ADAC: Schlimmstes Reisewochenende der Saison

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Die Reisewelle rollt - Autofahrer sollten den Samstag meiden.

München - Wer am kommenden Wochenende auf den Autobahnen unterwegs ist, hat sich den vermutlich schlechtesten Zeitpunkt der Saison ausgesucht:

Mit dem höchsten Punkt der Reisewelle rechnet der ADAC am kommenden Wochenende. Wer sich vom 3. bis 5. August auf Achse macht, den erwarte „das schlimmste Reisewochenende der Saison“, teilt der Automobilclub mit.

Vor allem wegen des Ferienbeginns in Bayern machten sich noch einmal viele Urlauber auf den Weg. Zugleich befänden sich Massen an Autofahrern auf der Rückreise, da bald in sieben Bundesländern die Schule wieder beginnt.

Das Wichtigste zum Thema Stau

Meist sind es nur Sekunden, die plötzlich einen Mega-Stau verursachen. "Oft genug bremsen Autofahrer vor Autobahnwegweisern, weil sie sich unsicher sind oder doch nochmal hecktisch auf die Karte schauen", weiß Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Deswegen rät der Experte: Trotz Navigationssystem - vor Reisebeginn einen Blick auf die gute alte Straßenkarte zu werfen. © dpa
Nachtfahrten bieten Vorteile: "Es sind weniger Lkws auf den Straßen und viele Fahrer trauen sich in der Dunkelheit auch nicht zu fahren", weiß Schreckenberg. Wer mit den Kindern in den Urlaub fährt, könne sich nachts zudem über mehr Ruhe im Auto freuen. "Und die große Hitze bleibt einem auch erspart." Eine Nachtfahrt sei jedoch nur etwas für ausgeruhte Fahrer. © dpa
Vorausschauendes Fahren ist Trumpf: "Genügend Abstand zum Vordermann sorgt dafür, dass plötzliches Bremsen selten von Nöten ist", so der Stauforscher. Dadurch wird nicht nur Stillstand auf der Autobahn vermieden, das Auto verbraucht auch weniger Sprit. © dpa
Beim Thema "Reißverschlussverfahren" sind viele deutsche Autofahrer offenbar überfordert: "Als vor 40 Jahren das System eingeführt wurde, funktionierte es ganz gut. Aber mittlerweile haben es die Leute scheinbar wieder verlernt", bedauert der Verkehrsexperte. Wichtig sei es, bei Spurverengungen erst ganz zum Schluss die Fahrbahn zu wechseln, alles andere wirkt sich Schreckenbach zufolge kontraproduktiv aus. © dpa
Spurwechsel zwecklos: Laut Schreckenberg bringt es nichts, bei zähflüssigem Verkehr die Fahrbahn zu wechseln: "Es ist sogar absolut hinderlich für den Verkehrsfluss. Die Menschen haben immer das subjektive Gefühl, der restliche Verkehr sei stets schneller. Wir haben das ausführlich getestet: Als Kolonnenspringer hat man am Ende kaum eine Minute gewonnen und stattdessen erhöhten Stress." © dpa
Umfahrungen lohnen sich meist nicht: "Nur bei Vollsperrung sollte man von der Autobahn abzufahren. Stau hat immer noch eine bestimmte Geschwindigkeit, mit der man weiter voran kommt", so Schreckenberg. Navigationssysteme würden gerne übereifrig Ausweichrouten empfehlen, die dann genauso überlastet seien. "Folgen der Empfehlung ihres Navis nur 10 Prozent der Fahrer, kommt auch dort der Verkehr zum Erliegen." © dpa
Wer sich einem Stauende nähert, sollte umgehend den nachfolgenden Verkehr durch Einschalten der Warnblinkanlage aufmerksam machen. Nach einem Urteil des Landgerichts Memmingen kann dem Fahrer bis zu 25 Prozent Haftung auferlegt werden, sollte es im Stau zu einem Auffahrunfall wegen nicht eingeschaltetem Warnblinker kommen. © dpa
Kommt der Verkehr zum Erliegen, sollte rechtzeitig der Motor abgestellt werden. Der Umwelt zuliebe, und auch dem eigenen Auto: So vermeiden Sie, dass Ihr Wagen mit einem leeren Sprittank oder überhitzten Kühler selbst zum Verkehrshindernis und Stauverursacher wird. © dpa
"Autofahrer machen viel zu selten eine Pause. Im Urlaubsverkehr kommt es aber in der Regel nicht auf eine Stunde an", meint der Experte. Es gehe ja nicht darum, als Erster anzukommen, sondern entspannt an sein Reiseziel zu gelangen. Deswegen einfach mal Rasten. "Mit Stress auf der Straße versaut man sich nur gleich den Urlaubsstart." © dpa
Wenn nichts mehr vorwärts geht, müssen die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Jede Hilfe sollte den Unfallort schnell erreichen können. Die Rettungsgasse ist immer zwischen der äußersten linken und der zweiten Spur von links zu bilden, ganz gleich wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. In der Mitte liegt sie nur bei einer zweispurigen Fahrbahn. Der Standstreifen dient übrigens nur dazu, liegen gebliebene Fahrzeuge aufzunehmen. © dpa
An die sicherste Methode, um Stau und Stress mit dem Urlaubsauto zu umgehen, denken nur wenige Reisende: Mit dem Autoreisezug können viele hundert Kilometer zurückgelegt werden, ohne auch nur einen einzigen Stau zu erleben. Bucht man zu bestimmten Zeiten, ist die Kombination aus Straße und Gleis unter Umständen sogar günstiger. © dpa

Der ADAC empfiehlt, den Freitagnachmittag, den ganzen Samstag sowie den Sonntagnachmittag für die Urlaubsreise zu meiden und nach Möglichkeit auf einen anderen Wochentag auszuweichen. Von längeren Wartezeiten durch Staus und stockenden Verkehr seien vor allem folgende Strecken betroffen:

  • A 1 Köln - Bremen - Lübeck - Puttgarden
  • A 2 Köln - Dortmund - Hannover
  • A 3 Frankfurt - Würzburg - Nürnberg
  • A 5 Frankfurt - Karlsruhe - Basel
  • A 6 Mannheim - Heilbronn - Nürnberg
  • A 7 Flensburg - Hamburg
  • A 7 Kassel - Hannover - Hamburg
  • A 7 Würzburg - Füssen
  • A 8 Karlsruhe - Stuttgart - München - Salzburg
  • A 9 München - Nürnberg - Berlin
  • A 10 Berliner Ring
  • A 19 Rostock - Wittstock
  • A 24 Hamburg - Berlin
  • A 81 Stuttgart - Singen
  • A 93 Inntaldreieck - Kufstein
  • A 99 Umfahrung München

Kurios: So tierisch kann ein Stau sein

Rind bringt Verkehr zum Stillstand
Mehr als drei Stunden legte dieses Rindvieh, den Verkehr auf der BAB 7 zwischen Schwarmstedt und Berkhof lahm. Auf dem Weg zu einer anderen Weide öffnete sich während der Fahrt die vordere Tür eines Tiertransporters und das Rind sprang hinaus. © Polizei Heidekreis
Rind bringt Verkehr zum Stillstand
Ein Sattelschlepper musste die Autobahn zwischen Scharmstedt und Berkhof komplett blockieren. Erst nachdem ein Tierarzt den jungen Bullen mit einem Betäubungsgewehr betäubt hatte, konnten das Tier wieder eingefangen und auf seine neue Weide gebracht werden.    © Polizei Heidekreis
Zuerst haben die Polizisten noch geschmunzelt, als verschiedenen Autofahrer eine freilaufende Ziege am Bremer Kreuz meldeten. Spaß war es jedoch keiner. Zeitweilig stand der komplette Verkehr am Bremer Kreuz still. Hier die ganze Geschichte. © Polizei
Entenküken sitzen auf einer Polizeiwache in Sinsheim in einer Polizeimütze. Die "Entenwaisen" waren auf der viel befahrenen Autobahn 6 von Mannheim nach Heilbronn an der Mittelleitplanke entlang zielstrebig auf eine Raststätte zugewatschelt. © dpa
Eine Kuh wird von Helfern auf der Autobahn A7 in der Nähe von Kiel gehalten. Nachdem die ausgebüxte Kuh auf die Fahrbahn gelaufen war und bis zur Mittelleitplanke vordrang, hatte sich ein Stau gebildet. © dpa
Polizeibeamte sichern einer siebenköpfigen Schwanenfamilie auf der Autobahn A 61 (Speyer - Hockenheim) in Höhe von Walldorf freies Geleit: Die Schwanen-Eltern wollten ihren Nachwuchs schnurstracks über die die vielbefahrerene Straße führen und wurden dabei von der Polizei überrascht. © dpa
Über drei Kilometer waren zwei Kamele auf der Autobahn A96 bei Memmingen (Schwaben) unterwegs. Die Wüstentiere waren aus einem Zirkus ausgebrochen. © dpa
Auf der Flucht vor dem Schlachter ist ein Bulle durch die Innenstadt von Marktredwitz gestürmt. Das tonnenschwere Tier raste durch die Fußgängerzone und beschädigte dabei mehrere Gartenzäune. Polizisten nutzen schließlich eine Verschnaufpause des erschöpften Bullen und streckten ihn mit zwei Schüssen aus einem Gewehr zu Boden. © dpa
Ursprünglich sind Nilgänse in Afrika zu Hause. Doch mittlerweile fühlen sich die Tiere auch in Mitteleuropa wohl. In Frankfurt am Main maschiert eine Nilgans über eine vielbefahrene Straße in der Nähe des Messegeländes, anstatt den Luftweg zu nehmen, um zu einer nahe gelegenen kleinen Wiese zu gelangen. © dpa
Ein Schäfer in der Oberpfalz ist mit seiner Schafherde auf der Straße unterwegs. © dpa
Freilaufstall: Nach dem Unfall eines Viehtransporters in Gelsenkirchen laufen Schweine auf der Straße.  © dpa
Wildschwein-Alarm in Hamburg: Nachdem mehrere Wildschweine in der Innenstadt gesichtet wurden, gab es anschließend eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. © dpa
Eine Raupe überquert eine Straße bei Köln. Für den Fotografen ein tolles Motiv und wahrscheinlich der Einzige der für das Insekt gebremst hat. © dpa
Umwege für die Krötenwanderung: Im Frühjahr bis Mai sollten Autofahrer besondere Rücksicht auf Kröten, Fröschen und Molche nehmen. Die Amphibien wandern derzeit von ihren Winterquartieren zu den Laichplätzen. © dpa
Ei, ei, ei. Die Autofahrer in München ( Obermenzing) brauchten am ersten Sonntag nach Ostern 2013 gute Nerven. 30 Minuten lang stand ein Schwan an der Straße und legte in aller Seelenruhe ein Ei. © Polizei
Ziege auf der A3
Eine Ziege in Unterfranken hat sportliche Höchstleistungen vollbracht. Die Polizei sprach von einem „Ziegenmarathon auf der Autobahn“. Der Grund: die Ziege hatte wohl über 100 Kilometer auf der A3 zurückgelegt.  © Polizei

Auch im Ausland reißt der Strom der Urlauber laut der ADAC-Prognose längst noch nicht ab. In erster Linie seien die Hauptreiserouten in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich, Kroatien und Slowenien betroffen.

dpa/ ampnet/Sm

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