Keine Lohnfortzahlung

Brisante Umfrage: Jeder zweite Ungeimpfte will seinem Arbeitgeber Quarantäne-Pflicht verschweigen

Die Streichung der Lohnfortzahlung für Ungeimpfte in Quarantäne ist nun auch bundesweit beschlossene Sache. Eine Umfrage zeigt, was Erwerbstätige von der Regelung halten.

Seit einigen Wochen diskutieren Politik und Interessenverbände über die Lohnfortzahlung für Corona-Ungeimpfte: Ist es gerechtfertigt, dass Impfverweigerer im behördlich angeordneten Quarantäne-Fall weiterhin Gehalt bekommen – oder nicht? Schließlich werden die Entschädigungszahlungen letztendlich durch Steuergelder finanziert. Baden-Württemberg hat die Lohnfortzahlung bereits gestrichen*, andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz ziehen in den nächsten Wochen nach. Jetzt ist auch eine bundesweite Regelung beschlossene Sache: Spätestens ab 1. November sollen die meisten Nicht-Geimpften keine Entschädigungszahlungen mehr bekommen.

Doch was halten Arbeitnehmer eigentlich von dieser Maßnahme – sei es geimpft oder ungeimpft? Die Jobplattform Indeed hat zusammen mit YouGov noch kurz vor der bundesweiten Regelung eine repräsentative Umfrage unter 2.216 Erwerbstätigen in Deutschland durchgeführt.

Ungeimpfte bekommen in Quarantäne vielerorts keine Lohnfortzahlung mehr. Viele Mitarbeite würden ihrem Chef deshalb die Quarantänepflicht verschweigen.

Corona: 6 von 10 Geimpften befürwortet Streichung der Lohnfortzahlung

Die Umfrageergebnisse zeigen zunächst, dass Deutschlands Erwerbstätige in Sachen Corona-Impfung dem Durchschnitt voraus sind: 77 Prozent der Befragten gaben an, bereits gegen Covid-19 geimpft zu sein, 3,5 Prozent haben es noch vor. Fünf Prozent sind noch unentschlossen, 13 Prozent sprechen sich gänzlich gegen eine Corona-Impfung von Biontech, Moderna & Co. aus.

Für Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens reicht dies jedoch nicht aus: Er empfindet es als zutiefst unsolidarisch, sich gegen eine Corona-Impfung zu entscheiden – obwohl inzwischen genügend Impfstoff zur Verfügung steht: „Viele Arbeitgeber und Berufstätige bereiten sich gerade auf den zweiten Corona-Herbst vor“, teilt er in einer Pressemitteilung mit. „Aus meiner Erfahrung steht dabei die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten in den allermeisten Fällen an erster Stelle. Es ist daher bedauerlich, dass eine kleine Minderheit der Berufstätigen nicht bereit ist, eine ähnliche Vorsicht walten zu lassen und offenbar sogar eine Gefährdung von Kollegen und Kolleginnen billigend in Kauf nimmt.“

Ein Großteil der Geimpften (66 Prozent) sieht es wohl ähnlich: Sie haben laut dem Umfrageergebnis kein Verständnis dafür, wenn sich Menschen nicht gegen das Virus impfen lassen wollen, das immerhin zu teils schweren Krankheitsverläufen bis hin zum Tod führt. Insofern ist es auch nicht überraschend, dass 6 von 10 Geimpften die Streichung der Lohnfortzahlung für Ungeimpfte im Quarantänefall befürworten.

Sollten Ihrer Meinung nach Ungeimpfte in Quarantäne weiterhin Lohnfortzahlung erhalten oder nicht?gesamtGeimpfteUngeimpfte
Ja, eher ja43%32%91%
Nein, eher nein48% 60% 5%

Quelle: Indeed

Lesen Sie auch: Keine generelle Impfauskunftspflicht – für bestimmte Branchen ist sie jedoch geplant.*

Streichung der Lohnfortzahlung motiviert nicht zur Impfung

Die entscheidende Frage ist jedoch: „Motiviert“ die Aussicht auf weniger Gehalt Impfverweigerer und Unentschlossene vielleicht doch noch, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen? Oder lassen sich diejenigen, die eine Immunisierung noch planen, dadurch schneller impfen? Auch darauf liefert die Umfrage eine eindeutige Antwort: 81 Prozent der Ungeimpften sagen: Nein! Nur 11 Prozent der Befragten würden sich durch diese Maßnahme umstimmen lassen.

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Die Hälfte der ungeimpften Arbeitnehmer würde Quarantäne vor Arbeitgeber verheimlichen

Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass die Streichung der Lohnfortzahlung möglicherweise einen negativen Effekt nach sich zieht: Laut der Befragung würde die Hälfte der ungeimpften Männer (50 Prozent) ihre behördlich angeordnete Quarantäne dem Arbeitgeber verschweigen. Bei Frauen sind es immerhin 39 Prozent. Die Ansteckungsgefahr würde sich so wieder erhöhen, vor allem für die unmittelbaren Kollegen am Arbeitsplatz. Ob der drohende Lohnausfall dafür der Hauptgrund ist oder ob andere Gründe für die Befragten hineinspielen, wird in der Umfrage jedoch nicht klar.

Auch von einer Corona-Impfplicht am Arbeitsplatz wären viele Ungeimpfte nicht begeistert. Laut einer früheren Umfrage würden 90 Prozent aller Nicht-Geimpften harte Konsequenzen ziehen.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch

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