Besuch im neuen Volkswagen-Werk in Polen

Die modernste Autofabrik Europas

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Reporter Marc Kniepkamp am Produktionsband im VW-Werk Wrzesnia.

Die Hoffnung ist zurück bei Volkswagen. Statt sich über Milliardenstrafen zu ärgern, durften sich die Wolfsburger am Montag über eine geglückte Investition von 800 Millionen Euro freuen. 

Im westpolnischen Wrzesnia (50 Kilometer von Posen entfernt) hat VW seine neue Crafter-Fabrik eröffnet – nach einer Rekordbauzeit von nur 23 Monaten. Unser Reporter Marc Kniepkamp war bei der Eröffnung dabei und schildert Ihnen die ersten Eindrücke aus dem neuen Werk, und warum VW auf ein neues Modell setzt:

Automobilwerke sind groß – immer. Meist geht es an den Bändern aber so geschäftig zu, dass dem Besucher die schiere Dimension des Werks gar nicht so recht bewusst wird. Im neuen VW-Werk im polnischen Wrzesnia ist das anders – noch. Wer durch die mächtigen Hallen schlendert, erfährt die Größe des gerade erst eröffneten Gebäudes hautnah. Denn bisher arbeitet hier erst eine Schicht, die weitläufigen Gänge in dem knapp ein Kilometer langen und 500 Meter breiten Gebäude sind leer, nur vereinzelt trifft man auf Arbeiter, die hier am Hoffnungsträger des Volkswagen-Konzerns schrauben.

Der neue VW Crafter im Lichttunnel.

Mit dem VW Crafter wagt der Wolfsburger Konzern einen Schritt in die Unabhängigkeit. Bisher hatte das Unternehmen seinen Kleintransporter Crafter bei Daimler bauen lassen, auf Basis des Mercedes Sprinter. „Damit waren wir ein Stück weit von der dynamischen Entwicklung dieses Markts abgeschnitten“, beklagte sich Eckhard Scholz, der im VW-Vorstand für die leichten Nutzfahrzeuge zuständig ist. Scholz weiter: „Der innenstädtische Verkehr lebt von diesen Fahrzeugen“ – und ihre Bedeutung werde mit dem Wachstum des Onlinehandels in Zukunft weiter zunehmen.

An diesem Wachstum will Volkswagen teilhaben – und hat dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt . Im Alleingang hat der Konzern den neuen Crafter entwickelt und nebenbei in Rekordzeit – eigens für das neue Modell – das Werk in Wrzesnia hochgezogen. Nur 23 Monate sind zwischen der Grundsteinlegung und der Eröffnung am Montag vergangen – normalerweise müsste man mindestens 30 Monate Bauzeit veranschlagen.

Dafür mussten auf dem 220 Hektar großen Gelände zu Spitzenzeiten 3500 Menschen auf der Baustelle arbeiten. 50.000 Kipplasterfahrten waren nötig, um eine Millionen Kubikmeter Erde zu bewegen, 4000 Befestigungspfähle wurden 16 Meter tief in den Boden gerammt. Jens Ocksen, Vorstandschef von Volkswagen Poznan: „Als ich mit dem Sohn polnischer Freunde die Baustelle besichtigt habe, fragte der seine Eltern: ,Baut Onkel Jens hier eine neue Stadt?’“

Werkseröffnung: Modernste Fabrik für den neuen VW Crafter. Das Werk in Wrzesnia ist so groß wie 300 Fußballplätze.

Am Ende hat Volkswagen im westlichen Polen etwa 800 Millionen Euro investiert – die größte ausländische Investition in Polen überhaupt. Die soll sich schon bald bezahlt machen: 100.000 Crafter und bau gleiche MAN TGE sollen hier vom Band rollen. Die neue Freiheit vom Kooperationspartner Daimler führt dazu, dass VW jetzt insgesamt 69 Derivate anbieten kann. „Bei den Nutzfahrzeugen ist schließlich fast jedes Fahrzeug eine Speziallösung“, erklärt Scholz. Drei unterschiedliche Antriebsarten, vier Motorvarianten, drei verschiedene Längen von bis zu 7,391 Metern und drei unterschiedliche lassen viele mögliche Nutzungsarten zu – vom Krankenwagen bis zum Kurierfahrzeug.

Bis 2018 sollen 3000 Menschen in dem Werk arbeiten.

Die volle Kapazität von 100.000 Fahrzeugen wird das Werk aber wohl erst im Jahr 2018 erreichen. Anfang des kommenden Jahres soll die zweite Schicht ihren Dienst antreten, insgesamt sollen dann bereits 50.000 bis 60.000 Crafter das Werk verlassen. Um diese Fahrzeuge dann auch an den Mann zu bringen, setzt VW auf sein vorhandenes Kundenpotenzial: „Wir haben das größte Vertriebsnetz für leichte Nutzfahrzeuge in Europa – das müssen wir jetzt nutzen“, fordert VW-Vorstand Scholz.

In Wrzesnia sind sie froh, dass VW seine Chance in Polen sucht: „Für unsere Stadt ist das ein Wendepunkt“, sagt Bürgermeister Tomasz Kałuzny. Kein Wunder – nicht nur VW schafft neue Jobs, auch fünf weitere Zulieferer haben sich angesiedelt.

Marc Kniepkamp

Neuer VW Crafter: Vielfalt am Arbeitsplatz

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