Statistik: Elektro-Räder nicht gefährlicher

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Statistik: Elektro-Räder nicht gefährlicher

Immer mehr Elektro-Fahrräder bevölkern Bayerns Radwege. Kritiker sprechen oft von erhöhter Unfallgefahr. Ein Blick auf die neueste Unfallstatistik scheint die Gegner aber auszubremsen.

Pedelecsfahrer haben kein höheres Unfallrisiko als normale Radfahrer. Dies ergab die bayerische Unfallstatistik im ersten Halbjahr 2012. Von insgesamt 6186 Fahrradunfällen waren in 76 Fällen die Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung verwickelt. Zwei der Radfahrer seien dabei ums Leben gekommen, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Nach seinen Angaben gibt es erst seit Beginn dieses Jahres in Bayern eine spezielle Ausweitung der Unfallstatistik auf die neuen Trendräder. Pedelecs spielten aber keine überdurchschnittliche Rolle bei Verkehrsunfällen. Die meisten Radler nutzen die langsameren Modelle mit einer maximalen Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Nur in 4 der 76 Unfälle seien die schnelleren Räder, die sogenannten S-Pedelecs, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern verwickelt gewesen. Dabei seien drei Personen verletzt worden.

Das Unfallrisiko hänge von der Geschwindigkeit ab, betonte Herrmann. Ein handelsübliches tretunterstützendes Rad sei mit 25 Stundenkilometern nicht schneller als ein normales Fahrrad. Wer früher schon langsam gefahren sei, rase auch mit einem solchen E-Rad nicht, bestätigte der Landesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Bayern, Markus Schildhauer. Dass diese Räder gefährlicher sein sollen als normale Fahrräder, sei schlichtweg falsch.

Eine Helmpflicht gibt es für die 25 Stundenkilometer schnellen E-Bikes bisher nicht. Herrmann sprach sich gegen die Einführung einer solchen Pflicht aus: Er wolle den Radverkehr deutlich ausbauen. Eine Helmpflicht würde die Menschen aber eher dazu bringen, ins Auto umzusteigen, befürchtete der Minister. Der Fahrradverkehr sei nach der Einführung der Helmpflicht in Neuseeland um 20 Prozent zurückgegangen, sagte Schildhauer.

ADAC: Schnelle Pedelecs im Test

Schnelle Pedelecs im ADAC-Test: Diese Pedelecs sehen aus wie Fahrräder, sind aber Kleinkrafträder. Bis zu 45 km/h fahren die Zweiräder mit Elektroantrieb. Führerschein, Versicherungskennzeichen und Helm sind nötig! Der ADAC hat drei Modelle in der Praxis verglichen: © ADAC
Bulls Green Mover E45 (Hinterradnabenmotor): Das teuerste Modell von Bull zeigte keine großen Schwächen und erreichte die Note „gut“. © ADAC
Bei der Prüfung der Reichweite konnte das Bulls mit 70 km ebenfalls überzeugen, gefolgt vom Kalkhoff mit 50 km. Mit dem Raleigh wurden nur 38 km erreicht, dafür dauerte das Laden dieses Pedelecs nur zweieinhalb Stunden. © ADAC
Kalkhoff Pro-Connect S10-36 (Mittelmotor von Panasonic): Die baugleichen Federgabeln der Modelle Kalkhoff und Raleigh hatten Probleme mit den höheren Anforderungen bei der Untersuchung, deshalb kamen die Räder nicht über ein „ausreichend“ hinaus. © ADAC
Stoker B40 Premium von Raleigh (Mittelmotor von Bosch) © ADAC
Im Gegensatz zu normalen Pedelecs, die bis zu 25 km/h schnell sind, ist das Fahren auf Radwegen mit den schnellen Bikes nicht erlaubt. Sie dürfen nur auf der Straße gefahren werden. Auch Kindersitze und -anhänger sind nicht gestattet. © ADAC
Trotz der eingeschränkten Nutzung machen die schnellen Pedelecs, laut den Testern wirklich Spaß. Ab 3.000 Euro sind die Pedelcs zu haben. © ADAC
ADAC © ADAC

Der ADFC sieht den Helm ohnehin kritisch: So erhöhe sich einer Studie der European Cyclist Federation (ECF) zufolge das Unfallrisiko mit Helm deutlich im Vergleich mit dem Fahren ohne Helm, sagte Schildhauer. Autofahrer hätten die Neigung, Helmträger mit weniger Abstand zu überholen als Fahrradfahrer ohne Helm. Helmträger seien umgekehrt risikofreudiger im Verkehr als Radfahrer ohne Helm. Zudem schütze der Helm ab einer Geschwindigkeit von etwa 19 Stundenkilometern nur noch bedingt.

Der Begriff Pedelec steht für „Pedal Electric Cycle“. Im Gegensatz zu anderen E-Bikes wird der Radfahrer nur beim selbstständigen Treten zusätzlich von einem Elektromotor unterstützt. Derzeit sind deutschlandweit mehr als eine Million dieser Räder unterwegs. Davon machen Schätzungen des ADFC zufolge 95 Prozent die langsameren Modelle mit 25 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit aus.

Bei der Gesamtzahl der Fahrräder machen die Räder mit eingebautem Rückenwind aber noch weniger als 10 Prozent aus, schätzte Schildhauer. Bayern sei eine der Regionen, in denen besonders viele der tretunterstützenden Räder gefahren würden. Besonders in den Großstädten sei das Elektrorad oft schneller als die öffentlichen Verkehrsmittel und inzwischen auch bei der jüngeren Generation ein beliebtes Fortbewegungsmittel zum Büro oder in der Freizeit.

Von Mirjam Moll, dpa

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