Liebhaberobjekt

Die BMW Isetta wird 60

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Die BMW Isetta von Raimund Brüche ist ein echter Hingucker.

Für viele Deutsche war die BMW Isetta das erste Auto der Nachkriegsjahre. Im April 1955 startete der Verkauf der "Knutschkugel". Heute ist sie ein Liebhaberobjekt.

Mit den ersten Frühlingstagen holen Isetta-Liebhaber wie Raimund Bruche aus Gennach in Bayern ihre Wagen aus dem Winterschlaf. Vor 60 Jahren brachte BMW die Isetta auf den Markt.

Wo Raimund Bruche mit seiner leuchtend roten BMW Isetta auftaucht, sorgt er für Aufsehen. Bleibt er mit dem Oldtimer auf einem Parkplatz oder an der Tankstelle stehen, scharen sich in kürzester Zeit Menschen um das blitzblank polierte Gefährt.

Für den nach dem Krieg wirtschaftlich angeschlagenen Münchner Autobauer entwickelte sich die Isetta zum Verkaufsschlager - nicht in Deutschland, sondern auch in England oder den USA. Der Wagen zählt zu den Symbolen der Wirtschaftswunderjahre - und begeistert bis heute viele Menschen. Der bundesweite Isetta-Club mit Sitz in Köln hat fast 1300 Mitglieder, wie der Vorsitzende Norbert Schardt sagt.

Als Raimund Bruche von seinem Vater seine erste Isetta vererbt bekam, hatte er noch nicht einmal einen Führerschein. "Ich war 16 Jahre alt", erinnert er sich. "Die Isetta stand ungenutzt in der Ecke. Und zum Verkaufen war sie zu schade." So hat er das Mini-Fahrzeug Baujahr 1960 behalten und im Laufe der nächsten eineinhalb Jahre restauriert. Der heute 43-jährige Familienvater machte damals eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und schraubte in seiner Freizeit an dem Erbstück. "Schon als Bub habe ich gerne in der Isetta gespielt." Inzwischen hat er eine zweite in der Garage stehen. In den Farben hellgrün und zartgelb - und natürlich bestens hergerichtet.

"Wenn einen der Isetta-Virus gepackt hat, dann lässt er einen nicht mehr los", sagt auch der Club-Vorsitzende Schardt. Die Mitglieder seien alle Enthusiasten, von denen die meisten mindestens eine Isetta besäßen. Der Club hilft zum Beispiel bei der Beschaffung von Ersatzteilen oder berät beim Kauf einer Isetta. 

Die Markenzeichen der Isetta machen zugleich den Charme des Wagens aus: eiförmiges Chassis, zwei eng nebeneinanderstehende Hinterräder und nur eine Tür, mit der gleich die gesamte Front wegklappt. Weil die Insassen zwangsläufig ein wenig enger zusammenrücken müssen, bekam sie den Kosenamen "Knutschkugel". Andere nannten sie spöttisch "Schlaglochsuchgerät".

Mit dem Aufschwung der Wirtschaftswunderjahre stiegen allerdings die Ansprüche der Deutschen an ihr Fahrzeug. Die spartanische, maximal 85 Stundenkilometer schnelle Isetta wurde zum Auslaufmodell. 1962 stellte BMW die Produktion ein. Mehr als 160.000 Exemplare waren bis dahin gebaut worden.

Heute sind die Kleinwagen heiß begehrt und nicht ganz einfach zu bekommen. "Es werden immer mal welche auf Gebrauchtwagenmärkten angeboten. Aber nicht massenweise", sagt Schardt. Mit ein wenig Geduld werde man aber fündig. Je nach Zustand koste eine Isetta zwischen 3000 und 30 000 Euro. Reparaturen seien kein Problem.

Raimund Bruche hat seine beiden Exemplare selbst hergerichtet. In einer Kfz-Werkstatt kenne sich heutzutage kaum noch ein Mechaniker mit dem Oldtimer aus, sagt er. "Die Isetta kann man ja nicht einmal auf eine Hebebühne stellen." Zudem sei sie ungewöhnlich zu fahren: Die Gangschaltung befindet sich links vom Lenkrad.

Seine Isetta-Garage hat Bruche liebevoll eingerichtet. Mit Fünfziger-Jahre-Postern, Gardinen und allerlei Zubehör. Aus dem Regal holt er ein kleines Transistorradio. "Das hat man früher vorne in der Isetta angeschlossen." Und dann ging es mit dem Picknick-Korb raus ins Grüne - oder mit der ganzen Familie bis nach Italien. Auch bei der Parkplatzsuche ist der Wagen praktisch. "Wir haben mal drei Isetta in eine Parklücke gestellt und nur einen Parkschein gekauft - da hat sogar die Politesse ein Auge zugedrückt."

BMW Isetta - Klassiker mit Charme

BMW Isetta 1955 kam die BMW Isetta 250 schließlich auf den deutschen Markt. Mit einem Preis von 2580 Mark kostete sie nur unwesentlich mehr als ein Motorrad mit Beiwagen.
1955 kam die BMW Isetta auf den deutschen Markt. Das Rollermobil kostete damals 2580 Mark. Nach dem Krieg avancierte die "Knutschkugel" zum Bestseller. © BMW
BMW Isetta
Beim Öffnen der Fronttür klappte das Lenkrad und die Amatur zur Seite. Auf einer durchgehenden Bank konnten Fahrer und Insassen Platz nehmen. Ofiziell war die Isetta für zwei Personen gedacht. © BMW
BMW Isetta
Mit Rückenwind konnte die Isetta sogar Tempo 85 fahren. Das Cockpit in einer BMW Isetta war sonst recht einfach. © BMW
BMW Isetta
Bergtauglich mit 12 PS: eine BMW Isetta. Ab 1956 war die Isetta auch mit 13 PS zu haben. Das Faltverdeck gehörte übrigens anfangs zur Serienausstattung. 1962 lief das letzte "Motocoupé" vom Band. © BMW
BMW Isetta
Filmstars ließen sich mit der Isetta fotografieren. Der britische Schauspieler Cary Grant posierte mit einer BMW Isetta. © BMW
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Schauspieler Curd Jürgens steigt aus einer BMW Isetta aus. Das Ein- und Aussteigen durch die Frontür war sehr speziell. © BMW
BMW Isetta
Die Knutschkugel war für Ausflüge ideal. © BMW
BMW Isetta
Klein, aber praktisch - mit der Isetta konnte jeder die Welt entdecken. © BMW
BMW Isetta
BMW Isetta als Promotion-Fahrzeug. © BMW
BMW Isetta
Besser als ein Motorrad: Bei einer BMW Isetta hatten Fahrer und Beifahrer eben auch ein Dach über den Kopf. © BMW
BMW Isetta
Auch das Ausland war von der BMW Isetta begeistert. © BMW
BMW Isetta
Zum Einkaufen auf dem Markt: Die BMW Isetta ist ein praktischer Begleiter. © BMW
BMW Isetta Standard und Export
BMW Isetta in der Standard und Export Ausführung. Heute ist die Isetta ein begeehrter Oldtimer. © BMW
BMW Isetta
Eine BMW Isetta und ein BMW 502. © BMW
BMW Isetta
BMW Isetta - Klassiker mit Charme. © BMW

dpa

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