Japanisches Kultauto

Toyota RAV4: Ein (fast) perfekter Gentleman

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Modern, aber keinesfalls mutig geformt – optische Angeberei liegt dem Japaner (leider) absolut fern.

Früher war ja alles besser. Auch der Toyota RAV4, lehrt ein Blick ins Internet. Da ist nachzulesen, dass der Wagen einst ein kultiges Spaßauto war.

Einer, der die Konkurrenz klar dominierte. Und jetzt – immerhin schon in der vierten Generation – nur mehr in der grauen Masse der SUVs mitfährt. Stimmt das?

Positiv überrascht - Autorin Katrin Basaran testete den RAV4 auf seine Alltagstauglichkeit

Wir haben den aktuellen RAV4 mit 124-PS-Turbodiesel getestet. Also ein Angeber ist der Japaner nicht. Ja, er ist groß, er schlägt seinen Vorgänger um 20 Zentimeter in der Länge und misst nun 4,57 Meter. Seine Formen schreien nicht „Hier bin ich“, er ist ein eher unaufgeregter Geselle. Da­ran ändern auch der Heckspoiler, die eigenwillige Hinteransicht oder die leicht coupéartig geformte Seitenlinie nichts.

Toyota RAV4 2.0 D-4D

Leistung: 124 PS
Höchstgeschw.: 180 km/h Max. Drehmoment: 310 Nm bei 1600 - 2400 u/min
0 auf 100 km/h: 10,5 sek. Hubraum: 1998 ccm Verbrauch EU Drittelmix: 4,9 l/100 km (Werksangabe) CO2: 127 g/km
Leergewicht: 1578 kg Kofferraumvolumen: 547–1746 l
Basispreis: 26.650 Euro

Im Inneren offenbart der RAV4 ein gediegenes Ambiente. Dunkler Kunststoff herrscht hier vor, gepaart mit etwas Chrom – typisch japanisches Understatement. Aufgeräumt wirkt das Cockpit und komfortabel: Alle Hebel und Knöpfe lassen sich intuitiv bedienen, das ist prima. In der Mitte thront das übersichtliche Multimedia-Display. Das System ist leicht zu handhaben und verfügt schon in der Basisversion über eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein Soundsystem mit AUX-Anschluss, Lenkradbedienung sowie USB-Eingang inklusive iPod-Steuerung. Auffällig ist das üppige Platzangebot im Inneren des Toyota, das dank des um 20 Zentimeter gestreckten Radstandes (jetzt knapp 2,70 Meter) möglich wird.
Raum ist überall – auf den manuell einstellbaren Sitzen vorn, ebenso auf der Rückbank, die bis zu drei Passagiere zum Lümmeln einlädt. Auch Großgewachsene reisen hier entspannt und lässig. Schön: Die Rückenlehne lässt sich neigen, dem entspannten Nickerchen steht nichts entgegen.

Das Cockpit wirkt aufgeräumt und übersichtlich, ist intuitiv bedienbar.

So richtig ins Schwärmen geraten wir angesichts des Kofferraums: Seine 547 Liter Ladevolumen laden zu Shoppingorgien ein, auch dem Transport von schwedischen Kleinmöbeln steht nichts im Wege. Mit einem einfachen Handgriff lässt sich die Rückbank eben umlegen und das „schwarze Loch“ wächst auf satte 1746 Liter. Dank der relativ niedrigen Ladekante lässt sich alles komfortabel verstauen. Hinzu kommen praktische Netze und Gurte, die Verzurren und Befestigen leichter machen.

Toyota RAV4 im Test: Ein Kultauto wird erwachsen.

Der von uns getestete 2.0 Turbodiesel mit 124 PS bei 3600 U/min erweist sich im Alltag als gutes Aggregat. Man spürt den Diesel, die Geräuschbelastung im Inneren ist aber relativ gering. Beim Anfahren erweist sich der Motor als etwas zögerlich, doch dann geht es zügig zur Sache. In der Stadt und auf gerader Strecke reicht der kleine Diesel völlig aus, lediglich bei Testfahrten im bergigen Berchtesgadener Land hätten wir uns ab und an mehr Power gewünscht. Die Sechsgangschaltung ist gefällig und arbeitet ohne Hakelei. Das Fahrwerk wirkt straff – und das mag sicher nicht jeder. Vor allem dann nicht, wenn die Bandscheiben älteren Semestern gehören.

Laut Toyota soll der RAV4 mit einem Leergewicht von 1578 Kilo nur rund 4,9 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Dieser Wert bleibt unerreichbar: Unser durchschnittlicher Bestwert liegt laut Bordcomputer bei 7,0 Litern. Zugegebenermaßen haben wir das Gaspedal nicht nur gestreichelt.

Was uns leider nicht so gut gefällt, ist die Rundumsicht. Durch die ansteigende Linie der Seitentüren und die zeitgleich abfallende Dachlinie gerät das hintere Fenster zur Schießscharte. Die dicken C-Säulen bringen uns fast zur Verzweiflung – es lässt sich partout nicht drum herumblicken – schlecht beim Abbiegen oder beim Spurwechsel. Wenigstens haben wir eine Rückfahrkamera an Bord, die uns die Ausmaße des japanischen Riesen aufzeigt.

Fazit

Der Toyota RAV4 ist sicher kein wildes Spaßmobil mehr. Dafür ist er praktisch, belastbar und komfortabel. Schwächen bügelt er durch unaufdringlichen und unkomplizierten Charme aus. Und erweist sich als (fast) perfekter Gentleman.

Freund der Familie: Der neue Toyota RAV4

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Katrin Basaran

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