Glück im Beruf

Warum immer mehr Menschen Jobs mit Sinn suchen

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Nicht nur junge Menschen sind auf der Suche nach einem Sinn in ihrer täglichen Arbeit.

Lange Zeit waren Sicherheit, Status und Gehalt die entscheidenden Kriterien von Arbeitssuchenden. Doch in den vergangenen Jahren ist Sinn zum zentralen Stichwort geworden.

Arbeitgeber sind mit einer mächtigen Herausforderung konfrontiert: Ihnen gehen die Mitarbeiter aus. Mittlerweile sind nicht nur etliche Ausbildungsberufe, beispielsweise in der Pflege oder in handwerklichen Berufen, betroffen. Auch Techniker, Meister und Akademiker fehlen immer häufiger. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen sehen dem ​Bundesministerium für Wirtschaft und Energie​ zufolge daher im Fachkräftemangel eine Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung.

Sinn wichtiger als Gehalt

Ein Grund für diesen Mangel ist unsere alternde Gesellschaft. Durch den demografischen Wandel kommen nicht mehr genug junge Menschen nach, um die vielen frei werdenden Stellen zu besetzen. Doch damit nicht genug: Auch die Prioritäten der Arbeitnehmer haben sich verändert. Mehr und mehr Absolventen und gut qualifizierte Auszubildende suchen nicht irgendeinen Job, der gut bezahlt ist, sondern etwas, das Sinn stiftet. Laut einer groß angelegten ​Studie des Karrierenetzwerkes Xing​ ist jeder Zweite hierzulande sogar bereit, für eine erfüllende Tätigkeit oder eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe weniger zu verdienen.

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Céline Iding, 26 Jahre alt, gehört zu dieser Gruppe an jungen hochqualifizierten Menschen, denen Sinn wichtiger ist als der reine Gehaltscheck am Ende des Monats. Der Weg der jungen Wahl-Berlinerin sah allerdings zunächst nach klassischer Karriere aus: Nach dem Einser-Abitur erhielt sie ein Stipendium der Studienstiftung und durchlief ein Förderprogramm für zukünftige Führungskräfte. Zum Ende ihres Studiums ging es zum Praktikum in eine Unternehmensberatung. Doch an dieser Stelle kamen bei Iding Fragezeichen auf: "Ich fand alles, was ich bis dahin erleben durfte, sehr spannend. Doch mit Blick auf meinen ersten richtigen Job nach dem Studium fragte ich mich: 'Wofür will ich meine Energie wirklich einsetzen?'"

Statt daraufhin weiter einen klassischen Karriereweg in einem großen Unternehmen zu gehen, arbeitet sie heute im Berliner Social Start-up SwitchUp.de. "Mir ist es wichtig zu wissen, warum ich jeden Tag ins Büro komme", erzählt sie. SwitchUp optimiert als sogenannter Tarifaufpasser die Strom- und Gastarife seiner Nutzer automatisch, damit einem nicht mehr zu viel berechnet wird, nur weil man keine Lust hat, sich Jahr für Jahr darum zu kümmern.

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Nicht nur junge Menschen suchen Sinn

Nicht nur junge Uni-Absolventinnen stellen Sinn mittlerweile in den Mittelpunkt bei der Jobwahl. In der Xing-Studie gab auch ein Drittel der 36- bis 45-Jährigen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an, mehr Wert auf den Sinn in ihrer Arbeit zu legen als auf das Entgelt. Und auch in den Altersklassen darüber ist Sinn zunehmend ein Thema. Entsprechend findet sich unter Idings Kollegen auch Christian Maith aus der Generation 50+. Er hat eigentlich Lichtgestaltung für Theater studiert, jahrelang erfolgreich, auch international gearbeitet. "Ich brauchte eine Auszeit vom Kunstbetrieb, einfach zu viele Egoismen, ich suchte irgendwas. Mit SwitchUp fand ich ein Team, mit dem ich richtig etwas bewegen und an einer neuen Form des Wirtschaftens mitwirken kann."

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Sinn als gemeinsamer Nenner

Den starken Wunsch, das "Warum" im eigenen Job zu kennen, kennt auch Paul Berg. Seine Firma ist eine der führenden Job-Seiten, die sinnsuchenden Menschen beim Finden des richtigen Unternehmens helfen. Diese Sinnfinder-Portale heißen tbd, NachhaltigeJobs.de oder das von Berg gegründete GoodJobs. Viele der Nutzer seiner Plattform seien Quereinsteiger wie Christian Maith: "Bei uns melden sich viele Menschen, die sagen: 'Der Jobtitel ist mir gar nicht so wichtig – am wichtigsten ist, dass meine Arbeit sinnvoll ist.'" So fand auch Lichtgestalter Maith über eines dieser Sinn-Portale in einen ganz anderen Aufgabenbereich: Er setzt sich nun im Kundenservice von SwitchUp mit viel Leidenschaft dafür ein, dass Stromkunden fair behandelt werden.

Paul Berg sieht, dass der Trend zu solchen sinngetriebenen Jobwechseln sich noch weiter verstärken wird in den kommenden Jahren. Er sieht klare Vorteile darin, auch für Arbeitgeber: "Teams, die ihre Kollegen nicht aufgrund von perfekt passender Expertise auswählen, sondern weil sie einen gemeinsamen Sinn verfolgen, sind diverser und dadurch häufig auch kreativer." Und vor allem erzeugen diese sinnstiftenden Unternehmen eine starke Anziehungskraft für die häufig sehr gut ausgebildeten Führungskräfte von morgen, die sich immer häufiger gegen eine klassische Konzernkarriere bei Siemens und BMW entscheiden.

Tillmann Obendorf

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