Achtung Heuschnupfen: Die Pollen fliegen wieder

Wolfram Feußner

Niesattacken, Gaumenkribbeln und Augenjucken: Die Heuschnupfensaison hat begonnen. Das sonnige trockene Vorfrühlingswetter treibt bereits die Pollen von Erle, Hasel und Weide durch die Luft. Für schätzungsweise 20 Millionen Allergiker beginnt auch in diesem Jahr die Heuschnupfen-Saison früh. Grund genug, sich zu wappnen und vorzusorgen. Dr. Wolfram Feußner, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde sowie Allergologie aus Kassel, sagt, was Betroffene tun können.

Vorbeugen Bei starkem Pollenflug sollte man die Fenster geschlossen halten. Lüften sollte man möglichst nur bei Regen und in den späten Abendstunden, rät der Facharzt. Kleidung, die man draußen getragen hat, sollte man nicht im Schlafzimmer ablegen und häufig waschen. Wäsche (vor allem Bettwäsche) sollte man nicht im Freien trocknen lassen und Haare täglich abends vor dem Zubettgehen waschen. Beim Autofahren kann ein Pollenfilter vor Allergenbelastungen schützen. Auch ein Staubsaugers mit Pollenschutzfilter macht Sinn.

Behandeln

Heuschnupfengeplagte sollten sich rechtzeitig Antihistaminika aus der Apotheke besorgen, um sofort reagieren zu können, wenn die ersten Symptome auftreten, rät Feußner. Gut wirksam und meist verträglich sind frei verkäufliche Medikamente (die gesetzlichen Krankenkassen zahlen diese Arzneien in der Regel nicht), die die Wirkstoffe Certirizin oder Loratadin enthalten. Zunächst, so der Mediziner, sollte man morgens eine Tablette einnehmen. Wenn die Beschwerden andauern, auch am folgenden Tag eine. Unterstützend helfen können Nasensprays mit Kortikoiden (muss der Arzt verordnen) oder spezielle Augentropfen. Feußners Tipp für Heuschnupfenpatienten: Die Nase zum Schutz vor Pollen innen mit etwas Vaseline einreiben und morgens mit etwas Speiseöl gurgeln.

Wen trifft es?

Allergien, so auch Heuschnupfen, können in jedem Alter auftreten. Ein besonderes Risiko haben Menschen mit familiärer Vorbelastung. Aber auch ohne erbliche Faktoren kann es sein, dass zu bestimmten Jahreszeiten plötzlich Symptome auftreten. Feußner: „Das ist nicht ungewöhnlich. Meine älteste Patientin, die Heuschnupfen entwickelte, war 85 Jahre alt.“ In solch einem Fall sollte man einen Allergietest beim Arzt machen lassen, empfiehlt der Mediziner.

Asthmagefahr

Denn unbehandelte allergische Entzündungen können häufig chronisch werden und auf Lunge und Bronchien schlagen. So kann sich auch ein allergisches Asthma entwickeln. Bereits beim ersten Gaumenjucken sollten Betroffene deshalb gleich die Behandlung mit einem Kortikoid zum Inhalieren beginnen, rät Feußner. Dieses habe in therapeutischer Dosis so gut wie keine Nebenwirkungen. Patienten mit allergischem Asthma, die regelmäßig inhalatives Kortison benutzen, müssen immer ihr Notfallspray dabeihaben, betont der Mediziner.

Immuntherapie

Wer im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll hat vom Heuschnupfen oder gar Gefahr läuft, ein Asthma zu entwickelt, findet in vielen Fällen langfristig Hilfe durch eine zielgerichtete Immuntherapie. Gerade wenn der Betroffene nur auf einzelne Allergene reagiert und noch eine gute Lungenfunktion hat, kann eine Hyposensibilisierung die Allergie wirksam behandeln, betont Feußner. Bevor man damit beginnt, sei es sinnvoll, ein Jahr lang einen Allergie-Kalender zu führen. Mit der Immuntherapie beginnt man vor dem Pollenflug. Dabei wird das Immunsystem über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren in kleinen Dosen an die Allergieauslöser gewöhnt, um zu verhindern, dass der Körper übertrieben darauf reagiert. Auch wenn der zeitliche Aufwand für den Patienten groß ist, sei dies eine sinnvolle Methode, „die schon sehr vielen Patienten geholfen hat“. In der Regel werden bei der Hyposensibilisierung in regelmäßigen Abständen Spritzen verabreicht. Bei der Teilnahme an einer Studie zur Immuntherapie mit Tabletten gegen Gräserpollen hat der Lungenfacharzt aber auch gute Erfahrungen gesammelt.

Kreuzallergie

Heuschnupfengeplagte sind eigentlich schon belastet genug. Immer häufiger reagieren Allergiker aber auch auf Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse. Die sogenannten Kreuzallergien sind immer weiter verbreitet. Kribbeln und Juckreiz bis hin zu Schwellungen der Mund- und Rachenschleimhäute sowie Durchfall und Bauchkrämpfe können die Folge sein. Besonders betroffen sind Menschen, die auf Birkenpollen reagieren. Aber auch andere Baumpollenallergiker entwickeln Nahrungsunverträglichkeiten gegen Nüsse, Kern- und Steinobst, Bier, Möhren, Sellerie, Bananen und Kiwi. Wer auf Kräuterpollen reagiert, verträgt häufig keine Gewürze (vor allem Mischgewürze). Und bei Latex-Allergien gibt es öfter Probleme mit Südfrüchten und Esskastanien. In vielen Fällen tritt eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie nur während der Pollensaison auf. (hei)

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