Im Büro

Haben Sie es schon erlebt? Alkohol am Arbeitsplatz: So groß ist das Problem wirklich

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Bis zu zehn Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sollen ein Alkoholproblem haben.

Es könnte den überforderten Azubi ebenso treffen wie den hoch bezahlten Firmenchef. Wenn Sie dieses Verhalten an einem Kollegen beobachten, greifen Sie früh ein.

Eine Verwaltungsangestellte ist mit ihrer Position als Gruppenleiterin überfordert, versucht, sich mit Alkohol zu stärken und arbeitet dadurch nur noch schlechter. Über ihr Verhalten wird in der Kaffeeküche gelästert, das Team funktioniert nicht mehr. Solche Fälle gibt es in Deutschland häufiger, als Sie glauben.

Erhebliche Ausmaße von Alkohol am Arbeitsplatz

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vermutet, dass bis zu zehn Prozent der Arbeitenden in Deutschland zu viel Alkohol trinken. Das betrifft Auszubildende ebenso wie Firmenchefs. In der Gesamtbevölkerung sind es etwa 15 Prozent. "Wir haben es mit erheblichen Ausmaßen zu tun. Es ist wichtig zu handeln - für Betriebe und für uns als Gesellschaft", betont Peter Raiser von der DHS.

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Wer ist von Alkohol am Arbeitsplatz betroffen? 

Mitarbeiter wie Vorgesetzte seien gleichermaßen betroffen, sagt die Leitende Ärztin der Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Dienste in Dortmund Adelheid Kraft-Malycha. Womöglich würde Alkohol am Arbeitsplatz begünstigt, wenn der Job sehr stressig ist oder man leicht Zugang zu Rauschmitteln hat, zum Beispiel in Kliniken, in der Gastronomie oder in der Nahrungsmittelproduktion. Alkoholbedingte Fehler haben dagegen vor allem bei sensiblen Tätigkeiten und in Hochsicherheitsbereichen gravierende Folgen.

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Alkohol am Arbeitsplatz ist ein Sicherheitsrisiko

Ist Ihr Kollege ohne erkennbaren Grund aufbrausend, vielleicht sogar beleidigend gegenüber Kunden? Das könnte ein Hinweis sein. Auch das äußere Erscheinungsbild kann sich ändern von ungepflegt bis überkandidelt, sagt Kraft-Malycha. Suchtexperte Raiser stellt klar: "Alkohol am Arbeitsplatz ist ein Sicherheitsrisiko. Schon geringe Mengen führen zu sinkender Konzentration, zu abnehmender Leistungsfähigkeit und erschweren die Koordination." Die Qualität der Arbeit leide natürlich, die Unfallgefahr, vor allem beim Bedienen von Fahrzeugen und Maschinen, steige.

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Kosten im zweistelligen Milliardenbereich wegen alkoholbedingter Fehltage

Sie als Kollegen müssen die Ausfälle des trinkenden Kollegen ständig auffangen und Fehler ausbügeln. Mitarbeiter mit Alkoholproblemen haben, laut Raiser, viel mehr Fehltage als andere. Das verursache im Jahr Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe - vor allem durch den Produktionsausfall und die Ausgaben im Gesundheitswesen.

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Bewusstsein für Problem von Alkohol am Arbeitsplatz wächst

Alkohol werde während der Arbeitszeit zu oft toleriert, findet Kraft-Malycha. Zum Beispiel werde bei Geschäftsessen häufig getrunken oder in der Kaffeeküche auf Geburtstage und Jubiläen angestoßen. "Alkohol hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen", sagt die Arbeitsmedizinerin. Sie plädiert für 0,0 Promille am Arbeitsplatz. "Das ist geboten, wenn man qualitativ hochwertige Arbeit machen will." Schon ein Glas Sekt oder Bier verlangsame die Funktion des Gehirns.

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Bei Alkohol am Arbeitsplatz nicht wegsehen

Doch immer mehr Firmen hätten die Problematik erkannt und das Bewusstsein dafür wachse. Raiser appelliert: "Wenn Ihnen im Betrieb auffällt, dass jemand heimlich trinkt, sprechen Sie es an - je früher, desto besser." Denn oft ziehen sich "Trinker-Karrieren" über Jahre hinweg, bevor interveniert wird. Je höher die Hierarchie-Ebene des Trinkenden, desto länger werde um den heißen Brei herumgeredet, schreibt die Boulevardzeitung Express.

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Barkeeper: Vom Berufsrisiko Sucht und der Liebe zur Nacht

Handwerk und Kreativität: Nicht nur Cocktail-Klassiker stehen in der Berliner Bar Velvet auf der Karte, auch Eigenkreationen von Barkeeper Ruben Neideck. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
Handwerk und Kreativität: Nicht nur Cocktail-Klassiker stehen in der Berliner Bar Velvet auf der Karte, auch Eigenkreationen von Barkeeper Ruben Neideck. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn © Alexander Heinl
Berufsrisiko Sucht: Viele Barkeeper haben Probleme mit dem Alkohol, sagt Ruben Neideck. Überkonsum versucht er deshalb zu vermeiden. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
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Geheimnishüter: Wer wie Ruben Neideck hinter der Bar steht, hört tendenziell alles - auch das, was er eigentlich nicht hören sollte. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
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Reichlich Erfahrung: Seit elf Jahren arbeitet Ruben Neideck als Barkeeper. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
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Immer im Mittelpunkt: Barkeeper Ruben Neideck, hier an seinem Arbeitsplatz in der Berliner Bar Velvet, sieht sich vor allem als Gastgeber. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn
Immer im Mittelpunkt: Barkeeper Ruben Neideck, hier an seinem Arbeitsplatz in der Berliner Bar Velvet, sieht sich vor allem als Gastgeber. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn © Alexander Heinl

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