Die Alexander-Technik setzt bei Rückenschmerzen auf ein besseres Gespür für den Körper

Kontrolle für beide: Der Spiegel hilft Klientin und Trainerin, sich bei alltäglichen Bewegungen zu beobachten und Anspannungen zu vermeiden. Foto:  Polk

Kassel. Bevor Daniela Dietrich-Krug vom Stuhl aufsteht, konzentriert sie sich. Sie rutscht nach vorn, stellt die Füße nebeneinander, verlagert ihren Oberkörper nach vorn und richtet sich auf.

Ineke de Jongh legt ihr eine Hand an die Halswirbelsäule. „Spüren Sie, wie sich hier Spannung aufbaut?“, fragt die Trainerin für Alexander-Technik.

Als Grundschullehrerin muss sich Daniela Dietrich-Krug oft bücken und wieder aufrichten. Sie litt lange Zeit unter Rückenschmerzen, hatte schließlich einen Bandscheibenvorfall. Alle Behandlungsmethoden, die sie bisher ausprobierte, halfen ihr nicht.

Durch Alexander-Technik lernt sie jetzt, sich ökonomisch und ohne Anspannungen zu bewegen. „Bei fast allen Menschen schleichen sich unmerklich Muster ein, die mit einer Verkürzung der Muskulatur an irgendeiner Stelle einhergehen. Das führt irgendwann zu Schmerzen“, sagt Ineke de Jongh.

Seit Jahren trainiert sie Klienten darin, ein besseres Gespür für ihren Körper zu entwickeln und Bewegungen bewusster zu steuern. Das fängt bei Grundpositionen an: Wie sitzt man entspannt? Wo muss mein Körper beim Aufstehen etwas tun? Was spanne ich beim Laufen an? „Ziel ist, den Körper frei und leicht bewegen zu können. Ein Muster mit Verspannungen ist nicht frei“, sagt die Trainerin.

Sie beobachtet das Zusammenspiel einzelner Körperpartien während der Bewegungen. Alte Muster sollen aufgespürt und durch körpergerechte, leichte Bewegungen ersetzt werden. Ihre Hände begleiten, spüren Verspannungen auf, geben kleine Impulse, um ein Gespür für mehr Entspannung an bestimmten Stellen zu vermitteln. „Mehr Länge muss man nicht erkämpfen, sondern zulassen“, sagt sie. Daniela Dietrich-Krug kennt den Unterschied aus Erfahrung. „Man bekommt stets gesagt, dass man gerade stehen oder gehen soll. Aber wie geht das?“, fragt sie.

Übungen gibt es in der Alexander-Technik nicht. Es geht um den Umgang mit sich selbst im Alltag. Nach den Grundpositionen nimmt sich Ineke de Jongh typische Alltagssituationen vor, das Sitzen am Rechner beispielsweise.

Sie weiß, dass jede seelische Regung sich körperlich niederschlägt. „Man kann sich die Umwelt zu Diensten machen, so gut es geht. Stress gibt es nun mal. Sich dabei frei zu bewegen, kann man lernen,“ sagt Ineke de Jongh.

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