Vor der Geburt

Steuerklasse wechseln: So bekommen Schwangere mehr Elterngeld

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Wenn sich Nachwuchs meldet, freuen sich die meisten Eltern riesig. Doch sie sollten auch so schnell wie möglich handeln, wenn sie vom Elterngeld profitieren wollen.

Werdende Eltern wollen früh für ihren Nachwuchs vorsorgen. Um das Elterngeld ein wenig aufzustocken, gibt es Tricks, wie Sie am Ende mehr bekommen.

Wer bald Nachwuchs erwartet, freut sich über das besondere Ereignis – doch viele Paare machen sich auch bereits Gedanken, wie sie ihre kleine Familie zu dritt finanziell stemmen wollen. Dabei haben werdende Eltern einige Optionen – zum Beispiel über das Elterngeld.

Wer bereits vor der Geburt des Kindes verheiratet ist, hat schon einen wichtigen Schritt in Richtung Steuern sparen gelegt. Nach einer Hochzeit wechselt meist ein Ehepartner (mit dem geringeren Einkommen) in eine niedrigere Steuerklasse. Doch was nur wenige wissen: Durch den Wechsel können verheiratete Paare das Elterngeld nach der Geburt erhöhen.

Elterngeld: So bekommen verheiratete Paar noch mehr

Stiftung Warentest geht sogar davon aus, dass es sich hierbei um ein Plus von mehreren Tausend Euro handelt. Der Grund dafür: Der Elternteil, der die Elternzeit nimmt und zuhause bleibt, kann bereits zuvor seine alte gegen eine für ihn günstigere Steuerklasse tauschen.

Mit der Folge, dass das Elterngeld zum Ausgleich um einige hundert Euro steigt. Schließlich orientiert sich jenes noch am Nettogehalt vor der Geburt. Dabei können verheiratete Paare zwischen verschiedenen Steuer-Kombis wählen:

  • Beide Partner nehmen die Steuerklasse IV
  • Einer der Partner wählt die Steuerklasse III und der andere die V
  • Seit 2010: Beide Partner Steuerklasse „IV mit Faktor“

Wenn die Ehepartner unterschiedlich verdienen, empfiehlt es sich, dass der Vielverdiener (der mindestens 60 Prozent des gemeinsamen Bruttolohns verdient) die Steuerklasse III nimmt. So erhalten beide viel Netto vom Bruttogehalt. Der andere Partner rutscht dann oftmals in die Steuerklasse V.

Doch sobald sich Nachwuchs ankündigt, sollten Ehepaare schnell handeln – und der Partner, der nach der Geburt für zwölf Monate in die Elternzeit geht, vor der Geburt noch in die Steuerklasse III wechseln. Doch Vorsicht: Das gelingt nur, wenn derjenige erwerbstätig ist und mehr als das Mindestelterngeld von 300 Euro erwarten kann, warnt Stiftung Warentest.

Steuerklasse wechseln - und mehr Elterngeld kassieren?

Wenn ein Partner nun in die Steuerklasse III wechselt, verdient das Paar de facto erst mal weniger Netto. Doch das lässt sich mit der Steuererklärung wieder ausbügeln. Tipp: Wer sich über einen Wechsel informieren möchte, der geht am besten mit seinem Ehepartner zum Finanzamt Ihres Wohnorts. Dort können Sie schließlich auch einen Antrag stellen.

Doch seit Anfang 2013 erschwert das "Gesetz zur Vereinfachung des Elterngeldvollzuges" unglücklicherweise den Steuerklassen-Wechsel, wie Stiftung Warentest berichtet. Wer davon profitieren möchte, muss also schnell handeln. Am besten, sobald die Schwangerschaft bekannt geworden ist.

Die Grundregel hierbei gilt: Die Schwangere, die erwerbstätig ist, muss maximal sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes den Antrag stellen. Nach der Geburt kann der Elternteil mit der Steuerklasse V wieder in seine alte zurückkehren – ohne mit einer Kürzung des Elterngeldes rechnen zu müssen.

Frist verpasst für Steuerklassen-Wechsel: Drei Lösungen

Doch was tun, wenn man die Frist verpasst hat? Dann gibt es laut Stiftung Warentest nur noch einen Trick: Die Mutter muss nach der Geburt bei der Elterngeldstelle schriftlich einen Verzicht auf die "Ausklammerung" des Mutterschutzmonats erklären. Diesen finden Sie anbei im Formular für den Elterngeldantrag unter der Anlage "Erklärung zum Einkommen".

Das bedeutet konkret: Das Einkommen zu Beginn des Mutterschutzes wird mit berücksichtigt. Die Folge: Der fürs Elterngeld relevante Einkommenszeitraum verschiebt sich dadurch näher an die Geburt heran. Und dadurch haben Sie ein wenig Schonfrist und müssen den Antrag auf einen Steuerklassenwechsel dadurch auch erst später stellen.

Eine weitere Alternative wäre, den sechswöchigen Mutterschutz zu verschieben oder sogar ganz beziehungsweise teilweise darauf zu verzichten. So fließen am Ende die vollen zwölf Monate mit vollem Gehalt in die Elterngeldberechnung mit ein. Allerdings ist das nur zu empfehlen, wenn sich die Schwangere dazu auch in der Lage fühlt und das auch ärztlich bestätigt wurde.

Doch was passiert mit dem Elterngeld, wenn beide Ehepartner Elternzeit beantragen? Zwar beantragen in der Regel die Mütter zwölf Monate, doch auch viele Väter nehmen immer häufiger zwei Monate Elternzeit. Hier empfiehlt Stiftung Warentest allerdings, dass die Frau vor der Geburt in die Steuerklasse III wechselt und der Mann am besten in die V. Sollte allerdings der Ehemann die meisten Elterngeldmonate nehmen, wäre die beste Steuerkombi-Aufteilung in diesem Falle genau umgekehrt.

Von Jasmin Pospiech

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