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Gender-Pay-Gap: Traurig – bereits nach dem Abitur rechnen Frauen mit weniger Gehalt

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Von: Anna Heyers

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Schon nach dem Abitur erwarten Frauen, dass sie im Berufsleben weniger verdienen als männlichen Kollegen – so das traurige Ergebnis einer aktuellen Studie. 

Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) haben kürzlich die Einkommens-Erwartungen junger Menschen nach dem Abitur untersucht. Dabei haben sie die Zahlen des Berliner-Studienberechtigten-Panels (Best Up) als Basis genommen.

Gender-Pay-Gap: Frauen bekommen weniger Gehalt

Von wegen „gleiche Chancen für alle“. In der Praxis ist das noch immer eine reine Wunschvorstellung – besonders, wenn es um die Gehälter von Frauen und Männern geht. 2021 lag der sogenannte Gender-Pay-Gap (durchschnittlicher prozentualer Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern) bei immer noch 18 Prozent. Und genau dieser Umstand hat sich einer aktuellen Studie zufolge schon so sehr bei jungen Frauen festgesetzt, dass es deutlich in den Gehaltserwartungen sichtbar ist. Nach dem Abitur rechnen Frauen daher mit einem niedrigeren Gehalt als Männer.

Abiturientinnen erwarten 15,7 Prozent weniger Geld als Abiturienten

Ihr monatliches Nettoeinkommen schätzen laut Studie Abiturientinnen durchschnittlich um 15,7 Prozent niedriger ein als ihre männlichen Mitschüler. Das zeigen die Ergebnisse des Berliner-Studienberechtigten-Panels (Best Up) deutlich. Bei dieser Studie wurden Jugendliche nach Oberstufen-Abschluss gefragt, welche Gehaltserwartungen sie im Alter von 35 Jahren für einen Vollzeitjob haben.

Hat die Gender-Pay-Gap etwas mit dem Hochschul-Abschluss zu tun?

Laut Studie spielt auch der Schulabschluss eine Rolle. Nach einem Masterstudium rechnen junge Frauen mit einem um 13,8 Prozent geringeren Einkommen als ihre männlichen Kommilitonen, beim Bachelor-Abschluss liegt der selbst prognostizierte Gehaltsunterschied sogar bei 18,7 Prozent. Frauen, die eine Berufsausbildung abschließen, erwarten einen Gender-Pay-Gap von vergleichsweise geringen 13 Prozent.

Geringe Einkommenserwartung prägt die eigene Karriere

Frauen, die schon nach dem eigenen Schulabschluss von weniger Erwerb ausgehen als Männer, haben zum Teil damit ein ganzes Berufsleben zu kämpfen. „Das tatsächliche Einkommen kann durch Einkommenserwartungen stark beeinflusst werden“, warnt Andreas Leibing, Co-Herausgeber der Studie und Doktorand in der DIW-Abteilung Bildung und Familie.

Das tatsächliche Einkommen kann durch Einkommenserwartungen stark beeinflusst werden.

Andreas Leibing, Co-Herausgeber der Studie

Das liegt auch daran, dass Frauen meistens vorsichtiger in die Gehaltsverhandlungen gehen. Schließlich erwarten sie sowieso geringere Zahlungen. Gerade Einstiegsgehälter sind hier herauszuheben, da diese oft richtungsgebend fürs spätere Einkommen sind, meinen die Herausgeber der Studie. Auch warnen sie davor, dass Jobs, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, durch niedrigere Gehaltsvorstellungen für Frauen ein Studium unattraktiv machen könnten.

Eine junge Frau in Jeans sortiert ein Buch in einer vollen Bücherwand, einem vollen Regal ein.
Ob junge Frauen studieren oder nicht, hängt auch von ihren Gehaltserwartungen ab. © stock&people/Imago

Übrigens: Um viel zu verdienen, ist nicht immer ein Studium nötig. Schließlich gibt es ein paar Jobs, die als unbeliebt gelten, in denen man aber gutes Geld verdienen kann.

Familiengründung mit Hauptursache für niedrige Einkommenserwartungen

Gerade bei den jüngeren Menschen haben sich die Gehälter von Frauen und Männern immer mehr angeglichen. Bei den Altersgruppen ab 30 Jahren ist die Gender-Pay-Gap immer noch hoch. Ein Grund dafür ist die Phase der Familiengründung für viele Frauen. Die Studie zeigt: Fast die Hälfte (43 Prozent) der analysierten Gender-Pay-Gap ergaben sich aus den Lohneinbußen, die Frauen im Laufe neuer, familiärer Aufgaben erwarten. Leibing: „Das bedeutet, dass Frauen, die sich neben dem Beruf genug Zeit für die Familie wünschen, deutlich niedrigere Einkommenserwartungen haben“, erklärt Leibing. Männer haben diese Erwartung nicht.

[...], dass Frauen, die sich neben dem Beruf genug Zeit für die Familie wünschen, deutlich niedrigere Einkommenserwartungen haben.

Andreas Leibing, Co-Herausgeber der Studie

Zwar wünschen sich Männer und Frauen gleichermaßen gemeinsame Zeit mit der Familie, Männer sehen darin aber keinen Konflikt mit ihrer Karriere. Das zeigt deutlich, das Frauen – im Gegensatz zu Männern – immer davon ausgehen, dass Familie gegen Erwerb aufgewogen werden muss.

Wegen geringerer Gehaltserwartung: Junge Frauen fangen seltener ein Studium an

Schon nach dem Abitur schließen junge Frauen die ersten Karrieren für sich aus. Hauptgrund dafür ist zum Beispiel, dass sie glauben, es zahlt sich finanziell nicht aus. Männer glauben hier nicht, dass sie Kompromisse für ihr Ziel eingehen müssen. Das ist besonders schade, denn bestimmt Berufsgruppen gehören zu den Bestverdienern in Deutschland.

Die Studie macht so deutlich, dass die Familien- und die Karriereplanung und die Bildungsentscheidungen mit dem erwarteten Gehalt in enger Verbindung stehen. Hier wäre es am besten, dass in den Schulen rechtzeitig vor dem Abschluss der Hochschule darüber informiert wird, wie sich Beruf und Familie ohne Gehaltseinbußen vereinbaren lassen. Das wünsch sich auch Co-Studienherausgeber Andreas Leibing.

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