Alte Arznei darf nicht in Toilette

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Tabletten im Wasserstrahl: Ein Symbol für die zunehmende Gefahr von Medikamenten-Rückständen im Trinkwasser durch eine unsachgemäße Entsorgung von Altarznei.

Einige Apotheken nehmen keine abgelaufenen Arzneimittel mehr zurück. Was soll ich denn mit alten Medikamente machen? Dürfen die in der Toilette oder im Restmüll entsorgt werden?“, fragt eine Leserin aus Ehlen.

Antworten hat Apothekerin Kornelia Hellmuth, Vorstandsmitglied im Hessischen Apothekerverband (HAV), aus Schauenburg-Elgershausen:

„Altarzneimittel sollten auf keinen Fall in der Toilette entsorgt werden“, sagt Hellmuth. Auf diese Weise könnten Arzneimittelwirkstoffe in die Umwelt geraten. Auch die Entsorgung in der Hausmülltonne hält Hellmuth für problematisch, da die etwa auch für Kinder zugänglich sei.

Die geänderte Verpackungsordnung hatte dazu geführt, dass seit Mitte 2009 Apotheken die Entsorgung abgegebener Altmedikamente (siehe Hintergrund) nicht mehr kostenfrei anbieten konnten. Laut Hellmuth hat der HAV jetzt einen kostengünstigen Vertrag mit einem Versorgungsunternehmen abgeschlossen. Dieses stelle Apotheken im Kreis Sammelsäcke zur Verfügung, hole diese ab und entsorge die Medikamente. Rund 60 Euro koste die Leistung die Apotheken im Quartal. Für die Bürger sei der Service kostenfrei. Aber nicht alle Apotheken im Kreis beteiligen sich daran.

Ohne Verpackung abgeben

Grundsätzlich rät die Pharmazeutin, abgelaufene Arzneimittel in einer Apotheke, die diesen Service anbietet, abzugeben. Auch sie beteiligt sich mit ihrer Apotheke an dem Modell. In Kassel dagegen übernehmen seit mehr als 20 Jahren die Stadtreiniger die Entsorgung der in Apotheken abgegebenen Altarzneimittel. Finanziert wird diese Leistung laut Ulrich Hackmann, Beauftragter für Qualitätsmanagement bei den Kasseler Stadtreinigern, über die Abfallgebühren.

„Vor der Abgabe von Altmedikamenten in der Apotheke sollten unnötige Verpackungen entfernt werden“, sagt Apothekerin Hellmuth. Die können in der Regel über den normalen Papiermüll entsorgt werden. Sie empfiehlt, die Verfallsdaten auf Verpackung und Beipackzettel zu beachten. Bei Augentropfen rät sie, sich das Datum der ersten Öffnung zu notieren. Spätestens sechs bis acht Wochen nach dem Öffnen sollten sie entsorgt werden. Auch bei Hustensaft sollte man entsprechende Hinweise auf dem Beipackzettel beachten.

Generell soll man Medikamente laut Hellmuth nicht im Bad lagern. „Durch die hohe Feuchtigkeit können beispielsweise Tabletten aufquellen“, sagt sie. Auch die hohen Temperaturunterschiede dort beeinflussten die Haltbarkeit. Behältnisse in Flur oder Diele seien dagegen ideal. „Dort herrscht meistens eine konstante Raumtemperatur“, sagt sie. Zudem sollten Medikamente für Kinder unzugänglich gelagert werden. (mkx)

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