Pure Freude am Sparen

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Pure Freude am Sparen: Man muss genau hinhören, um den BMW-Diesel im Mini Cabrio zu identifizieren.

Dieselmotor und Cabrio, das ging lange Zeit gar nicht zusammen. Seit sich die Selbstzünder aber das Nageln abgewöhnt haben und Laufkultur bei den Ölbrennern kein Fremdwort mehr ist...

...zählen sie auch beim Offenfahren zu den interessanten, weil wirtschaftlichen Alternativen. Selbst der begehrte Mini schlägt sich seit einiger Zeit auch als Diesel-Variante wacker.

Dabei hat die von BMW glanzvoll wiederbelebte Autolegende bislang auf fremde Hilfe gebaut: Die ersten Motoren kamen von Toyota und hatten einen robust-kernigen Charakter. Da stellte das folgende, vom französischen PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) zugelieferte Aggregat schon eine deutliche Verbesserung dar. Seit August bietet der bayerisch-britische Hersteller für den frontgetriebenen Viersitzer zwei neue Common-Rail-Vierzylinder an, die aus eigener Entwicklung stammen. Es sind Varianten des im BMW 1er eingesetzten Selbstzünders, die im Motorenwerk Steyr vom Band laufen.

Mini Cooper Cabrio D

Preis: ab 25.200 Euro

kW/PS: 82/112 0-100 km/h 10,3 S

Spitze: 194 km/h

Verbrauch: 4.0 l/100 km

CO2: 105 g/km

Jetzt muss man ganz genau hinhören, um den Dieselmotor als solchen zu identifizieren. Der Fortschritt ist jedoch nicht nur akustischer Art. Zur neu gewonnenen Laufruhe gesellen sich dank Start-Stopp-System, Schaltpunktanzeige und Bremsenergierückgewinnung Verbrauchswerte, die einem Hybridfahrzeug das Wasser reichen können. Im Alltagsbetrieb sind es zwar dann doch fast 5,5 Liter, die der Kleinwagen auf 100 Kilometer Fahrstrecke konsumiert, aber dafür lässt sich der kleine Brite durchaus dynamisch bewegen – und per Sport-Taste sogar noch leicht anschärfen.

Das legendäre Go-kart-Fahrgefühl blieb auch nach der jüngsten Modellpflege erhalten. Noch immer zirkelt der Wagen gierig durch Kurven und vermittelt enorm direktes Fahrgefühl bei harter Abstimmung. Die Bandscheiben blieben diesmal aber erfreulicherweise verschont.

Auf dem Papier gilt der Mini als Viersitzer, wirklich bequem reisen jedoch nur zwei Erwachsene auf den knapp geschnittenen Vordersitzen. Die hintere Sitzbank mit hartem Polster und steil stehender Lehne sollte nur im Notfall für den Personentransport genutzt werden. Eher schon als Ablage für Gepäck, das im 125-Liter-Kofferräumchen keinen Platz gefunden hat. Als Einkaufstasche taugt das Cabrio nur bedingt: Nicht einmal eine Wasserkiste passt ins Heck. Wenigstens lassen sich die Rückenlehnen umklappen, was 660 Liter Fassungsvermögen ergibt.

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Wenn die Sonne scheint, sind solche Nachteile schnell vergessen. Die steil stehende Windschutzscheibe sorgt für unmittelbares Openair-Gefühl, zumal der großzügige Stauraum für Kopf und Beine auch groß gewachsenen Menschen viel Freude am offenen Fahren bereitet – die selbst bei elektrohydraulisch geschlossenem Dach nicht unter Platzangst leiden.

Das Mini Cabrio hat man schnell ins Herz geschlossen.

Ein genialer Gimmick ist die Schiebedach-Funktion der Stoffmütze, ideal für herbstliche Tage mit Sonne und niedrigen Temperaturen. Und falls man sich doch dazu hinreißen lässt, das Dach zu öffnen, sorgen Sitzheizung, Windschott und eine gut funktionierende Klimatisierung für angenehmes Befinden.

So viel freien Himmel der Mini auch bietet, auf der Mittelkonsole geht es äußerst eng zu. Im Gewimmel der Schalter und Hebelchen fehlt oft der Durchblick, und ohne die hilfreiche Digitalanzeige im Drehzahlmesser wäre man wohl noch stärker abgelenkt, weil der große runde Tacho in der Mitte des Armaturenbretts sitzt. In Zeiten allgegenwärtiger Raubritterei ist das Rundinstrument ein echter Anachronismus – selbst als Schrulle nicht mehr liebenswert.

Ein Gebot der Vernunft ist der Mini sicher nicht – schon allein des Preises wegen. Ins Herz hat man ihn aber schnell geschlossen.

Carsten Müller

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