Druck der Automobilindustrie

Einigung bei CO2-Grenzen für Autos

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Das Treibhausgas Kohlendioxid CO2 schadet dem Klima. Strengere Grenzwerte sollen Autobauer zwingen den CO2-Ausstoß von Spritfahrzeugen zu reduzieren.

Im Streit um die Abgasobergrenzen für Neuwagen haben die Unterhändler von EU-Staaten und Europaparlament eine vorläufige Einigung erzielt. Ob sie dem Klimawandel nützt?

Nachdem insbesondere die Bundesregierung aus Sorge um die deutsche Automobilindustrie Druck ausgeübt hatte, soll das Erreichen der Ziele nun nach hinten verschoben werden, wie beide Seiten am Dienstagabend mitteilten. Die Einigung muss von den EU-Staaten und dem Parlament noch offiziell abgesegnet werden.

Wie der Vorsitzende des Umweltausschusses im EU-Parlament, Matthias Groote (SPD), mitteilte, müssen die Autohersteller den Grenzwert von 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer für den Durchschnitt aller Neuwagen erst Ende 2020 erreichen. Die sogenannten Supercredits dürfen die Hersteller demnach von 2020 bis 2022 geltend machen. Diese Bonuspunkte dienen der mehrfachen Anrechnung von abgasarmen Wagen, wodurch im Gegenzug mehr abgasstarke Autos gebaut werden dürfen.

95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer

Eigentlich hatte es schon im Juni eine Einigung auf die Abgasobergrenzen gegeben. Demnach hätte die 95-Gramm-Grenze schon Anfang 2020 erreicht werden müssen. Doch Deutschland forderte mehr Flexibilität für die Industrie und damit praktisch ein Aufweichen der Grenze. Laut EU-Diplomaten setzte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich dafür ein, dass eine Abstimmung über den Deal auf den letzten Drücker verschoben wurde. Das sorgte im EU-Parlament und bei Umweltschützern für Empörung.

Autohersteller müssen bis zum Jahr 2015 einen Grenzwert von 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer einhalten - dies bezieht sich auf den Flottendurchschnitt der neuen Pkw. Wenn die Firmen die Vorgaben nicht einhalten, müssen sie Strafen zahlen.

Die litauische Ratspräsidentschaft bestätigte nun die erzielte Einigung. Der stellvertretende EU-Botschafter des Landes, Arunas Vinciunas, sprach von einer "delikaten Balance". Die Einigung mit dem Parlament bedeute eine zusätzliche "begrenzte Flexibilität", erklärte Vinciunas. Der Kompromiss soll am Freitag den EU-Staaten vorgelegt werden. "Dann wird klar werden, ob die Mitgliedstaaten zustimmen können", sagte ein EU-Diplomat. Auch das EU-Parlament muss den Kompromiss noch absegnen.

"Unser Ziel war es, nicht nachzugeben und unsere Ziele nicht zu schwächen, um weder Innovation in der Autoindustrie noch die Bemühungen der EU gegen Klimawandel zu bremsen", sagte Groote. Kritik kam jedoch umgehend von der Linken. "BMW und Daimler erreichen weitgehende Zugeständnisse bei den neuen Grenzwerten für den CO2-Ausstoß bei PKW. So könnte man das in den heutigen Verhandlungen erreichte Ergebnis zusammenfassen", erklärte die Linken-Europaabgeordnete Sabine Wils. Dies bedeute viele tausende Tonnen mehr CO2 in der Atmosphäre.

Klimakiller? Was es aus dem Auspuff bläst 

Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Autos stoßen bei laufendem Motor giftige und klimaschädliche Stoffe aus. Deshalb hat der Gesetzgeber Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX), Kohlenwasserstoffe (HC) und Rußpartikel (PM) festgelegt. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2009 müssen Hersteller bei der Entwicklung neuer Autos die Abgasnorm Euro 5 einhalten. Seit Januar 2011 müssen auch alle neu zugelassenen Wagen Euro 5 erfüllen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Konkret heißt das: Benziner dürfen zum Beispiel maximal 1 Gramm CO (Kohlenstoffmonoxid) pro Kilometer ausstoßen, Diesel nur die Hälfte. Der Grenzwert für Rußpartikel beim Diesel liegt bei 5 Milligramm je Kilometer. Übrigens, die Euro-4-Norm hatte noch das Fünffache 25 Milligramm zugelassen. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Anfang September 2011 wurde als Zwischenschritt die Rußmenge, die ein Auto ausstoßen darf, weiter reduziert - auf 4,5 Milligramm. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Ab September 2014 müssen alle neu zugelassenen Autos Euro 6 erfüllen. Diese Norm betrifft laut dem TÜV Nord in erster Linie Diesel: Der Grenzwert für Stickoxide, die neue Fahrzeugtypen mit Selbstzündern ausstoßen dürfen, wird auf weniger als die Hälfte des derzeitig gültigen Werts gesenkt - nämlich von 180 Milligramm pro Kilometer (Euro 5) auf 80 Milligramm (Euro 6). © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenmonoxid (CO): Kohlenmonoxid ist ein Gas, das schon in geringen Mengen sehr giftig ist. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Verbindungen, wenn nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist. Die meisten Abgase entstehen im Leerlauf, also wenn ein Auto an einer Ampel wartet. Während des Fahrens wird hingegen wieder genügend Sauerstoff zugeführt und die CO-Konzentration sinkt wieder. © dpa
Stickoxide (NOX): Die Partikel sind u.a. schädlich für das Ozon. Stickoxid ist ein Sammelbegriff für Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff, die besonders bei hohen Brennraumtemperaturen und -drücken im Motor entstehen. NOX war der Hauptgrund für die Erfindung des Katalysators. © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Kohlenwasserstoffe (HC): In den Autoabgasen befinden sich neben den Verbrennungsprodukten unverbrannte Bestandteile des Benzins, wie das krebserregende Benzol, ein sogenannter "Kohlenwasserstoff". © dpa
Klimakiller? Was aus dem Auspuff bläst
Rußpartikel (PM) gelangen vor allem aus den Auspuffrohren von Dieselmotoren. Durch die Einführung der sogenannten Feinstaubverordnung wird die Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen nach der Höhe ihrer Partikelemission bundesweit einheitlich geregelt. © dpa
Auspuff Auto Schadstoffe
Übrigens ist während der morgendlichen Rush-hour zwischen sieben und acht Uhr der Kohlenmonoxidgehalt der Luft am höchsten. Autofahrer auf stark frequentierten Pendler-Routen atmen mehr Kohlenmonoxid, Benzol und Dieselruß ein als etwa ein erwachsener Fußgänger. © dpa
Die Konzentration der Schadstoffe ist nämlich im Auto um ein mehrfaches höher als auf dem Fußgängerweg. Sie gelangen durch die Lüftung in das Wageninnere, im Stau werden von der Klimaanlage sogar die Abgase des eigenen Autos angesaugt. © dpa

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace lehnte die Verschiebung der Abgasobergrenzen ab. "Die Europäische Union hat heute die kurzfristigen Geschäftsinteressen einiger weniger Unternehmen über die Interessen der Bürger und der übrigen Wirtschaft gestellt", kritisierte die Greenpeace-Verkehrsexpertin Franziska Achterberg.

AFP

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