Renault Wind: Gallischer Luftikus

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Ein laues Lüftchen will der zweisitzige Renault Wind, dessen keilförmige Karosserie Aufsehen erregt, nicht sein.

Openair-Spaß fürs kleine Geld

Der mit Twingo und Clio eng verwandte und ebenfalls in Slowenien montierte Zweisitzer soll stattdessen als Imageträger der französischen Marke Staub aufwirbeln. Als preislich attraktiver Klappdach-Roadster bietet er Openair-Spaß fürs kleine Geld, fordert aber Kompromissbereitschaft. Dass der Fronttriebler sich aufs Wind machen versteht, bekommen vor allem die Insassen zu spüren, denn trotz weit nach hinten gezogener Frontscheibe weht im Innenraum ein rauer Wind.

Renault Wind TCe 100

Hubraum: 1.149 ccm

Leistung: 75 kW/102 PS

0-100km/h: 10,5 s

Spitze: 190 km/h

Verbrauch: 6,3 l/100 km

CO2-Emission: 145 g/km

Preis: ab 16.900 Euro

Entsprechend laut geht es bei offenem Verdeck zu. Überhaupt mangelt es dem Kleinwagen an Akustikkomfort, vom Abrollverhalten bis hin zum blechernen Motorsound. Gut zwölf Sekunden vergehen, bis das Stahlklappdach geschlossen ist, das zuvor durch einen Drehgriff von Hand entriegelt werden muss. Keine aufwendige Kinematik mit ausgeklügelter Choreografie schlägt in ihren Bann, die Haube schwenkt schnöde um 180 Grad nach hinten und verschwindet flugs unter dem gähnenden Kofferraumdeckel. Voilà! Ähnlich wie bei einem Targa-Dach bleiben Überrollbügel und Mini-Heckscheibe stehen.

Renault Wind Gordini feiert Premiere in Genf

Renault Wind Gordini
Blauer Traum: Der sportliche Roadster in Metallic-Lackierung feiert am 1. März 2011 auf dem Genfer Auto-Salon Premiere. Zwei weiße Streifen auf der Motorhaube und am Heck erinnern an markante Auftritte der Sportmodelle von Amedée Gordini. © Renault
Renault Wind Gordini
Es ist das vierte Renault Modell in der legendären Rennoptik der 1960er und 1970er Jahre. © Renault
Renault Wind Gordini
Die dunkel getönten Scheiben und das elektrisch betätigte Ganzjahres-Hardtop in Glanz-Schwarz verstärken den sportlichen Charakter. © Renault
Renault Wind Gordini
Gordini Optik überall: Die Sportsitze sind schwarz-blau mit Leder gepolstert, auch am schwarz-blauen Lederlenkrad führen zwei weiße Streifen auf 12-Uhr-Position. © Renault

Dann ist wiederum Handarbeit gefragt: Weil die Seitenscheiben stehen bleiben und die Fensterheber-Tasten am unteren Ende der Mittelkonsole sitzen – ungünstig hinter dem Schaltknüppel –, müssen beide Schalter einzeln betätigt werden. Der Vorteil dieser einfachen Klapp-Lösung ist ein vom zusammengefalteten Dachpaket unbehelligtes Ladevolumen von 270 Litern. Den nutzbaren Kofferraum begrenzen zwei diagonal verlaufende Streben. Um die schmale Ladeöffnung zu erreichen, müssen Einkäufe und Gepäck zunächst über eine hohe Kante gewuchtet werden.

Purismus im Innenraum

Auch im Innenraum war Schmalhans Küchenmeister: Die Auswahl der Materialien und ihre Verarbeitung können nicht überzeugen. Der Armaturenträger wirkt zerklüftet. Den Purismus auf die Spitze treiben Schlaufen und Scharniere an den Türen, wie man sie noch aus den siebziger Jahren kennt. Guten Seitenhalt, aber kurze Oberschenkelauflagen bieten die Sportsitze. Die Kopffreiheit reicht für Körpergrößen bis 1,85 Meter, darüber droht unfreiwilliger Kontakt von Hinterkopf und Überrollbügel.

Schmaler Kofferraum für Packkünstler

Das massive Karosserieteil ist nicht nur beim Schulterblick im Weg, sondern schränkt auch den Blick nach hinten ein. Den Verkehr sollte man daher über die Spiegel genauestens im Auge behalten.Ausreichendes Temperament entwickelt der mit manuellem Fünfgang-Getriebe verbundene 102 PS starke Einstiegs-Benziner, der den wendig-straffen Wind willig beschleunigt, aber nicht sehr sparsam ist. Sein Verbrauch betrug im Mittel unserer Alltagsfahrten 7,4 Liter. Vier Airbags, ESP, Leichtmetallräder, Zentralverriegelung. Lederapplikationen und Tempomat sind serienmäßig. Er löst wahrlich keine Begeisterungsstürme aus, ein Wind-Ei ist der gallische Luftikus deshalb aber nicht.

Carsten Müller

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