Hightech im Traktor

Pflügen und säen wie von Geisterhand

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Im Simulator tritt Verkäufer Josef Lechner gegen den Computer (mit RTK-Unterstützung) an.

Der Landwirt von morgen bestellt seine Felder mit chirurgischer Präzision: Möglich macht’s ein neues GPS-System, das in die Schlepper verbaut wird. Und das Beste daran: Er muss noch nicht mal selber lenken.

Der Landwirt von morgen kann sich beim Bestellen seiner Felder entspannt im Fahrerhäuschen seines Traktors zurücklehnen. Denn der tonnenschwere Schlepper lenkt sich zentimetergenau von selbst über den Acker. Was wie eine Zukunftsvision klingt, ist bereits Realität. „Nur auf das Gaspedal muss man noch selber drücken“, sagt Christian Moser von der Landtechnik-Firma Eder.

Möglich macht es ein neues GPS-Lenksystem. Wie beim Navigationssystem im Straßenverkehr wird dabei über Satellit die aktuelle Position ermittelt, nur eben viel präziser. „Beim Auto geht es auf mehrere Meter genau. Aber das ist in der Landwirtschaft zu wenig“, sagt Moser. Hier kommen die sogenannten RTK-Stationen (Real Time Kinematic) ins Spiel. Bei dieser Echtzeit-Messung bilden mehrere Referenzstationen ein zusammenhängendes Netz, das dem Schlepper neben dem Satellitensignal Korrekturdaten über das Mobiltelefon übermittelt. Die genaue Position wird dabei im Sekundenintervall berechnet – auf 2,5 Zentimeter genau. „Das ist in etwa die Breite einer Zündholzschachtel“, sagt Eder-Geschäftsführer Gregor Ries. Landwirte können ihre Felder so mit chirurgischer Präzision bearbeiten.

Effizienter düngen, säen oder ernten

Dabei geht es jedoch nicht darum, dass ein Feld mit parallel angelegten Ackerfurchen einfach schöner aussieht. „Die Fläche lässt sich so viel effektiver bewirtschaften“, sagt Moser. Denn wer unpräzise über das Feld steuert, düngt womöglich Streifen doppelt oder muss bei der Ernte eine Runde mehr drehen. Das geht ins Geld.

Doch auch das GPS-System ist nicht gerade billig. Neben der Technik für den Schlepper muss nämlich auch eine Lizenz für die Nutzung des RTK-Netzes erworben werden. Bis jetzt deckt es in Bayern eine Millionen Hektar ab, Tendenz steigend. Mindestens 10.000 Euro müssen Landwirte für die elektronische Lenkhilfe aufbringen. „Ab einer Fläche von etwa 50 Hektar wird es wirtschaftlich“, rechnet Moser vor. „Je nach Flächenstruktur des Betriebs und der Arbeitsbreite der Maschinen können bis zu 30 Euro pro Hektar und Jahr eingespart werden.“ Mit der neuen Technik lasse sich jedoch nicht nur effizienter düngen, säen oder ernten. Auch der Arbeitsalltag werde erleichtert. „Der Fahrer steht nicht ständig unter Anspannung“, sagt Moser. Bei langen Betriebseinsätzen würde man auch nicht so schnell ermüden. Denn im Gegensatz zum Menschen kommt der elektronische Helfer auch bei Dunkelheit oder Nebel nicht vom vorgegebenen Weg ab.

Auf der Josefi-Frühjahrsausstellung vom 17. bis 19 März kann das neue System auf dem Eder-Firmengelände in Tuntenhausen getestet werden.

Von Tassilo Pritzl

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