Experten warnen

Corona, Kinder, Chaos: Bei berufstätigen Eltern liegen die Nerven blank

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Daheim arbeiten - und daneben will das Kind beschäftigt sein? Keine leichte Aufgabe.

In der Corona-Krise sind berufstätige Eltern oft komplett überfordert. Experten schlagen Alarm.

  • Die Corona-Krise wird für Arbeitnehmer mit Kindern schnell zur Leidensphase.
  • Einer Umfrage zufolge stehen Alleinerziehende ohnehin stark unter Druck.
  • Die Situation wird sich durch die Corona-Krise verschärfen, warnen Experten.

Berufstätige Eltern wegen Corona unter Druck

Die Corona-Krise* bedeutet für Eltern, die arbeiten müssen und derzeit keine Kinderbetreuung haben, vor allem eines: Stress. Schon ohne Corona stehen Alleinerziehende laut einer Forsa-Umfrage der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) deutlich mehr unter Stress als andere Eltern. Fast jeder zweite Alleinerziehende (46 Prozent) steht demnach ständig unter Druck.

Jetzt in der Corona-Krise, warnen die Experten, dürfte sich das Problem weiter verschärfen - denn wohin mit den Kindern, wenn Kitas und Schulen geschlossen* sind und man selbst arbeiten muss? Die Krankenkasse betont laut einer Mitteilung: "Die ohnehin schon größte Herausforderung für Eltern, nämlich Familien, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wird sich jetzt in der Corona-Krise noch zuspitzen."

Umfrage: Alleinerziehende wünschen sich finanzielle Hilfe

Laut der Umfrage wünschen sich gerade alleinerziehende Mütter und Väter zusätzliche finanzielle Hilfen (71 Prozent), mehr Anerkennung vom Arbeitgeber sowie mehr Unterstützung bei der Kindererziehung von ihrem Ex-Partner beziehungsweise von den Angehörigen (39 Prozent). "In Zeiten von Corona dürfte dies jedoch schwierig werden", so die Prognose.

Die KKH rät Eltern dennoch, die Ruhe zu bewahren und die Situation mit dem Arbeitgeber zu besprechen. Viele Unternehmen hätten bereits individuelle Regelungen für Beschäftigte getroffen, die ihre Kinder wegen Kita- und Schulschließungen betreuen müssen. Fakt sei: "Wenn der Vertrag es nicht ausschließt, muss der Arbeitgeber in solchen Fällen das Gehalt für wenige Tage weiterzahlen. Aber, so die KKH: "Bleiben Betreuungseinrichtungen länger geschlossen, haben Eltern allerdings keinen Anspruch mehr auf eine bezahlte Freistellung."

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Tipp: Mit Arbeitgeber über Überstundenabbau sprechen

Alternativ könnten Mütter und Väter kurzfristig Urlaub nehmen, schildert die KKH die Rechtslage - "bezahlt oder im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber unbezahlt - oder etwa über Überstundenabbau die Betreuung ihrer Kinder im Anschluss an die ersten Tage sicherstellen".

In manchen Branchen könnten Eltern zudem flexible Arbeitszeitregelungen vereinbaren, so der Tipp. Oder sie arbeiten derzeit im Home Office* - was nach Schilderungen von Eltern wahrlich oft alles andere als einfach ist, wenn gleichzeitig die Kinder zu Hause beschäftigt werden wollen.

Eine neue Hilfsmaßnahme für Eltern, die wegen der Kita- und Schulschließungen im Zuge der Corona-Krise zu Hause bleiben, hat das Bundeskabinett zudem am Montag beschlossen: Der Staat will nun Entschädigung zahlen, wenn Familien deshalb Einkommen einbüßen. Die Regelung ist Teil eines großen "Sozialschutzpakets".

Neue Hilfen für Eltern beschlossen

Eltern von Kindern bis 12 Jahren, die wegen der angeordneten Schul- und Kitaschließungen zu Hause bleiben müssen und dadurch Einkommen verlieren, bekommen Anspruch auf Entschädigung vom Staat, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Gezahlt werden sollen 67 Prozent des Nettoeinkommens, aber maximal 2016 Euro im Monat für eine Dauer von höchstens sechs Wochen. Anspruch haben nur diejenigen Eltern, die "keine anderweitige zumutbare Betreuung" finden. Keinen Anspruch haben Erwerbstätige, die Kurzarbeitergeld bekommen oder andere Möglichkeiten haben, ihrer Arbeit "vorübergehend bezahlt fernzubleiben", zum Beispiel durch Abbau von Überstunden.

Unterstützung durch Kinderzuschlag

Familien mit geringem Einkommen bekommen in Deutschland bis zu 185 Euro Kinderzuschlag pro Monat und Kind - nicht zu verwechseln mit dem Kindergeld, das alle bekommen. Ob jemand Kinderzuschlag bekommt, hängt vom Einkommen ab. Bisher wurden die letzten sechs Monate zugrunde gelegt. Nun soll nur der letzte Monat zählen. So sollen Eltern mit abrupt wegbrechendem Einkommen auch an die Leistung kommen.

Kinderkrankengeld für Alleinerziehende bis zu 20 Tage

Die KKH rät zudem: "Sollte ein Kind tatsächlich erkranken, können sich berufstätige Eltern bis zu zehn Tage - alleinstehende Mütter und Väter jeweils bis zu 20 Tage - unentgeltlich von der Arbeit befreien lassen." Dafür bekommen sie von den gesetzlichen Krankenkassen Kinderkrankengeld*, sofern das Kind unter zwölf Jahre alt ist und der Arzt eine Erkrankung sowie die notwendige Betreuung bescheinigt.

Und was tun, wenn das Kind älter ist? Für Kinder über zwölf Jahren gibt es das Kinderkrankengeld nicht, so der Sprecher der KKH-Patric Stamm auf Nachfrage. Hier müssten alternative Lösungen gefunden werden, so der Sprecher. Er empfiehlt, auf den Arbeitgeber zuzugehen und zum Beispiel eine Vereinbarung zu finden, wie sich die Arbeitszeit flexibler aufteilen lässt. "Hier gilt es, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, gemeinsam Wege zu finden, um die Krise zu überstehen."

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