Wolf im Schafspelz

Der neue Nissan GT-R 2011: Er wurde von HNA-Leser Ralf Thiemann getestet.

„Los geht’s“, sagt Ralf Thiemann, drückt den Startknopf und rollt mit dem 1,8 Tonnen schweren Viersitzer entspannt vom Hof auf die Leipziger Straße. Der 56-Jährige aus Kassel testet heute den neuen Nissan GT-R vom Autohaus Damm – und der ist ein echter Wolf im Schafspelz.

Noch schleicht der optisch eher an ein flottes Sportcoupé erinnernde Japaner gemütlich durch den Feierabendverkehr. Doch wenn Thiemann den „Rallye-Modus“ anwählt, könnte er an der Ampel jeden Porsche stehenlassen, denn der GT-R versteckt 530 PS unter der Haube und beschleunigt laut Nissan in rekordverdächtigen 3,0 Sekunden von null auf Tempo 100. „Nach 530 PS sieht der gar nicht aus“, sagt Thiemann und fährt neugierig auf die A 49 Richtung Fritzlar.

Im Rallyemodus zeigt der zum Modelljahr 2011 überarbeitete Nissan sein wahres Können: Fahrwerk und Stoßdämpfer werden straffer, das automatische Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet in 0,2 Sekunden und erzeugt in der 3,8-Liter-V6-Maschine ein maximales Drehmoment von 612 Newtonmetern. Sobald das Tempolimit bei Baunatal aufgehoben ist, schaltet Ralf Thiemann in den Rallye-Modus und tritt beherzt aufs Gadpedal. Sofort überträgt sich die brachiale Kraft der zwei Turbolader ins Cockpit und drückt den Testpiloten in seinen Ledersitz. „Wahnsinn!“, ruft Thiemann, der 20 Jahre lang im Rennsport aktiv war und privat ein 300-PS-Auto fährt. „Aber so einen Leistungsunterschied hätte ich niemals erwartet“, staunt er, „selbst bei über 250 geht’s noch kräftig vorwärts“. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 315 km/h möchte er aus Sicherheitsgründen nicht auf der Autobahn überprüfen, sagt er und nimmt die nächste Ausfahrt.

Der neue Nissan GT-R 2011

Porsche-Schreck aus Japan: HNA-Leser testet Nissan GT-R

Auch wenn Leistung bei einem Supersportler im Vordergrund steht, möchte Thiemann das Fahrzeug auch in der Stadt ausprobieren. Der Wendekreis sei etwas groß, die Sicht nach hinten leicht eingeschränkt, bemerkt er anschließend. „Aber welcher Sportwagen hat schon eine gute Rundumsicht?“, fragt Thiemann augenzwinkernd. Groß gewachsene Menschen würden sich außerdem auf den beiden Rücksitzen den Kopf an der Heckscheibe stoßen, für Kinder sei der Platz jedoch ausreichend. „Im Kofferraum ist genügend Platz, um zu zweit mit Gepäck in den Urlaub zu fahren“, sagt er. Das Interieur überzeugt ihn bis auf die versteckten Türgriffe innen, die Verarbeitung sei insgesamt aber prima.

Kurz bevor er aussteigt, widmet sich Ralf Thiemann noch einem technischen Highlight, für das er während der Fahrt keinen Blick hatte: dem Bordcomputer. Auf dem Bildschirm im Armaturenbrett lassen sich zahlreiche Fahrzeugeinstellungen wie Turboladedruck, Motortemperatur und Drehmomentverteilung abrufen. „Wie auf der Playstation“, sagt Thiemann. Für Menschen, die den Rennsport bisher nur von der Spielkonsole kennen, sei der GT-R jedoch nichts: „An die Kraft muss man sich erst gewöhnen“.

Von Sebastian Schaffner

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