ADAC warnt: Ab Freitag droht Rekord-Stau

Der ADAC warnt vor Rekordstaus am Wochenende: Mit dem Ferienbeginn in Bayern und Baden-Württemberg haben dann in allen Bundesländern die Schüler frei. Die Klassenzimmer sind leer und die Straßen voll.

Vor allem Richtung Süden werde auf vielen Strecken in Deutschland Schrittgeschwindigkeit angesagt sein. Aber auch in Richtung Norden gibt es keine Entwarnung, denn viele Urlauber steuern die Strände der Nord- und Ostseeküsten an. Außerdem sei starker Rückreiseverkehr zu erwarten, da in neun Bundesländern die Ferien schon in Kürze wieder enden.

Auch im Ausland müssen Autourlauber Geduld mitbringen. Auf allen wichtigen Reiserouten in Frankreich, Österreich, der Schweiz, Italien, Slowenien und Kroatien wird es wohl nur sehr langsam vorwärts gehen, warnte der ADAC. Vor allem auch an den Grenzübergängen nach Kroatien, Serbien, Griechenland, Bulgarien und in die Türkei könne es zu langen Wartezeiten kommen.

Das Wichtigste zum Thema Stau

Meist sind es nur Sekunden, die plötzlich einen Mega-Stau verursachen. "Oft genug bremsen Autofahrer vor Autobahnwegweisern, weil sie sich unsicher sind oder doch nochmal hecktisch auf die Karte schauen", weiß Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Deswegen rät der Experte: Trotz Navigationssystem - vor Reisebeginn einen Blick auf die gute alte Straßenkarte zu werfen. © dpa
Nachtfahrten bieten Vorteile: "Es sind weniger Lkws auf den Straßen und viele Fahrer trauen sich in der Dunkelheit auch nicht zu fahren", weiß Schreckenberg. Wer mit den Kindern in den Urlaub fährt, könne sich nachts zudem über mehr Ruhe im Auto freuen. "Und die große Hitze bleibt einem auch erspart." Eine Nachtfahrt sei jedoch nur etwas für ausgeruhte Fahrer. © dpa
Vorausschauendes Fahren ist Trumpf: "Genügend Abstand zum Vordermann sorgt dafür, dass plötzliches Bremsen selten von Nöten ist", so der Stauforscher. Dadurch wird nicht nur Stillstand auf der Autobahn vermieden, das Auto verbraucht auch weniger Sprit. © dpa
Beim Thema "Reißverschlussverfahren" sind viele deutsche Autofahrer offenbar überfordert: "Als vor 40 Jahren das System eingeführt wurde, funktionierte es ganz gut. Aber mittlerweile haben es die Leute scheinbar wieder verlernt", bedauert der Verkehrsexperte. Wichtig sei es, bei Spurverengungen erst ganz zum Schluss die Fahrbahn zu wechseln, alles andere wirkt sich Schreckenbach zufolge kontraproduktiv aus. © dpa
Spurwechsel zwecklos: Laut Schreckenberg bringt es nichts, bei zähflüssigem Verkehr die Fahrbahn zu wechseln: "Es ist sogar absolut hinderlich für den Verkehrsfluss. Die Menschen haben immer das subjektive Gefühl, der restliche Verkehr sei stets schneller. Wir haben das ausführlich getestet: Als Kolonnenspringer hat man am Ende kaum eine Minute gewonnen und stattdessen erhöhten Stress." © dpa
Umfahrungen lohnen sich meist nicht: "Nur bei Vollsperrung sollte man von der Autobahn abzufahren. Stau hat immer noch eine bestimmte Geschwindigkeit, mit der man weiter voran kommt", so Schreckenberg. Navigationssysteme würden gerne übereifrig Ausweichrouten empfehlen, die dann genauso überlastet seien. "Folgen der Empfehlung ihres Navis nur 10 Prozent der Fahrer, kommt auch dort der Verkehr zum Erliegen." © dpa
Wer sich einem Stauende nähert, sollte umgehend den nachfolgenden Verkehr durch Einschalten der Warnblinkanlage aufmerksam machen. Nach einem Urteil des Landgerichts Memmingen kann dem Fahrer bis zu 25 Prozent Haftung auferlegt werden, sollte es im Stau zu einem Auffahrunfall wegen nicht eingeschaltetem Warnblinker kommen. © dpa
Kommt der Verkehr zum Erliegen, sollte rechtzeitig der Motor abgestellt werden. Der Umwelt zuliebe, und auch dem eigenen Auto: So vermeiden Sie, dass Ihr Wagen mit einem leeren Sprittank oder überhitzten Kühler selbst zum Verkehrshindernis und Stauverursacher wird. © dpa
"Autofahrer machen viel zu selten eine Pause. Im Urlaubsverkehr kommt es aber in der Regel nicht auf eine Stunde an", meint der Experte. Es gehe ja nicht darum, als Erster anzukommen, sondern entspannt an sein Reiseziel zu gelangen. Deswegen einfach mal Rasten. "Mit Stress auf der Straße versaut man sich nur gleich den Urlaubsstart." © dpa
Wenn nichts mehr vorwärts geht, müssen die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Jede Hilfe sollte den Unfallort schnell erreichen können. Die Rettungsgasse ist immer zwischen der äußersten linken und der zweiten Spur von links zu bilden, ganz gleich wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. In der Mitte liegt sie nur bei einer zweispurigen Fahrbahn. Der Standstreifen dient übrigens nur dazu, liegen gebliebene Fahrzeuge aufzunehmen. © dpa
An die sicherste Methode, um Stau und Stress mit dem Urlaubsauto zu umgehen, denken nur wenige Reisende: Mit dem Autoreisezug können viele hundert Kilometer zurückgelegt werden, ohne auch nur einen einzigen Stau zu erleben. Bucht man zu bestimmten Zeiten, ist die Kombination aus Straße und Gleis unter Umständen sogar günstiger. © dpa

Am schlimmsten wird es nach Auskunft des Autoclubs Freitag ab Mittag und den ganzen Samstag über sein. Doch auch wer auf den Sonntag ausweiche, könne keine freien Straßen erwarten. „Mittlerweile fahren viele am Sonntag, da wird ordentlich was los sein“, erklärte ein Sprecher. Wer könne, solle seine Abfahrt daher auf Montag oder Dienstag der kommenden Woche verschieben. Wer unbedingt am Samstag anreisen müsse, solle sehr früh losfahren. Urlauber aus dem Raum München müssten spätestens um vier Uhr in der Früh starten, um dem Stau zu entgehen.

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Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Seit Ende Juni gehören die Blockabfertigung und damit die kilometerlangen Staus vor dem Tauerntunnel auf der österreichischen A 10 (Salzburg – Villach) laut ADAC der Vergangenheit an, da die zweite Röhre des Tunnels seither in Betrieb ist. Außerdem sei die Kapazität der Mautstelle erweitert worden, was den Verkehrsfluss zusätzlich beschleunige. Wer an der Mautstelle gar nicht warten will, solle – beispielsweise an einer Autobahnraststätte – ein Ticket für die Videomaut erwerben.

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