Vollelektrisch statt Plug-In-Hybrid

Der Schweden-Stromer: Erste Eindrücke vom neuen Polestar 2

Nach dem Plug-in-Hybriden Polestar 1 fährt die Volvo-Tochter nun mit dem vollelektrischen Modell Nummer 2 vor.
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Nach dem Plug-in-Hybriden Polestar 1 fährt die Volvo-Tochter nun mit dem vollelektrischen Modell Nummer 2 vor.

Der Polestar 2 ist kein Experimentierfahrzeug wie der Polestar 1. Statt Plug-in-Hybrid ist der neue Schweden-Stromer vollelektrisch. Die ersten Eindrücke vom Polestar 2.

  • Jetzt machen die Schweden ernst mit dem Stromern: Der Polestar 2 ist da.
  • Kein Experimentierfahrzeug wie der supersportliche superteure Polestar 1* (609 PS, 155 000 Euro), der überdies nur ein Plug-in-Hybrid ist, sondern ein Angriff mit voller Breitseite in der gehobenen Mittelklasse.
  • Und was für einer! Wir waren mit dem vollelektrischen Schweden unterwegs.

Attraktiver Preis für den Polestar 2

Die einstige Tuningtochter von Volvo, die zur Elektromarke umgewandelt wurde, bringt nun ein Modell auf den Markt, das viele Gründe hat, die es zu einem Erfolg machen können. Das Standardmodell des Polestar 2 kostet 57.900 Euro. Nach Abzug der aktuellen Prämien und Steuersenkungen soll der Polestar derzeit im Ideal-Förderungsfall ab 48.540 Euro erhältlich sein. 

Das sind die MItbewerber des Polestar 2

Damit ist er alleine schon vom Preis her ein ernsthafter Konkurrent für die von Polestar genannten Mitbewerber Audi A4, BMW Dreier und Mercedes C-Klasse. Der Polestar 2 soll ein Auto für Familien, für ältere Menschen oder auch für mehrere Generationen gleichzeitig sein.

Aber auch in Bezug auf Leistung und Reichweite soll der Schwede punkten. 408 PS beträgt die Leistung der beiden 300-kW-Elektromotoren, 660 Nm maximales Drehmoment sind angegeben, 78 kWh ist die Kapazität der Batterie und als Reichweite nennt der Hersteller im Kombinationsbetrieb 470 Kilometer (nach WLTP), im reinen Stadtverkehr sind es laut Polestar sogar bis zu 560 Kilometer. Da muss sich mancher Benziner ranhalten.

Polestar 2: Nicht alles der Reichweite opfern

Der Polestar hat eine Reichweite von 560 Kilometern.

Noch mehr Reichweite sieht Polestar-Chef Thomas Ingenlath aber nicht als erstrebenswertes Ziel. „Das ist nicht alles.“ Die meisten Kunden würden schließlich im Alltag deutlich kürzere Strecken fahren. Mehr Akku-Kapazität aber kostet Geld, macht das Auto schwerer und schränkt den Platz für Fahrer und Passagiere ein. Ingenlaths Credo: „Es muss kundenfreundlich sein.“ So bleibt hinten viel Platz für zwei Passagiere und ein Kofferraumvolumen von 405 bis 1.095 Litern.

Der Polestar 2 ist intuitiv zu bedienen

Kundenfreundlichkeit gilt auch für die Bedienbarkeit. Die sei, so der Polestar-Chef, intuitiv, faszinierend und solle Spaß machen. „In zwei Tagen lernt man das Auto vollständig kennen.“ Das Infotainmentsystem an Bord basiert – Premiere bei Autoherstellern – auf Android von Google, nutzt deren Karten und Routenplaner und den Play Store. Apple CarPlay soll 2021 verfügbar sein.

Technik-Freaks sollen ebenso ihre Freude am Wagen haben wie Menschen, die einfach nur fahren wollen. Das wollen wir, also steigen wir nach all den vielen Vorreden ein. Einen Startknopf gibt es schon mal nicht. Es reicht, das Bremspedal zu betätigen, den Wählhebel auf D zu stellen und dann loszurollen. Übrigens war dies das einzige Mal bei unserer Fahrt, dass der rechte Fuß aufs linke Pedal wechselte.

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Fahreindrücke: der One-Pedal-Drive

Denn eines der faszinierendsten Features des Polestar 2 ist der sogenannte One-Pedal-Drive, den man in drei Wirkungsstufen einstellen kann. Bei Maximalleistung verzögert der Wagen deutlich, sobald man den Gasfuß anhebt und gewinnt Energie zurück. Im Stadtverkehr kann man dann damit tatsächlich so abbremsen, dass man problemlos an der roten Ampel vollständig zum Stehen kommt. Außerorts und auf der Autobahn verzögert der Wagen entsprechend langsamer, um Fahrer und nachfolgenden Verkehr nicht zu überfordern. 

Nur wenn man das Gaspedal voll durchtritt, ruft der Polestar 2 die volle Leistung ab. Ansonsten ist er innerorts eher dezent unterwegs, sehr entspannend. Dass man vollelektrisch unterwegs ist, vergisst man eigentlich schon nach wenigen Minuten. Außerorts ermöglichen der Allradantrieb und das Fahrwerk mit Stoßdämpfern von Öhlins und entsprechender Einstellung des Fahrprogramms eine Fahrweise, die von durchaus sportlich bis hin zu komfortabel-gemütlich reicht. Jeder f��hrt so, wie er will. 

Unterwegs mit voller Leistung

Der Polestar 2 soll ein Elektroauto für die mittlere Preisklasse werden.

Abgeriegelt werde die Leistung nicht, hat Polestar-Chef Thomas Ingenlath noch gesagt. Also biegen wir auf die Autobahn und probieren es aus. Und tatsächlich: Dank freier Strecke können wir den Schweden über Tempo 200 beschleunigen, das Maximum beträgt laut Hersteller 205 km/h. Die Reichweitenanzeige bleibt derweil recht stoisch. 23,0 kWh haben wir laut Bordcomputer am Ende unserer fast zweistündigen Fahrt durch Stadt, Münchner Hinterland und über die Autobahn verbraucht. Nicht viel mehr als die Herstellerangabe von 19,3 kWh/100 Kilometer. 80 Prozent Energie gibt’s im Schnellladeverfahren mit bis zu 150 kW in 40 Minuten. Sehr praktisch: Die Ladekabel finden in einem separaten Staufach unter der vorderen Haube Platz.

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Ein skandinavisches Extra

Ausgeliefert wird der Polestar 2 im August. Wer jetzt noch bestellt, soll sein Fahrzeug noch im Oktober erhalten, verspricht Polestar. Als Extra ist für 1.072 Euro auch eine Anhängerkupplung mit 1.500 Kilogramm Anhängelast erhältlich. Das ist für Elektroautos eher ungewöhnlich, für Schweden aber ein Muss: Dort gehört die Entsorgung des Mülls per Anhänger zum gepflegten Ritual. Als Renner erweist sich die Option, eine vegane Innenausstattung zu bestellen: Über 80 Prozent der Käufer haben sich bislang für lederfreies Interieur entschieden.

Nächstes Modell wird ein SUV sein, danach dürfte ein Grand Tourer folgen – die der Firmenlogik nach Polestar 3 und Polestar 4 heißen werden. In absehbarer Zeit, spätestens Ende 2020, soll es in München einen Polestar-Store geben. Als Verkaufsziel in Deutschland für dieses Jahr peilt man bei Polestar noch mehrere Tausend Fahrzeuge an. Ein sportliches Ziel, aber angesichts der Leistungen nicht unrealistisch. (Volker Pfau)*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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