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Wann zahlt man bei der Bank Negativzinsen?

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Von: Janine Napirca

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Ortschild Sparen durchgestrichen Negativzinsen
Zahlen Sie Negativzinsen oder Tagesgeldkontogebühren? © Michael Weber IMAGEPOWER/Imago

Wann man Negativzinsen zahlt und wie Sie als Sparer oder Sparerin negative Zinsen vermeiden können, erfahren Sie hier.

Viele Menschen in Deutschland sparen ihr Geld, indem sie es zur Bank bringen. Es gab einmal eine Zeit, in der sich dieses Vorgehen durch Zinsen bezahlt gemacht hat. Doch das ist lange vorbei. Inzwischen erheben laut Sparkasse.de die meisten Banken und Sparkassen Negativzinsen – zumindest ab einer gewissen Summe. Wenn Kundinnen und Kunden höhere Beträge wie beispielsweise ab 25.000 Euro oder 50.000 Euro auf einem Giro- oder Tagesgeldkonto sparen, werden dafür unter Umständen Negativzinsen fällig. Wie Sie Negativzinsen vermeiden können und die aktuelle Lage für 2022 aussieht, erfahren Sie hier.

Wie umgehe ich Negativzinsen?

Einer Mitteilung des Vergleichportals Verivox zufolge können Banken Negativzinsen in laufenden Verträgen nicht einseitig einführen, weshalb neue Kondition zunächst ausschließlich Tagesgeldkonten und Girokonten betreffen. Sollen Bestandskunden und -kundinnen Negativzinsen zahlen, muss die Bank das dem Unternehmen zufolge mit den Betroffenen individuell vereinbaren.

„Spätestens wenn die eigene Bank Negativzinsen einführen will, sollten Sparer sich nach Alternativen umsehen. Der Marktvergleich zeigt, dass es auch ohne Negativzinsen geht. Auch bei deutschen Banken finden Sparer immer noch Tagesgeldangebote mit einer positiven Verzinsung.“

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH

Um Negativzinsen zu umgehen, sollten Sie entweder die Bank wechseln* oder Ihr Geld auf mehrere Kreditinstitute verteilen, sodass Sie die Freibeträge nicht überschreiten. Oder Sie entschließen sich, Ihr Geld nicht zu sparen, sondern anders anzulegen, wie zwei von drei Frauen, die 2022 mehr investieren wollen. Der Mitteilung von Verivox zufolge sind auch Tagesgeldgebühren faktische Negativzinsen. Die Auswertung ergab, dass bei 22 Banken und Sparkassen Sparerinnen und Sparer eine Gebühr für das normalerweise kostenlose Tagesgeldkonto bezahlen müssen. Von den genannten Banken und Sparkassen verlangen 13 zusätzlich noch Negativzinsen.

„Aus Sicht der Sparer entstehen dadurch faktisch Negativzinsen, schließlich verringert sich das Guthaben auf ihrem Konto, auch wenn die Bank nominal einen Zinssatz von 0,00 oder 0,01 Prozent ausweist.“

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH

Im ersten Quartal 2022 erheben 499 Banken Negativzinsen

Die Anzahl der Banken und Sparkassen, die Kundinnen und Kunden mit Negativzinsen belasten, ist der Auswertung von Verivox zufolge im ersten Quartal 2022 weiter angestiegen. Inzwischen verlangen dem Bericht nach 449 Kreditinstitute Negativzinsen von ihren Privatkundinnen und -kunden. Ende 2021 waren es noch 423 Kreditinstitute, vor einem Jahr sogar nur 281. Zudem werden die Freibeträge immer geringer.

„Wenn der EZB-Strafzins auf Bankeinlagen wegfällt, dürften viele Kreditinstitute nachziehen und die Negativzinsen für Sparer nach und nach abschaffen. Aktuell kann allerdings niemand genau sagen, wann und wie schnell die EZB die Zinsen erhöhen wird.“

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH

Zuletzt hatten mehrere Banken ein Ende von negativen Zinsen versprochen, sobald die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Minuszinspolitik auslaufen lasse, dem Vergleichsportal Verivox zufolge sei das allerdings noch „Zukunftsmusik“.

Die Zinspolitik der EZB ist entscheidend für die weitere Entwicklung von Negativzinsen

Bei der Höhe des Verwahrentgelts orientieren sich die meisten Banken laut Verivox am negativen Einlagezins der EZB. Auf einen Teil ihrer überschüssigen Einlagen müssen Kreditinstitute dem Unternehmen zufolge selbst 0,5 Prozent Strafzinsen an die Notenbank abführen. 19 Banken gehen laut Auswertung noch über diesen EZB-Strafzins hinaus und berechnen zumindest einem Teil ihrer Kunden Verwahrentgelte in Höhe von 0,55 bis 1 Prozent. 

Quelle: Verivox

Wer ist von Negativzinsen betroffen?

Dadurch, dass die Freibeträge immer mehr reduziert werden, sind inzwischen nicht nur vermögende Bankkunden und -kundinnen von Negativzinsen betroffen. Welche drei Dinge Sie vermeiden sollten, wenn Sie reich werden wollen, lesen Sie hier. Der Auswertung von Verivox zufolge erheben einige Kreditinstitute bereits ab einem Guthaben von 10.000 Euro oder sogar nur 5.000 Euro negative Zinsen.

„Schon längst müssen nicht mehr nur besonders vermögende Bankkunden Negativzinsen zahlen, auch Klein- und Durchschnittssparer sind immer häufiger betroffen.“

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH

Sind Negativzinsen überhaupt erlaubt?

Der Mitteilung des Unternehmens nach ist noch nicht abschließend geklärt, ob Banken und Sparkassen überhaupt Negativzinsen erheben dürfen, denn die Gerichte seien sich nicht einig. Es habe zwei Fälle gegeben, in denen deutsche Landgerichte die Verwahrentgelte einzelner Banken für rechtswidrig erklärten. Andere Gerichte entschieden, dass Banken unter bestimmten Voraussetzungen durchaus Negativzinsen berechnen dürften. Allerdings sind die Urteile Verivox zufolge nicht rechtskräftig, da eine höchstrichterliche Entscheidung noch ausstehe. (jn) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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