Studie: Mehr Motorräder gegen Stauwahnsinn

+
Mehr Motorräder würden Staurisiko deutlich senken

Motorradfahrer schlängeln sich gerne zwischen den Autos durch den Stau. In Deutschland ist das verboten. In anderen Ländern ist das erlaubt und sogar erwünscht, denn es spart 350.000 Euro täglich.

Motorradfahrer haben in Österreich, den Niederlanden oder auch in Belgien mehr Recht auf der Straße. Hier ist die Praxis des Durchschlängelns erlaubt. Eine Studie von „Transport & Mobility Leuven" und der dortigen Universität hat auf Initiative des belgischen Motorradindustrie-Verbandes die Auswirkungen nun untersucht.

Das Ergebnis: Wenn 10 Prozent der Autofahrer zugunsten eines Motorrads oder Rollers auf ihren Wagen verzichten würden, könnte das Verkehrsaufkommen um 40 Prozent gesenkt werden.

Lesen Sie mehr dazu:

Staat verdient am Stau kräftig mit

So entsteht Stau - Tipps gegen die Blechlawine

Während das vor kurzem veröffentlichte „White Paper on Transport“ der europäischen Kommission darauf aus ist, ein Gleichgewicht zwischen dem individuellen Bedarf an Mobilität und dem Wunsch nach effizienter Beförderung zu schaffen, hat die Studie herausgefunden, dass Staus der Vergangenheit angehören könnten, wenn ein Viertel aller Berufspendler per Motorrad und Roller unterwegs wären.

Die Studie von „Transport & Mobility Leuven“ und der Universität Leuven zeige, dass die Integration motorisierter Zweiräder das Problem der Staus sowie deren negative Folgen für den Alltag europäischer Pendler effektiv zu verbessern, kommentierte der deutsche Industrieverband Motorrad (IVM) das Ergebnis. Motorräder und Roller böten ein bislang nicht ausgeschöpftes Potential.

Das Wichtigste zum Thema Stau

Meist sind es nur Sekunden, die plötzlich einen Mega-Stau verursachen. "Oft genug bremsen Autofahrer vor Autobahnwegweisern, weil sie sich unsicher sind oder doch nochmal hecktisch auf die Karte schauen", weiß Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Deswegen rät der Experte: Trotz Navigationssystem - vor Reisebeginn einen Blick auf die gute alte Straßenkarte zu werfen. © dpa
Nachtfahrten bieten Vorteile: "Es sind weniger Lkws auf den Straßen und viele Fahrer trauen sich in der Dunkelheit auch nicht zu fahren", weiß Schreckenberg. Wer mit den Kindern in den Urlaub fährt, könne sich nachts zudem über mehr Ruhe im Auto freuen. "Und die große Hitze bleibt einem auch erspart." Eine Nachtfahrt sei jedoch nur etwas für ausgeruhte Fahrer. © dpa
Vorausschauendes Fahren ist Trumpf: "Genügend Abstand zum Vordermann sorgt dafür, dass plötzliches Bremsen selten von Nöten ist", so der Stauforscher. Dadurch wird nicht nur Stillstand auf der Autobahn vermieden, das Auto verbraucht auch weniger Sprit. © dpa
Beim Thema "Reißverschlussverfahren" sind viele deutsche Autofahrer offenbar überfordert: "Als vor 40 Jahren das System eingeführt wurde, funktionierte es ganz gut. Aber mittlerweile haben es die Leute scheinbar wieder verlernt", bedauert der Verkehrsexperte. Wichtig sei es, bei Spurverengungen erst ganz zum Schluss die Fahrbahn zu wechseln, alles andere wirkt sich Schreckenbach zufolge kontraproduktiv aus. © dpa
Spurwechsel zwecklos: Laut Schreckenberg bringt es nichts, bei zähflüssigem Verkehr die Fahrbahn zu wechseln: "Es ist sogar absolut hinderlich für den Verkehrsfluss. Die Menschen haben immer das subjektive Gefühl, der restliche Verkehr sei stets schneller. Wir haben das ausführlich getestet: Als Kolonnenspringer hat man am Ende kaum eine Minute gewonnen und stattdessen erhöhten Stress." © dpa
Umfahrungen lohnen sich meist nicht: "Nur bei Vollsperrung sollte man von der Autobahn abzufahren. Stau hat immer noch eine bestimmte Geschwindigkeit, mit der man weiter voran kommt", so Schreckenberg. Navigationssysteme würden gerne übereifrig Ausweichrouten empfehlen, die dann genauso überlastet seien. "Folgen der Empfehlung ihres Navis nur 10 Prozent der Fahrer, kommt auch dort der Verkehr zum Erliegen." © dpa
Wer sich einem Stauende nähert, sollte umgehend den nachfolgenden Verkehr durch Einschalten der Warnblinkanlage aufmerksam machen. Nach einem Urteil des Landgerichts Memmingen kann dem Fahrer bis zu 25 Prozent Haftung auferlegt werden, sollte es im Stau zu einem Auffahrunfall wegen nicht eingeschaltetem Warnblinker kommen. © dpa
Kommt der Verkehr zum Erliegen, sollte rechtzeitig der Motor abgestellt werden. Der Umwelt zuliebe, und auch dem eigenen Auto: So vermeiden Sie, dass Ihr Wagen mit einem leeren Sprittank oder überhitzten Kühler selbst zum Verkehrshindernis und Stauverursacher wird. © dpa
"Autofahrer machen viel zu selten eine Pause. Im Urlaubsverkehr kommt es aber in der Regel nicht auf eine Stunde an", meint der Experte. Es gehe ja nicht darum, als Erster anzukommen, sondern entspannt an sein Reiseziel zu gelangen. Deswegen einfach mal Rasten. "Mit Stress auf der Straße versaut man sich nur gleich den Urlaubsstart." © dpa
Wenn nichts mehr vorwärts geht, müssen die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. Jede Hilfe sollte den Unfallort schnell erreichen können. Die Rettungsgasse ist immer zwischen der äußersten linken und der zweiten Spur von links zu bilden, ganz gleich wie viele Fahrstreifen vorhanden sind. In der Mitte liegt sie nur bei einer zweispurigen Fahrbahn. Der Standstreifen dient übrigens nur dazu, liegen gebliebene Fahrzeuge aufzunehmen. © dpa
An die sicherste Methode, um Stau und Stress mit dem Urlaubsauto zu umgehen, denken nur wenige Reisende: Mit dem Autoreisezug können viele hundert Kilometer zurückgelegt werden, ohne auch nur einen einzigen Stau zu erleben. Bucht man zu bestimmten Zeiten, ist die Kombination aus Straße und Gleis unter Umständen sogar günstiger. © dpa

Die Untersuchung wurde von FEBIAC (Fédération Belge des Industries de l'Automobile et du Cycle) in Auftrag gegeben. Sie beruft sich auf eine Fallstudie, die sich den Abschnitt Leuven-Brüssel der E40 zur Stoßzeit vorgenommen hat, auf Grundlage von Verkehrsstatistiken eines normalen Arbeitstages im Mai 2011.

Die Ergebnisse zeigen, dass es ganz offensichtlich Konsequenzen für die Ausmaße eines Staus hat, wenn während dieser Zeitspanne 10 Prozent der Fahrer ihr Auto gegen ein Motorrad oder Roller tauschen.

Wenn nun diese Beobachtungen auf das gesamte Straßennetz hochgerechnet werden, kommt die Studie zu folgendem Ergebnis: 15.000 Stunden, die pro Tag im belgischen Straßenverkehr verlorengehen, könnten eingespart werden. Dies entspreche einer Summe von 350.000 Euro täglich. Das kürzere Staus, die sich unweigerlich auch schneller wieder auflösen, brächten außerdem Vorteile für die Umwelt mit sich.

(ampnet/jri)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.