Hypermiling

Neuer Rekord mit Elektro-VW ID.3: „Hat sich angefühlt wie ein Krimi“

Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Reichweite. Ein Hypermiler hat mit dem VW ID.3 einen spannenden Rekord aufgestellt.

  • Der neue ID.3* von Volkswagen (VW) macht auf eine ganz besondere Weise auf sich Aufmerksam.
  • Das Elektroauto wurde von dem Hypermiler Felix Egolf über seine üblichen Grenzen hinaus ausgereizt.
  • Was sich zeitweise wie ein Krimi angefühlt hat, kann am Ende in die Rekord-Bücher aufgenommen werden.

Wenn über Rekorde in der Autoindustrie berichtet wird, dann ist meistens von Geschwindigkeit oder Verkaufs- und Produktionszahlen die Rede. Doch der ehemalige Flugzeug-Pilot Felix Egolf hat weder einen Geschwindigkeitsrekord vor sich, noch ist er ein eifriger Autoverkäufer. Egolf ist ein „Hypermiler" und das bedeutet, dass er aus Fahrzeugen die maximale Reichweite herauskitzeln will - ein seltenes Hobby, das aber schon viele Rekorde aufgestellt hat.

VW ID.3 stellt mit Hypermiler Felix Egolf Reichweiten-Rekord auf

Der VW ID.3 ist dabei nicht das erste Fahrzeug, dass Felix Egolf über die angegebene Reichweite, die im Produktkatalog angegeben ist, hinaus fahren will. Die Grundvoraussetzung für das „Hypermiling“ ist, dass die Rekord-Strecke mit nur einer Tank- bzw. Akku-Ladung zurückgelegt werden muss. Die Fahrzeit und die exakte Ausstattung sind dabei nicht festgeschrieben, jedoch haben Sie eine große Auswirkung auf das letztendliche Ergebnis.

Ein Highlight war für Felix Egolf etwa das Jahr 2016. Mit einem handelsüblichen Opel Insignia 1.6 CDTI ist er aus der Schweizer Stadt Luzern bis an die Nordsee gefahren und wieder zurück, wie wiwo.de berichtete. Das alles mit einer Tankladung von 70 Litern. Für den Hypermiler war das genug Sprit, um rekordverdächtige 2.111 Kilometer zurückzulegen.

Mittlerweile hat Felix Egolf mehrere Dutzend Autos von verschiedenen Herstellern bis an ihre absolute Reichweitengrenze gebracht. Kein Wunder, dass auch Volkswagen auf dieses seltene Hobby aufmerksam geworden ist und dem Hypermiler in einer Marketing-Aktion den vollelektrischen Kleinwagen VW ID.3 zur Verfügung gestellt hat, wie aus einer Pressemitteilung von VW hervorgeht.

Technische Daten zum VW ID.3 mit 58-kWh-Batterie

AntriebsartHeckantrieb mit Elektromotor (107 kW/146 PS oder 150 kW/204 PS)
von Null auf 100ca. 8,5 Sekunden
Maximalgeschwindigkeit160 km/h
Reichweite420 Kilometer
LadetechnikAC-Laden mit 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 100 kW
Kofferraumvolumen385 Liter
Leergewichtca. 1.800 Kilogramm
Kaufpreisab ca. 35.500 Euro

Quelle: ADAC

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VW ID.3: Rekordfahrt im ganz besonderem Tempo von Sachsen in die Schweiz

Schon um 5 Uhr in der Früh trat Felix Egolf seine Reise an. Die begann im Volkswagen-Werk in Zwickau (Sachsen), also genau dort, wo der VW ID.3 auch serienmäßig gebaut wird. Bis nach Schaffhausen in der Schweiz soll es an diesem Tag gehen - wohlgemerkt mit nur einer Akkuladung. Warum der Hypermiler schon so früh aufstehen muss, obwohl das Ziel der Reise normalerweise in unter 6 Stunden erreicht werden kann, zeigt die eigentliche Kunst des Hypermilings: Geduld und entschleunigtes Fahren.

Die Tricks, die Felix Egolf anwendet, um statt den erwarteten 420 Kilometern pro Akkuladung sogar über 500 Kilometer zu schaffen, sind eigentlich sehr einfach und von jedem anwendbar. Alles soll darauf zielen, dass der Motor mit dem kleinstmöglichen Stromverbrauch auskommt. Was der Hypermiler im Extremen durchzieht, zeigt aber auch gleichzeitig, wie alle Autofahrer im Alltag Sprit oder Strom sparen können.

  • „Segeln“: Statt immer Vollgas zu geben, nimmt Egolf den Fuß immer wieder vom Gas und lässt das Auto rollen, vor allem wenn es bergab geht.
  • Bremsen vermeiden: Der Wagen sollte immer in Schwung bleiben, gebremst wird nur, wenn es sein muss.
  • Langsam fahren: Die Durchschnittsgeschwindigkeit dieser Rekordfahrt lag bei 56 Stundenkilometern, obwohl Egolf keines Falls auf die Autobahn verzichtet hat.
  • Windschatten der LKWs: Auf der Autobahn war der ID.3 gemächlich auf der rechten Spur zu finden. Dabei nutzte Felix Egolf auch den energiesparenden Windschatten der LKWs vor ihm.
  • Rekuperation: Die beim Bremsen in den Akku zurückgeführte Energie kann in so einem Rekordversuch viel ausmachen. So hat Egolf etwa bei jedem Anfahren auf einen Kreisverkehr das Automatik-Getriebe auf „N“ gestellt und das Auto hat sich durch ein Assistenz-System und Rekuperation automatisch abgebremst und gleichzeitig aufgeladen.
Felix Egolf ist ein „Hypermiler“. So heißen Autotester, die mit dem Ziel eines tiefstmöglichen Verbrauchs und höchstmöglicher Reichweite unterwegs sind.

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Akku des VW ID.3 leert sich: Die letzten Kilometer sind wie ein Krimi

Am Anfang der Fahrt ist die Stimmung noch entspannt und Felix Egolf spricht in dem Pressebericht über die Vorteile der gemütlichen Fahrweise durch das Hypermiling: „Man nimmt die Umgebung bewusster wahr und sieht mehr. Die Entschleunigung tut gut. Sie macht den Kopf frei.“ Doch schon nach 87 Kilometern steigt die Spannung: Die Reichweiten-Anzeige steht auf 346 Kilometer, bis zum geplanten Ziel sind es aber noch 444 Kilometer. Kann der Hypermiler die zusätzlichen 100 Kilometer noch schaffen? Gewusst hat es bis zum Abschluss der Rekordfahrt wohl niemand.

Als die Schweizer Grenze näher rückt und die Restenergie immer knapper wird, fühlt sich das Ganze langsam wie ein Krimi an. Vorsorglich wurde schon einmal recherchiert, wo die nächste Ladestation steht. Doch der Hypermiler vertraut seinem Instinkt und fährt auch nach der Grenze unbeirrt weiter, obwohl die Batterie-Leistungsanzeige inzwischen bei zwei Prozent steht und das Ziel immer noch mehrere Kilometer entfernt liegt. Die Spannung wird fast unerträglich. Nur noch wenige Kilometer trennen den VW ID.3 vom Ziel. Doch der der Akku hat gehalten, wie es Felix Egolf vermutet hat. Die Strecke von insgesamt 531 Kilometern hat der Elektro-VW in gut neun Stunden geschafft. So weit ist bisher noch kein ID.3 mit nur einer Akkuladung gefahren. (nh) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Volkswagen Newsroom

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