgebissen hat, hier die einfache Erklärung für Nicht-Experten:

Alle drei Versionen sind mit einem Hubdach ausgestattet, somit bieten sie zusammen mit den umklappbaren Rückbänken Schlafmöglichkeiten für vier Personen.

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Marco Polo: Campen mit Glamour

Das Activity-Modell ist der Spartaner in dem Trio und basiert auf dem Mercedes Vito. Dementsprechend abgespeckt ist das Interieur. Mehr ein Lastesel als ein Wohnmobil.

Der Marco Polo Horizon ist schon eine echte V-Klasse mit all den Annehmlichkeiten, die der Mercedes-Kleinbus zu bieten hat. Nur kochen kann man hier nicht, hier fehlen die Einbauten auf der linken Seite.

Küche, Kühlschrank und Stauraum hat nur der reine Marco Polo. Edle Einbauten in Klavierlack von Westfalia machen aus schlichtem Camping echtes Glamping. Campen mit Glamour.

Der Marco Polo auf Basis der V-Klasse ist ein Wolf im Camper-Pelz.

So viel kostet der Mercedes V-Klasse als Camper

Das alles hat natürlich seinen Preis. Das Spitzenmodell, mal angenommen man ordert auch noch den großen Diesel mit 239 PS dazu, kostet dann in der Grundausstattung 67.556 Euro. Problemlos kann man sich hier in ungeahnte Preisregionen von locker 85.000 Euro hochhangeln, inklusive Markise aber noch ohne AMG-Line, die noch mal zusätzliche 3.673 Euro verschlingen würde.

Am anderen Ende der Skala rangiert der Activity, der mit dem kleinsten Motor, einem 200er Diesel, hingegen schon ab 52.050 Euro zu haben ist. Der Horizon liegt relativ genau in der Mitte mit einem Startpreis von 58.559 Euro.

Marco Polo: Ein Wolf im Camper-Pelz

Mal abgesehen vom Activity bekommt man für sein Geld eine echte Mercedes-Limousine. Mit der Spitzen-Motorisierung ist der Marco Polo ein echter Wolf im Camper-Pelz. Aber entscheidend sind hier die inneren Werte.

Elektrisches Hubdach, Yachtboden-Optik, Klarvierlack-Einbauten mit cremefarbenen Blenden. Dazu Leder satt. Ob man hier mit dreckigen Wanderschuhen hineinhatscht? Oder sich doch eher nach einem Opernbesuch auf dem City-Stellplatz zur Ruhe bettet?!

Auf Komfort muss man im Marco Polo V-Klasse nicht verzichten.

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Mercedes V-Klasse: Viel Platz für den Alltag

Im Vergleich zu reinen Wohnmobilen hat der Marco Polo jedenfalls den Vorteil, dass er auch voll im Alltag einsetzbar ist. Auf den Weg zur Arbeit zeigt die V-Klasse seine Limousinen-Qualitäten. Leise und komfortabel gleitet man dahin, der Bus ist so leicht zu fahren wie ein ganz normales Auto.

Als Familienkutsche bietet er Platz für vier, aber noch viel mehr Raum für Gepäck und Freizeit-Utensilien. Auch das Fahrrad passt bequem hinein. Und als Lastesel kann man de Marco Polo auch brauchen, wenn man im Gartencenter oder im Baumarkt größere Einkäufe getätigt hat.

Bei der Testfahrt durch kurvige Gebirgslandschaft erweist sich der Bus als agiles Fahrzeug, dem man die Länge von 5,14 Meter beim Handling kaum anmerkt. Gut, dass hinten nichts wackelt oder klappert beim Schwingen durch die Kurven. Wichtig auch: Der Marco-Polo bleibt mit einer Höhe von 1,98 Meter noch unter der magischen Zwei-Meter-Grenze für die ja viele Tiefgaragen in Deutschland aber auch die meisten Parkplätze im Süden Europas, vor allem in Strandnähe, ausgelegt sind (die normale V-Klasse ist 1,88 Meter hoch).

Die Schwächen des Marco Polo

Schwächen hat der Marco Polo auch. Kleiderhaken gibt es viel zu wenige in hinteren Bereich und auch ein Schrank für ein langes Kleid oder Anzughose fehlt. Für einen längeren Aufenthalt reicht der Stauraum je nach Anspruch vermutlich nicht.Da muss man schon auf Koffer ausweichen. Und so gut man auf den hinteren Plätzen auch sitzt, in den Kurven hängt man teilweise da wie der sprichwörtliche Schluck Wasser, weil schlichtweg Halteschlaufen fehlen.

Fazit: V-Klasse und Marco Polo sind eine gute Alternative zu den T-Modellen von Volkswagen. Preislich liegt VW ein wenig unterhalb der Konkurrenz aus Stuttgart. Der California Beach ist beispielsweise schon ab 46.400 Euro zu haben. Aber wer mit einem Stern den Stern des Südens suchen will, muss halt ein wenig tiefer in die Tasche greifen.

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Rudolf Bögel

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