Aus Liebe zum Dach

Himmlische Technik  - Porsche 911 Targa

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Die 19-Sekunden-Show: der neue Porsche 911 Targa.

Stoff, Glas oder Blech? Wer den Fahrtwind im Haar spürt, hat wenig übrig für ein Dach oder gar Technik. Ein Blick auf den Porsche 911 Targa könnte das vielleicht ändern, bevor der erste Regen fällt.  

Das Dach vom neuen Porsche 911 Targa funktioniert nämlich automatisch. Das klingt langweilig, doch es ist eine echte Show: Wie in einem Ballett bewegen sich Heckscheibe, Teile vom Überrollbügel und ein Stoffdach in einer harmonisch abgestimmten Choreografie.

An diesem Prozess haben Porsches Ingenieure lange getüftelt – sechs Jahre Entwicklungszeit stecken darin, um genau zu sein. Perfektion braucht eben seine Zeit.

„Erst kommt das Verdeck, dann der Rest“, sagt Verdeck-Technik Experte von Porsche Detlev Ranft. Was zählt, sind demnach Design, die Linie und alte Werte. Beim Ur-Targa war vieles anders. Wer 1966 den freien Himmel genießen wollte, musste erst per Hand eine rechteckige Kunstleder-Dachplatte abnehmen und unter der Motorhaube verräumen. Heute im Jahr 2014 schließt oder öffnet sich das Dach auf Knopfdruck in 19 Sekunden. Mechanische Arme bedienen das Verdeck im neuen Porsche 911 Targa. Für den Betrachter wird nur ein Stückchen Stoff in Falten gelegt oder gespannt, aber eben auf sehr stylische Art. Es ist ein Beispiel deutscher Ingenieurskunst.

Dabei hatte man es in Zuffenhausen auch einmal anders versucht:  Ganz im Geschmack der Zeit hat Porsche jedoch 1996 dem 911 Targa ein Glaspanoramadach ohne Überrollbügel verpasst. Für wahre Fans war damit der Charme des Urmodells verloren. Auch eine klappbare Heckscheibe im Nachfolgermodell (2001) konnte wenig daran ändern. Doch dank Hightech, neuester Materialien wie wasserdichten Stoffe, leichten Magnesium-Bauteile und der Liebe zum Retro-Trend bringt Porsche 2014 den neuen 911 Targa mit einem Softtop, feststehenden Überrollbügel und einteiliger Heckscheibe. Fast, so wie früher.

Und es ist auch kein Geheimnis: Ohne dieses perfekte Dach, hätte es wohl diesen Porsche 911 Targa nicht gegeben. Porsche-Ingenieure, spezielle Verdeck-Techniker haben ganze Arbeit geleistet: Wie sich der Stoff faltet oder auch nicht, wird erst am Computer, später an einem realen Modell überprüft. Wo es zwickt, knautscht oder spannt, wird nachgebessert. Wie ein feiner Maßanzug, muss das Stoffverdeck in jeder Lebenslage sitzen. Ohne Handarbeit geht hier am Ende gar nichts. Ob das Verdeck inklusive Mechanik wirklich etwas taugt, zeigt erst ein Test in der Klimakammer: Kurven, Schlaglöcher und Vibrationen bei Minus 30 bis plus 70 Grad stehen beim sogenannten 100.000 Kilometer-Realfahrbetrieb auf dem Programm.

Allerdings funktioniert diese Technik beim neuen Porsche 911 Targa nur wenn die vier Räder stillstehen. Klingt verrückt, oder? In 4,4 Sekunden knackt der 400-PS-Targa mit Doppelkupplungsgetriebe (PDK) und Sport-Plus-Paket aus dem Stand die Tempo-100-Marke, doch erst wenn sein Verdeck offen oder geschlossen ist. Für Porsche-Fans ist das trotzdem der Wahnsinn. Für Kritiker ein echter Minuspunkt. Schließlich sei der Targa nur halb-offen. Andere Modelle der Konkurrenz beispielsweise das neue BMW, oder Mazda bekämen das doch auch irgendwie hin. Zu Recht sind Zweifel angebracht. Porsche verweist auf die Sicherheitsvorschriften. Die Bremslichter seien beim Öffnen oder Schließen des Verdecks für andere Verkehrsteilnehmer nicht zu sehen. Das schwere Glasdach wäre für Seitenwinden empfindlich.

Zu viel Schnickschnack für ein Verdeck, spotten Kritiker. Doch der Porsche Targa ist eben kein Cabrio, sondern etwas Besonderes. Es ist ein Targa und er sieht verdammt cool aus. Und wenn dann die ersten Regentropfen auf die Windschutzscheibe klatschen, verwandelt sich der Standstreifen beim Schließen des Verdecks für 19 Sekunden in eine Showbühne.

Kult-Klassiker Porsche 911 Targa

911 2.0 Targa (Modelljahr 1967)
Porsche 911 Targa 1967: Targa stammt aus dem Italienischen und bedeutet so viel wie „Schild“ oder „Platte“. Porsche hat sich den Begriff „Targa“ markenrechtlich für Automodelle schützen lassen. © Porsche
Porsche 911 Targa
Der erste Targa wurde speziell für den US-Markt kreiert. Durch den Überrollschutz – den Targabügel – konnte Porsche 1965 mit dem „Sicherheitscabriolet“ die strengen Zulassungsrichtlinien des wichtigen US-Marktes erfüllen. Das Foto zeigt eine US-Werbung für den Porsche 911 Targa aus dem Jahr 1967. © Porsche
Porsche 911 Prototyp 901 T8 als Targa als blechverkleidetes Holzmodell, 1962/63
Porsche 911 Prototyp 901 T8 als Targa als blechverkleidetes Holzmodell, 1962/63. © Porsche
Porsche 911 2,0 Targa, Mj. 1968 vor dem Porsche Museum am 09.07.2012.
1968: Porsche 911 2,0 Targa, 1968. © Porsche
911 S 2,2 Targa 1970, Museumsfahrzeug
1970: Porsche 911 S 2,2 Targa 1970, Museumsfahrzeug. © Porsche
Porsche 911 Targa
1974: Porsche 911 S 2.7 Targa 1974, Motor: 6-Zylinder-Boxermotor, luftgekühlt. © Porsche
Porsche 911 Targa 1977
1977: Porsche Typ 911 Carrera 3,0 Targa. © Porsche
Porsche 911 SC 3,0 Targa (USA), Mj. 1978
1978: Porsche 911 SC 3,0 Targa (USA). © Porsche
Porsche 911 Targa 1984
1984: Porsche Typ 911 Carrera 3,2 Targa. © Porsche
Porsche 911 Targa 1987
1987: 911 Turbo 3.3 Targa. © Porsche
911 Turbo 3.3 Cabriolet (rechts) und Targa (links) 1987 (Mj.)
Erst in den 1980er-Jahren gab es dann das erste komplett offene Porsche 911 Cabrio. Hier ist ein  Porsche 911 Turbo 3.3 Cabriolet (rechts) und Targa (links) aus dem Jahr 1987 zu sehen.  © Porsche
Porsche 911 Targa 1996 Baureihe 993
Zum Modelljahr 1996 stellte Porsche den 911 Targa (Typ 993) in einer vollständig überarbeiteten Version vor. Ab diesem Typ war das gesamte Dach als eine durchgehende Glasfläche gestaltet, dessen vorderer Glasschiebedeckel abgesenkt und unter die klappbare Glasheckscheibe gefahren werden konnte. © Porsche
Porsche 911 Targa mit vollautomatischem Glasdach ab Baureihe 996 von 2001 bis 2005.
2001 bis 2005: Porsche 911 Targa mit vollautomatischem Glasdach ab Baureihe 996. © Porsche
2006 bis 2012: Porsche Targa mit Heckklappe.
2006 bis 2012: Porsche Targa mit Heckklappe. © Porsche
Porsche 911 Targa Modell 2014
Der neue Porsche Targa ist seit Mai 2014 auf den Markt. Der 911 Targa kostet in Deutschland 109.338 Euro, der 911 Targa S 124.094 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer und länderspezifischer Ausstattung. © Porsche
Porsche 911 Targa
Der neue 911 Targa erinnert an den Klassikers von 1965. © Porsche

ml

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