Fristlose Kündigung im Arbeitsrecht

Außerordentliche Kündigung: Was sie bedeutet und wann sie zum Einsatz kommt

Bei einer außerordentlichen Kündigung entfallen die normalen Kündigungsfristen. Um sie durchzusetzen, braucht es aber einen guten Grund. Hier gibt es die Infos.

Ein Arbeitsverhältnis kann auf mehrere Arten enden: Es kann auslaufen, indem die Laufzeit des Arbeitsvertrages ihr Ende erreicht, es kann aktiv unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen vom Arbeitnehmer oder Arbeitgeber beendet werden und es kann fristlos aufgekündigt werden. In letzterem Fall spricht der Gesetzgeber von einer außerordentlichen Kündigung*, umgangssprachlich wird auch oft der Begriff der fristlosen Kündigung verwendet. Dabei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine Kündigung ohne die Einhaltung der normalerweise vorgeschriebenen gesetzlichen Fristen.

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Was ist eine Außerordentliche Kündigung?

Eine ordentliche Kündigung fällt unter die gesetzliche Kündigungsfrist. Kündigt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer, so ist die Kündigungsfrist von der Zeit, die der Arbeitnehmer bisher in dem Unternehmen gearbeitet hat, abhängig. Kündigt dagegen der Arbeitnehmer, gilt eine Kündigungsfrist von vier Wochen bis zum 15. des Folgemonats oder Monatsende. Bei einer außerordentlichen Kündigung entfallen diese Fristen – daher auch der Name. Das Arbeitsverhältnis endet in diesem Fall sofort.

Dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Sie sind vom Gesetzgeber genau formuliert. So gibt es bestimmte Anlässe, die dem Arbeitnehmer ermöglichen, fristlos zu kündigen, und solche, die es dem Arbeitgeber ermöglichen, seinen Arbeitnehmer fristlos zu entlassen.

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Eine außerordentliche Kündigung kann auch finanziell äußert schmerzhaft sein.

Diese Gründe rechtfertigen eine außerordentliche Kündigung

Grundsätzlich kommt eine außerordentliche Kündigung immer dann infrage, wenn ein Weiterarbeiten, beziehungsweise ein Fortsetzen des Arbeitsverhältnisses bis zum Ende der Kündigungsfrist unmöglich oder unzumutbar ist. Das ist der Fall, wenn für eine der beiden Seiten bestimmte Umstände gelten, man spricht hier auch von einem wichtigen Grund. Hier ein paar Beispiele:

  • Außerordentliche Kündigung vom Arbeitnehmer: Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer ist gerechtfertigt, wenn diesem im Arbeitsumfeld Belästigung widerfährt oder die Arbeitsschutzbestimmungen grob vernachlässigt werden. Auch ein erheblicher Verzug bei den Gehaltszahlungen ist ein wichtiger Grund, der eine fristlose Kündigung vonseiten des Arbeitnehmers rechtfertigt.
  • Außerordentliche Kündigung vom Arbeitgeber: Die Gründe, weswegen der Arbeitgeber außerordentlich kündigen darf, sind in drei Kategorien eingeteilt: verhaltensbedingt, personenbedingt und betriebsbedingt. Eine verhaltensbedingte Kündigung ist zum Beispiel angebracht, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen betrügt oder sabotiert, sich rassistisch oder beleidigend gegenüber Kunden oder Kollegen äußert, bei Krankschreibungen betrügt oder mit wiederholten Arbeitszeitverstößen wie ständigem Zuspätkommen auffällt. Eine personenbedingte Kündigung ist gerechtfertigt, wenn zum Beispiel eine äußerst lang anhaltende Krankheit des Arbeitnehmers vorliegt oder wenn dieser eine Freiheitsstrafe verbüßt. Bei einer betriebsbedingten Kündigungen muss der Arbeitgeber beweisen, dass es ihm unmöglich ist, den Mitarbeiter weiter zu beschäftigen.

Für eine außerordentliche Kündigung muss es also schon starke Verfehlungen von einer der beiden Seiten gegeben haben. Doch selbst dann ist ein rechtliches Vorgehen gegen die fristlose Kündigung nicht ausgeschlossen. Natürlich kann auch diese angefochten werden – zum Beispiel mit einer Kündigungsschutzklage. Je nachdem, wie ein sich daraus entwickelnder Rechtsstreit schließlich ausgeht, kann es für die verlierende Seite ziemlich teuer werden. (fh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Kündigung des Arbeitsvertrags: Die wichtigsten Fakten, die jeder kennen sollte

Bei einer Kündigung des Arbeitsvertrags gibt es viele rechtliche Fallstricke zu beachten - egal ob sie vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer aus erfolgt.
Bei einer Kündigung des Arbeitsvertrags gibt es viele rechtliche Fallstricke zu beachten - egal ob sie vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer aus erfolgt. © Patrick Pleul / dpa
Ein Arbeitsvertrag muss immer schriftlich gekündigt werden, und zwar mit einer Original-Unterschrift und dem vollen Namen. E-Mail, Textnachricht oder Fax reichen hier nicht aus.
Ein Arbeitsvertrag muss immer schriftlich gekündigt werden, und zwar mit einer Original-Unterschrift und dem vollen Namen. E-Mail, Textnachricht oder Fax reichen hier nicht aus. © Jan-Philipp Strobel / dpa
Wie lange die Kündigungsfrist dauert, können Arbeitnehmer ihrem Arbeitsvertrag entnehmen. Laut Gesetz beträgt sie jedoch mindestens vier Wochen. Während der Probezeit gilt eine kürzere Kündigungsfrist von zwei Wochen. Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber verlängert sich je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters.
Wie lange die Kündigungsfrist dauert, können Arbeitnehmer ihrem Arbeitsvertrag entnehmen. Laut Gesetz beträgt sie jedoch mindestens vier Wochen. Während der Probezeit gilt eine kürzere Kündigungsfrist von zwei Wochen. Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber verlängert sich je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters. © Patrick Pleul / dpa
Wer kündigen will, sollte seine Kündigung dem Chef oder der Personalabteilung persönlich übergeben oder per Post verschicken - am besten per Einschreiben.
Wer kündigen will, sollte seine Kündigung dem Chef oder der Personalabteilung persönlich übergeben oder per Post verschicken - am besten per Einschreiben. © Monika Skolimowska / ZB / dpa
Kann ich eine Kündigung auch zurückziehen? Ja, aber nur wenn sie der Vorgesetzte noch nicht gelesen hat. Dann müssen Sie die Kündigung schriftlich widerrufen
Kann ich eine Kündigung auch zurückziehen? Ja, aber nur wenn sie der Vorgesetzte noch nicht gelesen hat. Dann müssen Sie die Kündigung schriftlich widerrufen. © Patrick Pleul / dpa
Der Kündigung durch den Arbeitgeber muss in der Regel eine Abmahnung vorausgehen. Drei Abmahnungen, wie oft angenommen wird, sind dafür nicht nötig.
Der Kündigung durch den Arbeitgeber muss in der Regel eine Abmahnung vorausgehen. Drei Abmahnungen, wie oft angenommen wird, sind dafür nicht nötig. © Robert Schlesinger / dpa Zentralbild / dpa
Bei Kündigungen unterscheidet man zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen bzw. fristlosen Kündigung. Eine ordentliche Kündigung erfolgt mit einer Kündigungsfrist. Die Gründe können vielschichtig sein - von betriebsbedingten Gründen bis hin zu Arbeitsverweigerung oder Alkoholkonsum am Arbeitsplatz.
Bei Kündigungen unterscheidet man zwischen einer ordentlichen und einer außerordentlichen bzw. fristlosen Kündigung. Eine ordentliche Kündigung erfolgt mit einer Kündigungsfrist. Die Gründe können vielschichtig sein - von betriebsbedingten Gründen bis hin zu Arbeitsverweigerung oder Alkoholkonsum am Arbeitsplatz. © Tobias Hase/ dpa
Wer den Arbeitgeber bestiehlt oder andere "erhebliche" Pflichtverstöße begeht, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen.
Wer den Arbeitgeber bestiehlt oder andere "erhebliche" Pflichtverstöße begeht, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen. © Jens Büttner / dpa
Wer eine Kündigung in seinem Briefkasten vorfindet, der sollte sofort einen Anwalt einschalten. Nicht selten sind Kündigungen, etwa auf Grund von Formfehlern, unwirksam.
Wer eine Kündigung in seinem Briefkasten vorfindet, der sollte sofort einen Anwalt einschalten. Nicht selten sind Kündigungen, etwa auf Grund von Formfehlern, unwirksam. © Jens Kalaene / dpa
Egal ob die Kündigung rechtswirksam ist oder nicht: Melden Sie sich im Falle einer Kündigung schnellstmöglich bei der Agentur für Arbeit. Sonst droht eine Sperrzeit für das Arbeitslosengeld und es können Lücken im Versicherungsschutz entstehen.
Egal ob die Kündigung rechtswirksam ist oder nicht: Melden Sie sich im Falle einer Kündigung schnellstmöglich bei der Agentur für Arbeit. Sonst droht eine Sperrzeit für das Arbeitslosengeld und es können Lücken im Versicherungsschutz entstehen. © Jens Kalaene / ZB / dpa

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