Fahrbericht

Elektrisch im Alltag: Erfahrungen mit dem Renault Zoe

Der Renault Zoe kommt in einer überarbeiteten Variante auf den Markt - was kann der neue Stromer?
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Der Renault Zoe kommt in einer überarbeiteten Variante auf den Markt - was kann der neue Stromer?

Der Renault Zoe ist seit 2013 auf den Straßen unterwegs. Das E-Auto wurde nun überarbeitet - wie sich der Stromer jetzt fährt, lesen Sie in diesem Fahrbericht.

  • So klein der Renault Zoe sein mag, so viel Erfahrung hat der Hersteller.
  • Denn bei den rein elektrisch angetriebenen Autos* gehört der Franzose zu den alten Hasen: Seit 2013 ist er am Markt und aktuell das meistverkaufte Modell.
  • Nun wurde er grundlegend überarbeitet – und mit diesem Stromer waren wir unterwegs.

Der neue Renault Zoe: Ordentlich Power mit 135 PS

Der Kleine hat ordentlich was zu bieten: Unser Modell R135 Z.E. 50 mit der größeren 52-kWh-Batterie hat eine Maximalleistung von 135 PS in den Unterlagen stehen, mit denen der 1.577 Kilogramm schwere Zoe adäquat zu bewegen sein müsste. Die maximale Reichweite gibt der Hersteller mit 383 Kilometern an, den Stromverbrauch mit 17,7 kWh pro 100 Kilometer.

Renault Zoe: Der flinke Stadtflitzer

Und tatsächlich: Sofort nach dem Start ist – wie beim Elektroauto so üblich – jede Menge Leistung da. Dank direkter Lenkung und dem recht kleinen Wendekreis (10,80 Meter) ist der Zoe auch sehr flexibel unterwegs. Klarer Fall, er ist ein echter Stadtflitzer. Wäre die A-Säule nicht so breit und sichtbeschränkend, gäbe es fast kein Halten beim Vorwärtsdrang. Sehen wir das vermeintliche Manko, das einen beim Abbiegen oder an Einmündungen zum Bremsen zwingt, also als einen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Denn diesseits des Ortsschildes ist man normalerweise ziemlich flink und leichtfüßig unterwegs, die ruckfreie Beschleunigung lässt einen das Gaspedal gerne mal kräftig durchdrücken. Ja, und bei Ampelgrün ist es ein Spaß, die Großen mal stehenzulassen.

Die Reichweite im Blick

Außerorts bleibt das Fahrvergnügen erhalten: Der Zoe zieht munter los, wieselt durch Kurvenpassagen und macht flott Kilometer. Dabei gilt es aber, die Reichweitenanzeige nicht außer Acht zu lassen. Mit voll geladenem Akku hatten wir Reichweitenanzeigen zwischen 330 und 360 Kilometer, die sich dank eifrigem Rekuperieren nur langsam verringern. Nur auf der Autobahn schmilzt der Kilometervorrat wie Eis in der Sonne (konkret verbraucht der Zoe da zwischen 20 und 40 Prozent mehr), da es nur selten energieladende Bremsvorgänge gibt. Bei 140 km/h wird sanft abgeriegelt. Jenseits der 100-km/h-Marke bekommt man zudem die bescheidene Geräuschdämmung aufs Ohr.

Strom tanken mit dem Renault Zoe

Um die Akkus wieder zu füllen, muss der Stecker hinter das Renault-Emblem in der Front rein. Das dafür notwendige Kabel liegt im Kofferraum unterhalb des Ladebodens in einem Fach aus etwas billig wirkendem Styropor, das vermutlich nicht lange seine ursprüngliche Form behält. Zudem muss das Kabel ordentlich aufgerollt werden, sonst passt es nicht ins vorgesehene Fach, außerdem ist der Zugang bei voll beladenem Kofferraum nur umständlich möglich.

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Erfahrungen mit den Apps für den Renault Zoe

Diverse Apps sollen dabei helfen eine Ladestation für den Renaul Zoe zu finden.

Um unterwegs laden zu können, installierten wir die Apps von Ionity sowie mobility+ von EnBW – sie sollen in unseren Regionen über das größte Ladenetz verfügen.

Unsere Erfahrungen damit:

1. Versuch: Die Ladestation ist nicht an dem von der App angezeigten Ort und muss dann – weil bereits ein Stromer lädt – entgegen der Fahrtrichtung in der Haltebucht angefahren werden, um den Ladestecker des Zoe überhaupt an der Säule anstöpseln zu können. Stecker und Kabel passen, aber der QR-Code der App wird nicht erkannt – kein Strom.

2. Versuch: Die von der App angezeigten sechs Ladestationen befindet sich in einem Parkhaus. Neben der kostenpflichtigen Einfahrt wäre zusätzlich eine Ladekarte eines weiteren Anbieters notwendig, um das Ladekabel überhaupt einstecken zu können – kein Strom.

3. Versuch: Obwohl die Ladestation als mobility+-Station gekennzeichnet ist, muss man sich nach dem Scannen des QR-Codes noch extra übers Handy anmelden und dabei unter anderem die Kreditkartennummer angeben. Strom fließt. In knapp einer halben Stunde steigt die Reichweite um rund 20 Prozent respektive um 60 Kilometer.

Während der Zoe dank übersichtlichem Cockpit und klarer Funktionen im Fahrbetrieb keine große Umstellung erfordert, ist das Thema Laden also durchaus noch gewöhnungsbedürftig. Wer keinen festen Ladeplatz oder eine Wallbox zu Hause hat, stromert bisweilen etwas hilflos von Säule zu Säule und sollte sich nicht nur Apps herunterladen, sondern besser auch noch eine oder gleich mehrere Ladekarten besorgen – dafür ist allerdings in manchen Fällen ein Vertrag mit dem Energieversorger nötig. Allerdings hat die Bundesregierung jüngst beschlossen, dass künftig alle deutschen Tankstellen auch Ladesäulen für Elektroautos anbieten müssen.

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So viel kostet der Renault Zoe

Unser Testwagen steht mit der Ausstattung Intens mit 27.900 Euro in der Preisliste, mit einigen Extras kostete unser Testwagen 30.850 Euro. Rund 10.000 Euro aktuelle Prämie senken diesen Betrag enorm – der Zoe ist dann ab 19.990 Euro erhältlich. Der pozenzielle Kunde kann die Batterien aber auch mieten (pro Monat ab 74 Euro). Dann beginnt der Zoe-Einstieg bereits bei 11.900 Euro. Der ADAC bietet seinen Mitgliedern bis Ende August 2020 den Zoe zu Sonderkonditionen an. Dabei kostet die monatliche Leasingrate ab 99 Euro (abhängig von der Fahrzeugausstattung, Batteriegröße und Laufleistung), die Batteriemiete kostet 84 Euro pro Monat. (Volker Pfau) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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Im E-Auto fühlt sich vieles anders an

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