"Hören Sie mich?"

Telefon-Abzocke: Wie Sie sich dagegen schützen können 

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Telefon-Abzocke und unerlaubte Telefonwerbung nehmen immer mehr zu.

Trotz der Bemühungen der Bundesnetzagentur nimmt die Zahl der unerlaubten Telefonwerbung eher zu als ab. Sie können sich als Verbraucher jedoch wehren.

Immer mehr Verbraucher werden am Telefon belästigt oder sogar abgezockt. Laut Bundesnetzagentur hat sich die Zahl schriftlicher Beschwerden seit Anfang 2017 fast verdoppelt, auf rund 4.200 Stück pro Monat. Viele Anrufer legten einen immer aggressiveren Ton an den Tag. Außerdem werden Wahlmaschinen, die immer wieder denselben Verbraucher anrufen, und unerlaubte Telefonwerbung ohne die Zustimmung des Kunden beklagt.

Unerlaubte Telefonwerbung: Immer wieder hohe Bußgelder verhängt

Kürzlich machte eine neue, besonders perfide Masche der Telefon-Abzocker die Runde. Demnach werden immer mehr Verbraucher am Telefon mit scheinbar unverfänglichen Ja-Fragen wie "Hören Sie mich?" oder "Wohnen Sie hier?" konfrontiert, die später in ungewollten Abonnements oder unabsichtlich abgeschlossenen Handy-Verträgen resultieren. Denn dieses harmlose "Ja" würden schwarze Schafe in der Telekommunikationsbranche herausschneiden und dann als Zustimmung der Kunden missbrauchen.

Unerlaubte Telefonwerbung wie in diesem extremen Fall veranlasst die Bundesnetzagentur immer wieder dazu, Bußgelder zu verhängen. Insgesamt waren es 2017 bereits 465.000 Euro. In einem aktuellen Fall verhängte die Agentur erneut Strafen aufgrund von Werbeanrufen ohne Einwilligung: Das Call-Center RegioCom Halle GmbH hatte für die E.ON Energie Deutschland GmbH Verbraucher angerufen und diesen einen Wechsel ihres Stromanbieters angeboten. Nachdem sich viele Verbraucher über diese Anrufe beschwert hatten, nahm die Bundesnetzagentur Ermittlungen auf. Diese ergaben, dass die Werbeanrufe ohne die erforderliche vorherige Einwilligung der Verbraucher erfolgt waren.

Bundesnetzagentur: Zustimmung immer "genau prüfen"

Dabei seien auch die vorformulierten Einwilligungserklärungen rechtlich unwirksam gewesen. Eine Werbeeinwilligung sei, so die aktuelle Pressemeldung, nämlich nur dann wirksam, wenn Verbraucher auf den ersten Blick genau erkennen könnten, welche Unternehmen für welche Produkte und Dienstleistungen werben wollen.

In diesem Fall war das aber nicht ersichtlich, weil die Adressen offenbar bei Adresshändlern eingekauft worden waren. Unseriöser Datenhandel also. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur sagt dazu: "Wir ahnden unerlaubte Telefonwerbung und gehen konsequent gegen Unternehmen vor, die sich unseriös erhobener Daten bedienen." Verbrauchern rät er indes: "Wer Werbeanrufe erhält, sollte genau prüfen, ob er dem zugestimmt hat. Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung des Verbrauchers sind verboten."

Tipps: Was Verbraucher gegen unerlaubte Telefonwerbung tun können

Natürlich lässt sich unerwünschte Telefonwerbung und Abzocke nicht gänzlich verhindern. Zumal viele Verbraucher in öffentlichen Verzeichnissen wie dem Telefonbuch registriert sind und sich dann nicht über Werbeanrufe wundern sollten. Trotzdem hält die Verbraucherzentrale einige Tipps gegen unerwünschte Werbeanrufer bereit:

  • Tipp Nr. 1: Telefonnummer nicht herausgeben, außer wenn es für die Abwicklung des Vertrags nötig ist.
  • Tipp Nr. 2: Auf Klauseln achten, welche die Nutzung oder Speicherung von Daten zu Werbezwecken erlaubt. Streichen Sie diese. Nach § 4a des Bundesdatenschutzgesetztes müssen solche Klauseln in irgendeiner Form hervorgehoben, also entweder abgesetzt, eingerahmt oder gefettet sein.
  • Tipp Nr. 3: Auch wenn es verlockend ist, Gewinnspiele sind Hauptquelle für die Datensammlung. Falls Sie an einem solchen Gewinnspiel teilnehmen, sollten Sie Ihre Telefonnummer entweder gar nicht angeben oder der Nutzung der Daten zu Werbezwecken widersprechen. Zu diesem Zweck bietet etwa die Verbraucherzentrale Bayern einen Musterbrief an. Auch gegen unerlaubt ausgestellte Rechnungen existieren Musterbriefe der
  • Tipp Nr. 4: Seien Sie bei "Ja"-Fragen wie oben beschrieben vorsichtig. Am besten antworten Sie auf die Frage "Hören Sie mich" mit "Ich höre Sie" oder dergleichen. Unseriöse Nummern sollten Sie unbedingt notieren und melden.
  • Tipp Nr. 5: Melden Sie unerlaubte Telefonwerbung bei der Bundesnetzagentur. Wenn Sie von Telefonabzocke oder Werbung betroffen sind, können Sie dies der Agentur unter folgendem Link melden.  

Zur weiteren Lektüre zum Thema Abzocke: Fünf Tipps zum Schutz gegen Kreditkartenbetrüger. Und: Was Sie gegen Schlüsseldienst-Abzocke tun können.   

Abgezockt: Die schlimmsten Fälle der Verbraucherzentrale

mop/Mit Material von dpa

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