Allergiker sollten beim Sport einen Gang runterschalten

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Interview: Die Baunataler Ärzte Stefan Dargel und Dr. Katarina Ludwig geben Tipps für Sportler mit Heuschnupfen

Vom Frühling bis zum Herbst ist Hochsaison für Sport im Freien. Allerdings macht Allergikern derzeit die ungewöhnlich hohe Pollenbelastung durch die lang anhaltende Trockenheit zu schaffen. Wir fragten die Lungenfachärzte Dr. Stefan Dargel und Dr. Katarina Ludwig, worauf Allergiker und Asthmatiker achten sollten.

Ist Sport für Menschen mit Heuschnupfen und Asthma gesund, oder sollten sie bei starker Pollenbelastung lieber pausieren?

Dr. Katarina Ludwig: Allergiker sollten, wenn es geht, möglichst so gut behandelt sein, dass sie mit möglichst wenig Beschwerden weitertrainieren können. Bewegung ist allgemein sehr wichtig für die Gesundheit, und ein verbesserter Trainingszustand verringert dann das Gefühl der Luftnot.

Welche Medikamente können Sportler mit Allergien und Asthma nehmen?

Ludwig: Für den Heuschnupfen können Nasensprays, Augensalben und Tropfen genutzt werden, für stärker Betroffene gibt es antiallergische Tabletten (Antihistaminika). Für Asthmatiker stehen Bronchien erweiternde und beruhigende Sprays und Pulver zur Verfügung. Da die Krankheit sich aber sehr unterschiedlich ausprägen kann, muss eine geeignete Therapie für jeden Allergiker und Asthmatiker individuell erstellt werden. Deshalb sollten Betroffene auch keine Scheu haben, einen Facharzt aufzusuchen und sich eingehend untersuchen und beraten lassen.

Kann man vorbeugend schon etwas tun?

Stefan Dargel: Ganz allgemein - das gilt nicht nur für Sportler - kann man mit der Hyposensibilisierung oft gut vorbeugen. Dabei bekommt der Patient kontinuierlich die Allergene unter die Haut gespritzt, um den Körper daran zu gewöhnen und so die Symptome zu lindern. Allerdings funktioniert diese Therapie nur bei Patienten gut, die auf wenige Allergene reagieren. Darüber hinaus muss man mit der Therapie rechtzeitig vor der Pollensaison beginnen, zum Beispiel im Herbst. Vorbeugend wirken aber auch – kurzfristiger – Antihistaminika, Cortison, Nasen- und Bronchialsprays sowie lang wirksame Bronchien erweiternde Sprays und Pulver sowie Tabletten mit dem Wirkstoff Montelukast.

Ist für schlimmer Betroffene Hallensport eine Alternative?

Dargel: Das muss der Patient ganz nach seinem Empfinden selbst entscheiden. Wer aber bereits bei einem normalen Aufenthalt im Freien schon starke Probleme beim Atmen hat, sollte auf körperliche Anstrengungen an der frischen Luft lieber erst mal verzichten.

Ist es ratsam, das Trainingspensum zu verringern?

Ludwig: Man sollte entsprechend seiner Leistungsfähigkeit trainieren. Wenn es allerdings zu Problemen mit der Atmung kommt, sollte man unbedingt einen Gang zurückschalten. Auf jeden Fall sollte das Inhalationsspray, das sofort die Bronchien erweitert, immer dabei sein und bei Beschwerden und eventuell auch vor dem Sport angewendet werden.

Kann man sich mit einem Mundschutz gegen die Pollen schützen?

Dargel: Ein Mundschutz ist nicht zu empfehlen, da es dann auch ein Mund- und Nasenschutz sein müsste, der beim Sport hinderlich wäre. Für betroffene Landwirte gibt es spezielle Helme, über die kontinuierlich frische gefilterte Luft angesaugt wird. Dies ist jedoch für Sportler ungeeignet und teuer.

Von Diana Rissmann

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