Im Test

Der Seat Exeo ST: Schneidiger Spanier

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Der Exeo ST taugt Vielfahrern, aber weniger Familienvätern, findet unser Tester Oliver Menner.

Der Seat Exeo ist – zu Unrecht – nicht so häufig auf unseren Straßen zu sehen und dabei durchaus ein Hingucken wert.

Zumal die in Martorell bei Barcelona gefertigte Limousine nun von den Designern ein Facelift verordnet bekam, das von den Katzenaugenschlitzen des Tagfahrlichts über die wabenförmigen Grill­einsätze bis zu den schnittigen LED-Heckleuchten und den 18-Zoll-Leichtmetall-Sporträdern klar macht: Hier kommt ein austrainierter Athlet.

Das Cockpit punktet mit durchdachten und liebevollen Details .

Erster Eindruck innen: sportliche Eleganz. Und – hui, auch sportlich schmal! Tief gleitet Mann in die Kanzel, das Gasbein geht sofort auf Tuchfühlung mit der Meniskuskonsole, ähh, Mittelkonsole. Da helfen auch die passgenau einstellbaren Ledersitze mit Lendenwirbelstütze wenig: Der Exeo ist dem 1,80-Meter-Mann etwas knapp auf den Leib geschneidert. Was auch für den Fond gilt: Passagiere hinten gehen in dem Spanier ordentlich auf Tuchfühlung. Das macht den Exeo selbst in der Kombiversion ST (der Stauraum mit bequem-praktischer Ladehöhe bietet ein gutes Volumen von bis zu 1354 Litern) nicht wirklich familientauglich. Dafür punktet der rassige Iberer mit solider Verarbeitung, starkem Fahrverhalten und liebevollen Details: Etwa mit dem verdeckten „echten“ Stecker (230-V) in der Mittelkonsole, der bequemen Mittelarmlehne mit integrierter Ablage, den speicherbaren Außenspiegeleinstellungen, dem praktischen Cockpit-Design, den reichlichen Ablagen.

Der Rest ist Fahrspaß. Da fallen die erfreuliche Wendigkeit und enorme Spritzigkeit des Autos beim Zwischenspurt in den unteren Gängen (von null auf hundert in 7,3 Sekunden) auf. Ebenso die gute Sicht zur Seite und nach hinten durch die große Heckscheibe, der angenehm kleine Wendekreis trotz der recht imposanten 4,66 Meter Länge. So richtig Laune macht der Exeo, wenn man ihn seiner wahren Bestimmung zuführt: der Überlandfahrt. Hier zurrt sich das flache Chassis auf den Asphalt und gleitet wie ein Surfbrett durch den Luftstrom. Dieses Auto ist ein Ausdauer-Schnellfahrzeug und besonders in der höchsten Motorisierung (155 kW, sprich 211 PS und Spitze: 240 km/h) für lange Strecken wie gemacht. Dabei bleibt die Zwei-Liter-Maschine des Direkteinspritzers mit Turboaufladung trotz hohen Drehmoments immer angenehm ruhig: rumpelt nicht, brummt nicht, surrt und schnurrt auch bei hohem Tempo lediglich angenehm. Dazu liefern kräftige Bremsen (Diagonal-Zweikreis-Bremssystem mit innen belüfteten Scheibenbremsen vorne und Scheibenbremsen hinten) und die steife Karosseriestruktur auch jenseits der 220 km/h immer ein souveränes Kontrollgefühl. Auch auf kurvigen Landstraßen überzeugt der Exeo dank leistungsstarkem Fahrwerk, präzisem Fahrverhalten und guter Straßenlage. Zudem war sein Durst bei einem Stadt-Verbrauch von 9,6 und einem Kombi-Verbrauch von 7,2 Liter Super in unserem 14-Tage-Test noch recht erträglich.

Auch sicherheitstechnisch passt das Angebot: Sieben Airbags (inklusive Seiten-, Kopf- und Fahrer-Knie-Airbag) schützen die Passagiere, dazu gibt es ESP mit ABS und elektronischer Bremskraftverteilung sowie eine automatische Reifendruckkontrolle. Ausgestattet ist der Exeo Sport ST u. a. mit DVD-Navigationssystem, Bi-Xenon-Scheinwerfern mit dynamischem Kurvenlicht sowie einem Bose-Soundsystem.

Schnittiges Hinterteil

Fazit: Eine mit einem Basispreis von 28.590 Euro erschwingliche Kombilimousine der oberen Mittelklasse – gut in Ausstattung, Leistung, Sicherheit und mit einem schnittigen Design. Sportlich ambitionierte Vielfahrer kriegen hier ordentlich was für merkbar weniger Geld als bei der Konkurrenz aus Stuttgart, München, Ingolstadt oder Wolfsburg. Wegen des deutlich gefühlten Platzmangels ist der Exeo allerdings maximal kleinstfamilientauglich.

Oliver Menner

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