Volkswagen fordert seinen eigenen Bestseller heraus

Passat Variant oder Arteon Shooting-Brake - welcher VW-Kombi ist besser?

Alle Vorteile eines Kombis, dazu die schicke Coupé-Optik machen aus dem Shooting Brake ein ungewöhnliches Auto, das die Verkaufszahlen des Arteon hoch treiben soll.
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Alle Vorteile eines Kombis und dazu die schicke Coupé-Optik machen aus dem Shooting Brake ein ungewöhnliches Auto, das die Verkaufszahlen des Arteon hochtreiben soll.

Der neue Arteon Shooting-Brake ist so praktisch wie ein Kombi, nur schöner. Wie schlägt er sich im Vergleich zum Passat Variant?

  • Der Arteon ist länger – aber hat er wirklich mehr Platz im Kofferraum?
  • Beim Interieur muss sich der Passat Variant geschlagen geben.
  • Wer von beiden besser ist, diese Entscheidung fällt der Geldbeutel.

Was ist eigentlich ein Shooting Brake? Das Internet-Lexikon Wikipedia meint: „Ein Coupé mit Steilheck, das mit seiner Heckklappe eher einem Kombi als einer Limousine ähnelt.“ Der Ausdruck kommt aus der Zeit, als man noch mit vier Hufen statt auf vier Rädern unterwegs war. Shooting Brakes waren schwere Lastanhänger, mit denen man widerspenstige Pferde zähmte (to brake = bremsen, brechen). Oder mit denen man zur Jagd (= shooting) fuhr, um auf der Pritsche das Wild zu transportieren. 

Unglaublich: Sogar Aston Martin baute Shooting Break

Die Geschichte der automobilen Shooting Breaks hat so seltene Exemplare wie den Aston Martin DB 5 als Kombi hervorgebracht. Er wurde allerdings nur zwölf Mal hergestellt. Selbst die Sportwagenbauer von Lotus warteten mit einem Shooting Brake auf. Und in der jüngeren Geschichte versuchte man bei Mercedes* mit dem CLS ein Comeback, das Auto wurde jedoch bald wieder eingestellt. Nur den kleineren CLA gibt es noch mit dieser Karosserieform.

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Jetzt wagt Volkswagen einen neuen Anlauf. Für dieses Experiment haben sich die Wolfsburger den Arteon herausgesucht. Die Limousine war bislang nicht sonderlich erfolgreich, galt sie doch lediglich als überteuerte Edel-Variante des VW Passat. Mit dem Facelift versucht man den Verkaufszahlen jetzt auf die Sprünge zu helfen. Gelingen soll das mit dem neuen, endlos lang wirkenden Kombi-Coupé. Dabei sind Shooting Brake und Limousine von den Abmessungen her absolut identisch, allerdings ist der Kombi um zwei Zentimeter höher, was auch den Sitzkomfort hinten erhöht.

Der Dachspoiler streckt den Shooting Brake optisch noch mehr in die Länge, die vierflutige Abgasanlage sieht nicht nur gut aus, sondern klingt auch schön.

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Lichtschwert über die ganze Frontseite

Die LED-Lichtleiste im Kühlergrill des Arteon erinnert an ein Lichtschwert und verbindet beide Schweinwerfer über die komplette Front.

Aufgehübscht haben die Designer die Frontpartie des Arteon. Das auffälligste Merkmal ist die LED-Lichtleiste im Kühlergrill, die an ein Lichtschwert erinnert und beide Schweinwerfer über die komplette Front verbindet. Viel Chrom und noch mehr Lufteinlässe lassen die Schnauze des Arteon gefräßig erscheinen. Auch von hinten wirkt das Facelift markanter, weil die Schultern kräftiger ausgeprägt sind. Wer einen noch mächtigeren Auftritt haben möchte, sollte sich die verchromte, vierflutige Abgasanlage (R-Line) bestellen.

Beim Interieur ist der Unterschied ziemlich krass

Vor allem das Cockpit wurde beim Facelift des Arteon veredelt. Feine großporige Hölzer sorgen für Wohnzimmer-Atmosphäre.

Soweit so Passat, denn um einen Unterschied zwischen den beiden Modellen von außen zu erkennen, muss man schon zwei Mal hinschauen. Nicht jedoch beim Shooting Brake. Er wirkt durch seine geschwungene Coupé-Linie weitaus eleganter als der Passat Variant. Der Heckspoiler an der Dachkante verlängert die Optik ins Endlose und streckt die Silhouette noch zusätzlich. Krass ist der Unterschied jedoch beim Interieur. Das Cockpit wurde völlig neu gestaltet – und erfüllt jetzt die Anforderungen der Premiumklasse. Das fängt bei den Dekoranlagen an. Wählen kann der Kunde zwischen großporigem Eukalyptus-Holz, Aluminium mit Kreuzschliff oder schwarzem Karbon. Die Luftdüsen sind verchromt, schmal und elegant. Und auch das Lenkrad wurde neu designt und technisch aufgepeppt. Es ist jetzt berührungsempfindlich. Damit muss man beim autonomen Cruisen nicht mehr fest zupacken, das Auto merkt schon bei sanftem Druck, dass der Fahrer noch einsatzfähig ist. 

Etwas bieder und nüchtern kommt hingegen das Cockpit des VW Passat Variant daher. Dafür ist das Auto auch billiger.

Leuchtendes Holzdekor und 700-Watt-Sound

Insgesamt ist das Ambiente jetzt feiner und gediegener. Dafür sorgen auch die durchleuchteten Dekorelemente in den Türverkleidungen. Mit 30 Farben kann sich hier jeder seine bevorzugte Lichtsituation einstellen. Und wer auf coolen Sound steht, muss zwar ein wenig tiefer in die Tasche greifen (plus 1300 Euro), das speziell auf den Arteon zugeschnittene 700-Watt-Soundsystem von Harman Kardon ist jedoch ein Genuss. Zumindest was das Interieur anlangt - beim Vergleich mit dem Passat geht der Punkt damit klar an den Arteon. 

Beim Interieur klopft der neue Arteon sowohl als Limousine als auch als Kombi bei der Premium-Klasse an. Sogar eine 700-Watt-Sound-Anlage ist bestellbar.

Der Passat Variant bleibt ein Raumwunder

Beim Platzangebot ist der Passat Variant der Platzhirsch. Locker schlägt er hier auch den neuen Arteon Shooting Brake.

Sieht man sich das Platzangebot an, ist der normale VW-Kombi zumindest beim Kofferraumvolumen kaum zu schlagen. Obwohl der Shooting Brake um zehn Zentimeter länger und um vier Zentimeter breiter ist als der Variant, hinkt er hinterher. In den Passat passen einfach 100 Liter mehr rein. Wenn die Rücksitzbank umgeklappt ist, sind es sogar 150 Liter. Den Arteon-Passagieren kommen die größeren Dimensionen natürlich zugute, das betrifft vor allem das Platzangebot hinten. Hier sitzt man so bequem, wie in einer Chauffeurslimousine. Die Kopffreiheit ist um fünf Zentimeter gewachsen. Und weil man etwas tiefer sitzt stört auch die abfallende Dachlinie nicht beim Blick aus dem Fenster. Passat oder Arteon – beim Platz gibt es hier keinen eindeutigen Sieger. Wer mehr Stauraum braucht, ist beim Variant besser aufgehoben, wer häufig Passagiere im Auto hat, sollte lieber den Shooting Brake nehmen.

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Streck sich fast fünf Meter in die Länge. Der Arteon Shooting übertrifft den Passat Variant damit um 10 Zentimeter.

Rein elektrisch läuft der Hybrid knapp 60 Kilometer

Apropos Platz – das ist der einzige Nachteil, den die völlig neue Hybrid-Motorisierung mit sich bringt. Durch die zusätzliche Batterie schrumpft der Frachtraum noch um weitere 110 (130) Liter. Dafür ist der eHybrid mit seiner Systemleistung von 218 PS nicht nur sparsam und umweltfreundlich, sondern macht auch noch enormen Fahrspaß. 7,8 Sekunden von 0 auf 100 – das ist pfeilschnell, wobei das Drehmoment mit 400 Nm noch entscheidender ist. Wenn E-Maschine und 1,4-Liter-Benziner gleichzeitig anschieben – das ist schon ein mächtiger Auftrieb. Und verführt natürlich zu einem sportlichen Fahrstil. Auf unserer Testroute über Gebirgsstraßen brauchten wir rund 4,4 Liter Benzin. Dazu kommen natürlich noch die Stromkosten. Ausgestattet ist der Arteon mit einem 13kWh großen Batterie. Das sollte für eine Reichweite von knapp 60 Kilometern reichen. 

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Als Hybridfahrzeug powert der Arteon mit der Kraft der zwei Herzen. 218 PS ziehen den 1,7-Tonner unter acht Sekunden von 0 auf 100.

Der Diesel fährt 1.375 Kilometer mit einem Tank

Für einen Großteil der Deutschen ist damit der Alltagsbetrieb abgedeckt. Das macht freilich nur Sinn, wenn man zu Hause unkompliziert aufladen kann. Dazu braucht die Batterie an einer herkömmlichen Steckdose rund sechs Stunden, bei einer AC-Wallbox dauert es circa vier Stunden. Wer viel fahren muss, der kommt an einem Diesel ohnehin nicht vorbei. Mit dem 150-PS-Selbstzünder und einem Verbrauch von knapp vier Litern kommt man mit einer Tankfüllung rechnerisch 1.375 Kilometer weit. Das ist nicht zu schlagen. 

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Im Frühjahr kommt das R-Modell mit 320 PS

Progressives Design contra Biedermann-Image. 18-Zöller mit Turbinenoptik lassen den Arteon Shooting Brake modern wirken.

Im Arteon stehen natürlich die gleichen Motoren zur Verfügung wie im Passat. Diesel-Triebwerke mit 150 und 200 PS, Benziner mit 190 und 280 PS. Im Frühjahr kommt dann auch eine R-Version mit 320 PS dazu. Unser Fazit zu den Motoren: Hier gibt es keinen Unterschied zwischen Arteon und Passat. Von daher geht das Duell an diesem Punkt Unentschieden aus. Was auch auf die Assistenzsysteme zutrifft. Zwar hat der Arteon jetzt schon Features wie das teilautonome Fahren bis Tempo 210 – im digitalen Zeitalter ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis es das auch beim Passat gibt.

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Arteon oder Passat? Den Unterschied macht der Preis

Gilt als Urvater aller Firmenautos. Der Passat Variant ist neben dem Golf eines der wichtigsten Autos im VW-Konzern.

Was soll man sich nun kaufen – den biederen Passat oder den schicken Arteon? Soll der Geldbeutel entscheiden, dann ist die Sache völlig klar. Der Preisunterschied liegt bei 8000 Euro, wenn man bei beiden Fahrzeugen den 150-PS-Diesel zugrunde legt. Wer viel zu transportieren hat, liegt beim Passat besser. Aber wer Wert auf Optik und Ausstattung legt, sollte sich den Arteon Shooting Brake kaufen. Und: Der Passat Variant ist Massenware, mit einem Shooting Brake fällt man wirklich auf. Das wird sich auch ganz bestimmt nicht so schnell ändern. (Rudolf Bögel)*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Obwohl der neue Arteon auf der gleichen technischen Plattform entsteht wie der Passat, fährt er sich dank eines nachgeschärften Fahrwerks noch dynamischer.

Die beiden Wägen im Detail-Vergleich

Zunächst der VW Arteon Shooting Brake 2,0 TDI:

Hubraum1968 ccm
Leistung150 PS
Drehmoment360 Nm bei 1600 - 2750 u/min
Getriebe7-Gang-DSG
AntriebFront
Länge/B/H4,87/1,87/1,45 m
Leergewicht 1660 kg / 550 kg
Kofferraum565 – 1.632 l (455 – 1.497 eHybrid)
0 auf 1009,4 Sekunden
Top-Tempo216 km/h
Normverbrauch5,0 Liter
Co2130 g/km
Preis (ab)44.387 Euro

Und schließlich der VW Passat Variant 2,0 TDI:

Hubraum1968 ccm
Leistung150 PS
Drehmoment360 Nm bei 1600 - 2750 u/min
Getriebe7-Gang-DSG
AntriebFront
Länge/B/H4,77/1,83/1,52 m
Leergewicht 1599 kg / 601 kg
Kofferraum650 – 1780 l
0 auf 1009,1 Sekunden
Top-Tempo210 km/h
Normverbrauch4,9 Liter
Co2127 g/km
Preis (ab)36.023 Euro

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