FSME

265 Fälle von Hirnentzündung in 2014 - Zecken bald aktiv

+
Im Frühjahr beginnt die Zecken-Saison.

Der nahende Frühling freut auch die Zecken: Bei milden Temperaturen werden sie aktiv. Als Überträger von FSME sind die Tiere gefürchtet. Jedes Jahr erkranken Menschen an der Hirnentzündung - wie viele, hängt auch vom Wetter ab.

Berlin - In Deutschland sind im vergangenen Jahr 265 Menschen an der von Zecken übertragenen Hirnentzündung FSME erkrankt. Nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) gingen die Zahlen für die Frühsommer-Meningoenzephalitis im Vergleich zu 2013 zurück: Damals gab es 420 Fälle.

Solche Schwankungen von Jahr zu Jahr seien normal, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Die Fallzahl hänge unter anderem vom Wetter ab - weil abhängig davon mehr oder weniger Menschen in der freien Natur unterwegs sind.

FSME durch Zecken

FSME kann in schweren Fällen bleibende Schäden wie Lähmungen zur Folge haben. Sobald es tagsüber längere Zeit mindestens sechs bis acht Grad warm ist, werden die Zecken hierzulande wieder aktiv. Wie sich die Bestände in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist stark von der Witterung abhängig: Als größter Feind der Zecke gilt längere Trockenheit. Zudem gibt es einen Zusammenhang mit der Zahl der Mäuse, dem wichtigsten Wirtstier für den Zeckennachwuchs.

Bei weitem nicht jede Zecke trägt den FSME-Erreger in sich. Die Risikogebiete liegen vor allem im Süden Deutschlands. Für Regionen wie Berlin und Brandenburg sei keine Hochstufung zum Risikogebiet zu erwarten, sagte Glasmacher. Nach der RKI-Karte besteht vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und im südöstlichen Thüringen die Gefahr, sich mit FSME anzustecken. In Sachsen zählt der Vogtlandkreis zu den Gefahrengebieten.

In Bayern ist das FSME-Infektionsrisiko besonders hoch 

Im vergangenen Jahr wurden die meisten FSME-Fälle in Bayern (123) und Baden-Württemberg (95) registriert, mit großem Abstand folgten Hessen (18) und Sachsen (15). In anderen Bundesländern spielte die Infektion mit maximal drei Fällen kaum eine Rolle. Nicht immer ist der Meldeort von FSME auch der Infektionsort - die Fälle werden nach dem Wohnort des Patienten registriert. 2012 gab es bundesweit 195 gemeldete FSME-Fälle, 2011 waren es 424 und im Jahr davor 260.

FSME-Erreger sind Viren, die beim Zeckenstich auf den Menschen übertragen werden können. Experten empfehlen denjenigen eine Schutzimpfung, die in Risikogebieten leben, arbeiten oder dort Urlaub machen und in freier Natur Kontakt zu Zecken haben könnten. Für die Dreifachimpfung gegen Zecken gibt es in vielen Risikogebieten für Kinder recht gute Impfquoten, für Erwachsene jedoch häufig nicht.

Die Infektion gilt für Erwachsene jedoch als gefährlicher als für Kinder. In besonders schweren Fällen kann es nach einer FSME-Infektion zur Gehirnentzündung und zur Schädigung des Rückenmarks kommen. Nur im Extremfall verläuft die Krankheit tödlich.

Eine weitere von Zecken übertragene Erkrankung ist die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose. Typische Risikogebiete gibt es für dafür nicht. Die Infektion beginnt oft mit einem roten Ring, der sich um den Zeckenstich bildet. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber sein. Unbehandelt sind Spätfolgen wie Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen möglich.

Werden Zecken schnell entfernt, lässt sich das Risiko deutlich verringern, dass durch den Zeckenstich Borreliose-Erreger übertragen werden. Die Borrelien befinden sich im Darm der Zecken und werden erst nach einiger Zeit übertragen, in der Regel nach rund einem Tag. Das erläutert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Zecken können außerdem Viren übertragen, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen. Diese Viren gelangen durch den Stich aus den Speicheldrüsen der Zecken relativ schnell in die Blutbahn des Menschen.

Für das Entfernen der Zecken gibt die Bundeszentrale folgende Tipps:

  • Die Zecke muss so schnell wie möglich mit einer Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange entfernt werden.
  • Sie wird dafür im Kopfbereich möglichst nah an der menschlichen Haut angefasst.
  • Sie wird vorsichtig mit gleichmäßiger Geschwindigkeit aus der Haut gezogen.
  • Sie darf dabei nicht zerquetscht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass mit Erregern infizierter Speichel schneller übertragen wird.
  • Die Zecke darf nicht, wie manchmal empfohlen, mit Nagellack, Klebstoff oder Öl bedeckt werden. Solche Maßnahmen helfen nicht.
  • Die Wunde muss nach dem Entfernen der Zecke gründlich desinfiziert werden.

Aufgepasst: Das sind die acht häufigsten Irrtümer über Zecken

Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf.
Von April bis September lauern sie auf ihre Wirte: Holzbock, Schafzecke oder die braune Hundezecke. Doch über Zecken existieren etliche Mythen. Wir klären die häufigsten Irrtümer auf. © dpa
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen.
Mythos I: Zecken fallen nur von Baumkronen. © dpa
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden.
Dass Zecken nur von Bäumen auf ihre Wirte fallen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Die Blutsauger halten sich vielmehr in hohen Gräsern und im Unterholz in einer Höhe von bis zu 1,50 Meter auf. Entsprechend sollte bei Spaziergängen geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen getragen werden. © dpa
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen.
Mythos II: Zecken mit Öl und Klebstoff entfernen. © dpa
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden.
Ja keine Zeckenbeseitigung mit Hilfe von Öl und Klebstoff. Die Zecke wird dadurch zwar erstickt, gibt aber im Todeskampf vermehrt Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in die Blutbahn ab. Die Zecke sollte nur mit einer Zeckenpinzette oder ärztlich entfernt werden. © dpa
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen.
Mythos III: Ein weiterer Irrtum ist, dass Zecken sofort entfernt werden müssen. © ap
Zecken: Die häufigsten Irrtümer
Ruhe bewahren: Denn wenn Zecken zu abrupt von der Haut entfernt werden, können Teile ihres Körpers abreißen und zu Infektionen führen. © ap
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten.
Mythos IV: Infektionen durch Zecken gibt es nur in Risikogebieten. © ap
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen.
Infizierte Zecken gibt es überall in Deutschland. Es ist also auch überall von möglichen Infektionen auszugehen. © ap
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall.
Mythos V: Eine Zeckeninfektion ist kein Unfall. © ots
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert.
Falsch ist die Annahme, dass Zeckenbissinfektionen nicht von der Unfallversicherung abgedeckt werden. Eine aus einer Infektion mit einem Erreger der Infektionskrankheiten Borreliose und Frühsommermeningitis resultierende Invalidität ist in der Unfallversicherung mitversichert. © ots
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen.
Mythos VI: Mit richtiger Kleidung kann ich mich schützen. © dpa
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln.
Im Prinzip halten Gummistiefel und lange Hosen Zecken ab oder zumindest auf. Sicheren Schutz kann Kleidung allein jedoch nicht gewähren. Zecken können auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle eine ganze Weile herumkrabbeln. © dpa
Mythos VII: Zecken können verhungern.
Mythos VII: Zecken können verhungern. © zecken.de
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben.
Mit einer einzigen Blutmahlzeit kann eine Zecke sehr lange überleben. Im Labor konnten Zecken, die vorher Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung überleben. © zecken.de
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor.
Mythos VIII: FSME Frühsommer-Menigoenzephalitis kommt nur im Frühsommer vor. © zecken.de
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren.
Der Name der Krankheit täuscht. Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren. © zecken.de

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.