Schrauber: Rolf Roth hat seinen Mercedes-Benz 190 SL komplett selbst restauriert

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Keine Illusion: Der feuerwehrrote Mercedes-Benz 190 SL (Baujahr 1956) von Zauberkünstler Rolf Roth sieht nach der kompletten Restaurierung aus wie neu. Innerhalb eines Jahres hauchte der 62-Jährige dem eleganten Cabriolet wieder neues Leben ein.

Kassel. Wenn Zauberkünstler weiße Kaninchen aus einem Hut ziehen, Gegenstände verschwinden lassen und gar Frauen zersägen, steckt meist ein Trick dahinter. Wer jedoch ein ganzes Auto restaurieren möchte, sucht vergeblich nach einer Zauberformel.

Zahlreiche restaurierte Autos sind zu sehen beim Schraubertag am 21. Mai im Kasseler Einkaufszentrum dez.

Auch Zauberkünstler Rolf Roth aus Kassel musste bei seinem Mercedes-Benz 190 SL selbst Hand anlegen. Doch der 62-Jährige denkt gern an die akribische Komplettrestaurierung seines feuerwehrroten Oldtimers zurück.

Stolze 4500 Stunden hat er zu Hause an dem Roadster geschraubt - dank Unterbodenschutz, modernem Lack und Edelstahlschrauben ist er jetzt in einem besseren Zustand als bei Erstzulassung im Jahr 1956.

„Ich war schon als kleiner Junge benzininfiziert“, sagt Roth über sich. Ob Kolbenfresser am Moped oder Ölwechsel am ersten eigenen Auto, einem Opel Kadett: Er reparierte alles selbst.

Akribisch: Weil er das Fahrzeug aus Las Vegas (USA) importiert hat, musste er den Tacho von Meilen auf Kilometer umstellen.

Bald packte ihn auch die Lust am Restaurieren alter Fahrzeuge. Nachdem der auch als Heilpraktiker tätige Tüftler aus Waldau einem Fiat Bambino und Messerschmidt-Kabinenroller neues Leben eingehaucht hatte, übernahm er 1996 von einem Zaubererkollegen aus Las Vegas das damals noch beigefarbene Mercedes-Cabriolet.

Ein Jahr Restaurierung

„Bei einer Restaurierung werden oft Lackierarbeiten, Motorüberholung oder das Polstern der Sitze in fachliche Hände gegeben“, sagt Roth. Bei ihm nicht: „Den Motor haben meine Frau und ich in alle Einzelteile zerlegt und auf dem Dachboden nach Baugruppen gelagert, bis ich die Karosserie sandgestrahlt und lackiert hatte“, sagt Roth nicht ohne Stolz. Sogar sämtliche Polster nähte er auf zwei eigens gekauften Industrienähmaschinen selbst.

Nach einem Jahr umfassender Restaurierung war es 1997 dann endlich so weit: Probefahrt durch die Nachbarschaft. „Ich hatte Tränen in den Augen, als der Motor ansprang“, sagt Roth rückblickend.

Top-Zustand: Auch den 105 PS starken Vierzylinder-Reihenmotor hat Rolf Roth zu Hause eigenhändig zerlegt und restauriert.

Auch wenn die aerodynamische Karosserie es vermuten lässt - ein Flitzer ist der zwischen 1955 und 1963 insgesamt 25 881 Mal herstellte Mercedes nicht. 14,5 Sekunden benötigen die 105 Pferdestärken, um den sportlich-leichten (SL) Tourenwagen von null auf 100 zu beschleunigen, bei Tempo 175 ist Schluss.

Seit der Anmeldung hat Roth inzwischen 17 438 Kilometer in seinem automobilen Blickfang zurückgelegt. „Wenn ich während der Fahrt von Passanten fotografiert werde, dann geht einem vor Freude das Herz auf“, sagt er lachend.

Roth ist glücklich, dass er als Zauberkünstler auch ohne Abrakadabra ein Publikum begeistern kann - sofern es etwas von restaurierten Oldtimern versteht.

Autobastler und Oldtimer-Fahrer: Macht mit

Bastler und Autofreunde in Südniedersachsen und Nordhessen, aufgepasst: Wir stellen auch in diesem Jahr wieder die besten Schrauber der Region vor. Die einen haben aus einer Rostlaube einen glänzenden Oldtimer gemacht, die anderen aus einem Allerweltsauto einen Hingucker gezaubert.

Etwa 30 der Fahrzeuge werden Ende Mai bei einem Schraubertag im Kasseler Einkaufszentrum dez vorgestellt. In der gedruckten HNA und auf der HNA-Internet-Seite möchten wir aber noch viel mehr Schrauber und Bastler präsentieren. Dabei benötigen wir Ihre Hilfe: Bitte schicken Sie uns ein Bild von ihrem restaurierten Auto und einen kurzen Text dazu mit der Angabe, was Sie am Fahrzeug gemacht haben, wie groß der Zeitaufwand war und welche Besonderheiten Ihr Fahrzeug bietet.

Bitte vergessen Sie auch nicht ein paar persönliche Daten: Wie alt sind Sie, was machen Sie beruflich, auch Name, Wohnort und Telefonnummer sind wichtig.

Bitte senden Sie uns diese Informationen an online@hna.de, Stichwort Schrauberserie. Zum Schraubertag 2010 kamen tausende Besucher ins Einkaufszentrum und bewunderten die glänzenden Karossen der Bastler aus der Region. Das möchten wir dieses Jahr wiederholen.

Von Sebastian Schaffner

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